4.000 Erstsemester starten ihr Studium an der Universität Bielefeld
Am Montag, 12. Oktober, war das Audimax der Universität Bielefeld fast bis auf den letzten Platz gefüllt. 1.064 Menschen passen in den Hörsaal, an diesem Vormittag war kaum ein Sitz frei. Zum Wintersemester 2026/27 beginnen an der Universität rund 23.000 Studierende ihr Studium, darunter etwa 4.000 Erstsemester.
Viele der neuen Studierenden kommen aus Bielefeld oder dem direkten Umland. Andere sind aus weiter entfernten Regionen nach Ostwestfalen gezogen. Bielefeld, erzählen einige, wirke im Vergleich zu Berlin, Köln oder Stuttgart kleiner, gemütlicher und überschaubarer. Die Wohnungssuche war für mehrere von ihnen trotz anfänglicher Schwierigkeiten erstaunlich unkompliziert.
Zwischen O-Kiste und Erstsemesterparty
Die 20-jährige Tabea ist aus der Nähe von Bonn nach Bielefeld gekommen. Gemeinsam mit zwei Freundinnen wohnt sie im Studentenwohnheim „O-Kiste“. Kennengelernt hatten sich die drei in einem Freiwilligen Ökologischen Jahr. Obwohl sie unterschiedliche Fächer studieren, wollten sie gemeinsam in einer Stadt anfangen.
Tabea studiert Soziologie und Literaturwissenschaften, ihre Mitbewohnerinnen beginnen Studiengänge in Chemie und Umweltwissenschaften. Vor dem Semesterstart zogen sie durch die Stadt und waren auf der Erstsemesterparty im Stereo. Der scherzhafte Ruf, Bielefeld gebe es gar nicht, stört Tabea ebenso wenig wie die Kritik am Erscheinungsbild der Universität. Entscheidend sei für sie nicht, wie die Uni aussehe.
Bei der Begrüßung im Audimax sprach Universitätsrektorin Angelika Epple darüber, was Studierende aus ihrer Zeit an der Hochschule machen sollen: eigenständig denken, Neues entdecken, sich austauschen, Perspektiven wechseln und fundierte Kritik üben. Künstliche Intelligenz könne das Studium unterstützen, sagte Epple, den persönlichen Austausch aber nicht ersetzen.
Die Universität verzeichnet laut Epple eine steigende Zahl internationaler Studierender. Gleichzeitig ist der Abiturjahrgang in Nordrhein-Westfalen klein. Der Wechsel von G8 zu G9 an den Gymnasien hat die Zahl der Abiturientinnen und Abiturienten deutlich sinken lassen – und damit auch die Zahl der potenziellen Studienanfänger.
Mehr Beratung, mehr Fächer, weniger Hürden
Die Universität reagierte darauf mit erweiterten Beratungs- und Informationsangeboten, einem größeren Studienangebot und der Aufhebung von Zulassungsbeschränkungen, sofern das möglich war. Mit 4.000 Erstsemestern liegt Bielefeld laut Artikel zehn Prozentpunkte über dem NRW-Durchschnitt.
Oberbürgermeisterin Christiana Bauer begrüßte die neue Studierendengeneration. Sie selbst studierte vor 15 Jahren in Bielefeld. Der Unternehmer Dirk Ludowig erzählte von seinem Weg in die Selbstständigkeit mit einer Medienproduktion und ermutigte die Studierenden, eigene Wege zu gehen – auch dann, wenn sich Chancen außerhalb der ursprünglichen Pläne auftun.
Zwischendurch gab es einen Poetry Slam. Der AStA stellte sich als Interessenvertretung der Studierenden vor. Im Saal mischten sich Applaus, Stimmengewirr und die etwas angespannte Energie eines ersten Studientags. Bei manchen dürfte der Stundenplan schon im Kopf herumgespukt haben.
Die Universität Bielefeld meldet zum Wintersemester 2026/27 rund 23.000 Studierende. Der zusätzlich bereitgestellte PDF-Datensatz zu den Zulassungszahlen enthält allerdings nur einen fragmentierten, komprimierten Datenstrom. Lesbare Nachrichteninhalte, Überschriften, Quellen oder überprüfbare Fakten sind darin nicht enthalten; eine inhaltliche Zusammenfassung dieses Dokuments ist deshalb nicht möglich.
Bielefeld im größeren Hochschulbild
Deutschlandweit waren im Wintersemester 2025/26 an 421 Hochschulen knapp 2,9 Millionen Studierende eingeschrieben. Seit dem Wintersemester 1998/99 ist die Zahl deutlich gestiegen: Damals waren es rund 1,8 Millionen. Besonders stark wuchs sie Anfang der 2010er-Jahre, zuletzt ging sie leicht zurück. Die Marke von drei Millionen wurde bislang nicht erreicht.
57,3 Prozent der Studierenden besuchten im Wintersemester 2025/26 Universitäten, rund 1,6 Millionen Menschen. An Hochschulen für angewandte Wissenschaften beziehungsweise Fachhochschulen studierten 38,4 Prozent, rund 1,1 Millionen. Weitere 4,2 Prozent entfielen auf andere Hochschularten, darunter Verwaltungsfachhochschulen, Kunst- und Musikhochschulen, Pädagogische Hochschulen und Theologische Hochschulen.
Gerade die HAW und FH haben in den vergangenen 20 Jahren kräftig zugelegt: Ihre Studierendenzahl hat sich mehr als verdoppelt. An Universitäten ist dagegen seit einigen Jahren eine Sättigung erkennbar. Auch an Verwaltungsfachhochschulen, Kunst- und Musikhochschulen sowie Pädagogischen Hochschulen stiegen die Zahlen. Theologische Hochschulen blieben zahlenmäßig niedrig oder verzeichneten zuletzt Rückgänge.
85,4 Prozent der Studierenden waren an staatlichen Hochschulen eingeschrieben, rund 2,4 Millionen. Private, staatlich anerkannte Hochschulen kamen auf 13,5 Prozent, etwa 387.000 Studierende; kirchliche Hochschulen lagen bei ungefähr einem Prozent. Zum Vergleich: 2005/06 betrug der Anteil privater Hochschulen erst 2,7 Prozent, ihre Studierendenzahl hat sich seitdem etwa verzehnfacht. Die private IU Internationale Hochschule hatte zuletzt über 125.000 Studierende und war damit Deutschlands größte Hochschule. Auch staatliche Hochschulen haben heute deutlich mehr Studierende als vor 20 Jahren, zuletzt zeigte sich dort allerdings ein leichter Rückgang.
Wer studiert – und was?
Im Wintersemester 2025/26 studierten 1.468.030 Frauen an deutschen Hochschulen. Ihr Anteil lag bei 51,3 Prozent. Seit 2021 studieren mehr Frauen als Männer; 1998/99 hatte der Frauenanteil noch 44,5 Prozent betragen.
Im Wintersemester 2024/25 waren 492.087 ausländische Studierende in Deutschland eingeschrieben. Als ausländische Studierende gelten dabei alle Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit – unabhängig davon, ob sie ihre Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland oder im Ausland erworben haben. Ihr Anteil stieg von 9,2 Prozent im Wintersemester 1998/99 auf 18,0 Prozent im Wintersemester 2025/26. Der internationale Zuwachs, von dem Angelika Epple für Bielefeld berichtet, passt also in eine größere Entwicklung.
Die meiststudierten Fächer sind Betriebswirtschaftslehre, Informatik und Medizin beziehungsweise „Allgemein-Medizin“ in der Statistik des Statistischen Bundesamtes. Psychologie und Rechtswissenschaft liegen nahezu gleichauf. Besonders in Informatik, Psychologie und Sozialer Arbeit stiegen die Studierendenzahlen in den vergangenen 20 Jahren. Im Maschinenbau beziehungsweise Maschinenwesen gingen sie in den vergangenen Jahren deutlich zurück.
Zum Wintersemester 2025/26 wurden Ergotherapie, Hebammenwissenschaft, Logopädie/Sprachtherapie und Physiotherapie neu beziehungsweise als separate Fächer in die Fächersystematik aufgenommen. Eine im Februar 2025 veröffentlichte CHE-Studie ermittelte außerdem rund 250.000 Studierende im Fernstudium. Mindestens 8.800 deutsche Studierende studieren laut dem aktuellen CHECK Medizinstudium in Europa Medizin im Ausland.
Und obwohl die Studierendenzahlen zuletzt rückläufig waren, wuchs die Zahl der Studienangebote weiter: Im Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz waren zuletzt knapp 23.000 Angebote verzeichnet. In Bielefeld beginnt derweil für rund 4.000 Menschen der ganz konkrete Teil davon – mit neuen Zimmern, unbekannten Wegen, vollen Hörsälen und der ersten Frage, wo eigentlich der nächste Kaffee herkommt.
