Armut verkürzt das Leben: Warum Gesundheitschancen vom Geldbeutel abhängen
Armut kann Lebenszeit kosten. In Deutschland sterben Frauen mit wenig Geld im Durchschnitt etwa vier Jahre früher, Männer sogar etwa sieben Jahre früher. Das ist keine ferne Statistik, sondern eine Zahl, die sich in Familiengeschichten, Arztbesuchen und fehlenden Möglichkeiten niederschlägt.
Wer jeden Euro zweimal umdrehen muss, kann sich ein Fitnessangebot oder eine ausgewogene Ernährung oft nicht leisten. Zwischen Monatsende und Einkaufskasse bleibt dann wenig Spielraum für frisches Obst, gute Lebensmittel oder den Kurs im Sportverein. Und wenn finanzielle Unsicherheit dauerhaft Druck macht, leidet auch die Gesundheit.
Wenn Geld über Gesundheit mitentscheidet
Armut geht häufiger mit riskanterem Gesundheitsverhalten einher. Als Gründe gelten fehlendes Wissen und der Stress, den die ständige Sorge ums Geld verursacht. Rauchen, unausgewogene Ernährung oder zu wenig Bewegung sind dabei nicht einfach eine Frage persönlicher Disziplin. Wer erschöpft ist und rechnen muss, was noch bis zum Monatsende reicht, trifft Entscheidungen anders.
Auch Präventionsangebote erreichen häufig eher Menschen mit höherem Einkommen. Die Einladung zum Gesundheitskurs landet vielleicht im Briefkasten, aber der Weg dorthin, die Teilnahmegebühr oder die nötige Zeit fehlen. So entsteht ein merkwürdiger Kreislauf: Gerade jene, die Unterstützung besonders brauchen könnten, werden von vielen Angeboten am schwersten erreicht.
Gesundheitswissen und Hilfe vor Ort
Die Politik lehnt eine Zuckersteuer bislang ab. Gleichzeitig soll die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung gestärkt werden. Menschen sollen also besser verstehen, was ihrer Gesundheit hilft und welche Risiken in alltäglichen Gewohnheiten stecken – doch Wissen allein füllt keinen Kühlschrank und bezahlt keinen Vereinsbeitrag.
Gesundheitslotsen sollen Menschen dabei unterstützen, gesünder zu leben. Sie können erklären, welche Angebote es gibt, bei der Orientierung helfen und Hürden kleiner machen. In einzelnen Stadtvierteln existieren bereits von Vereinen getragene Gesundheitszentren für ärmere Menschen. Dort liegt die Hilfe näher am Alltag: nicht irgendwo am anderen Ende der Stadt, sondern in der Nachbarschaft.
Der Beitrag gehört zur Sendung „Das Wissen“ über Wege aus dem ungleichen Gesundheitsrisiko. Für Studierende, Familien und ältere Menschen in München und anderswo bleibt dabei eine ganz praktische Frage: Wo bekommt man Unterstützung, wenn Geld, Zeit und Kraft gleichzeitig knapp sind?
Der Artikel zeigt, dass Gesundheit nicht nur in Arztpraxen entschieden wird. Sie hängt auch an Preisen, Wohnvierteln, Bildung und daran, ob jemand einen verständlichen Ansprechpartner findet. Ein Gesundheitszentrum im eigenen Stadtteil kann dann mehr bewirken als ein gut gemeinter Flyer, der irgendwo zwischen Behördenpost und Werbezetteln liegen bleibt.
Quelle: SWR Kultur, „Wer arm ist, stirbt früher – Wege aus dem ungleichen Gesundheitsrisiko“
