Aus alten Textilien wieder wirtschaftlich nutzbare Rohstoffe machen: Daran arbeitet das Aachener Recyclingunternehmen Resolution. Am heutigen 3.11.2026 gibt es dafür Rückenwind aus einem Wettbewerb: Das 14-köpfige Unternehmen wurde in der Kategorie Start-up bei „NRW-Wirtschaft im Wandel“ ausgezeichnet. Eine elfköpfige Jury prämierte insgesamt neun Unternehmen.

Die Idee entstand 2021 an der RWTH Aachen. Marcel Gausmann arbeitete an elektrochemischen Trennverfahren, Amrei Becker forschte zum Polyesterrecycling. Kennengelernt haben sich beide in einem Workshop. 2022 ließen Gausmann und Becker ihr Recyclingverfahren patentieren, 2023 gründeten sie Resolution gemeinsam mit Hendrik Winckler und Christian Kocks.

Warum Polyesterrecycling so schwierig ist

Die Fast-Fashion-Industrie sorgt dafür, dass jedes Jahr Milliarden Kleidungsstücke im Container landen. Weltweit werden nach Angaben von Resolution jährlich etwa 71 Millionen Tonnen Polyesterfasern produziert, recycelt wird davon weniger als ein Prozent.

Das liegt auch an der Mischung: Polyester steckt in Textilien oft gemeinsam mit anderen Materialien. Herkömmliche Verfahren brauchen chemische Säuren und Basen, um die Fasern in ihre ursprünglichen Bestandteile zu zerlegen. Dabei entstehen salzhaltige Abfälle mit Rückständen, die nicht in die Umwelt gelangen dürfen. Bei einer Tonne Textil, insbesondere Polyester, kann so etwa eine Tonne Abfall anfallen. Für Resolution verhindert diese Menge, dass die bisherigen Verfahren im großen Maßstab eingesetzt werden.

In Deutschland werden jährlich etwa ein bis zwei Millionen Tonnen Textilien produziert und entsorgt. Die Zahlen wirken trocken, bis man sich vorstellt, was hinter ihnen steckt: Berge aus T-Shirts, Arbeitskleidung, Sporthosen und Mischgeweben, die irgendwo sortiert, verbrannt oder abgeladen werden müssen.

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Wasser, Strom und zurückgewonnene Bausteine

Resolution setzt deshalb auf ein Verfahren, bei dem die benötigten Säuren und Basen durch die elektrische Spaltung von Wasser entstehen. Damit werden die Molekülketten des Polyesters in ihre Einzelteile zerlegt und sortiert. Die zurückgewonnenen Grundbausteine können anschließend als Rohstoffe für neue Polyesterfasern oder Kunststoffflaschen dienen.

Kommt der Strom aus Wind- oder Solaranlagen, könne Polyester damit günstiger hergestellt werden als aus Rohöl, erklärt das Unternehmen. Im Vergleich zu herkömmlichen Recyclingprozessen verbrauche das Verfahren laut Resolution 94 Prozent weniger Chemikalien und 74 Prozent weniger Wasser.

Eine Größenordnung nennt Gausmann ebenfalls: Mit rund 750.000 Tonnen Textilabfall aus Nordrhein-Westfalen, Belgien und den Niederlanden könne das Verfahren etwa eine Milliarde Euro textile Wertschöpfung ermöglichen. Für die nächsten Entwicklungsschritte sucht Resolution weitere Partner. Das klingt nach Laborarbeit, aber auch nach ziemlich viel Klinkenputzen.

Recycling ist mehr als eine technische Frage

Der Blick auf die Kreislaufwirtschaft endet allerdings nicht beim Recyclingreaktor in Aachen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung arbeitet gemeinsam mit der EU daran, die Kreislaufwirtschaft als Instrument für Ressourcenschonung und Umweltschutz zu stärken.

Die EU-Strategie für nachhaltige und kreislauffähige Textilien umfasst mehr als 20 Gesetzesinitiativen. Textilprodukte sollen langlebiger, reparierbar und recyclingfähig werden; zugleich soll ihre Herstellung energie- und ressourceneffizienter werden. Ein digitaler Produktpass soll Verbraucherinnen und Verbrauchern zusätzliche Informationen über gekaufte Textilien geben. Auch Sammlung, Sortierung und Wiederverwendung sollen ausgebaut werden.

Das BMZ arbeitet dafür bereits mit Unternehmen und deren Zulieferern. Partnerländer werden unterstützt, rechtliche Rahmenbedingungen für künftige EU-Anforderungen an eine umweltgerechte Produktgestaltung zu schaffen. In der Multi-Stakeholder-Plattform „Dialogue and Impact for Sustainable Textiles“ tauschen sich Mitglieder über Ansätze für einen nachhaltigeren Textilsektor aus und entwickeln gemeinsame Lösungen.

Dabei geht es um mehr als Stofffasern. Lieferketten sollen stärker kreislauforientiert gestaltet, Umweltstandards sowie Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern verbessert werden. Schnittreste, fehlerhafte Waren und überschüssige Lagerbestände werden bisher häufig als Abfall behandelt. Gemeinsam mit Unternehmen soll daraus eine Ressource werden, die sich recyceln und zu neuen Materialien verarbeiten lässt.

Und dann ist da noch der Weg, den Kleidung nach ihrer Entsorgung nimmt. Ein großer Teil der in Deutschland entsorgten Textilien wird exportiert und als Secondhandware etwa in Ghana oder Kenia verkauft. Viele importierte Altkleidungsstücke werden dort nur kurz genutzt. Andere landen auf Deponien, werden verbrannt oder in Flüssen und Meeren entsorgt.

In vielen Ländern, in die deutsche Alttextilien exportiert werden, fehlen Anlagen und Strukturen zur Weiterverarbeitung oder zum Recycling. Gemeinsam mit Wirtschaft, Zulieferern und Beschäftigten der Textillieferkette sollen deshalb Lösungen für bessere Recycling- und Entsorgungsstrukturen entstehen. Zugleich soll die Zusammenarbeit innovative und umweltschonende Praktiken vor Ort verbreiten, damit Alttextilien als Ressource im Sinne der Kreislaufwirtschaft weitergenutzt werden können.