Bochum steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Oberbürgermeister Jörg Lukat nennt die Lage ernst, Kämmerin Eva Maria Hubbert sogar katastrophal. Die Stadt muss in den kommenden Jahren deutlich sparen und fordert zugleich mehr Unterstützung von Bund und Land. Nach Bochumer Angaben übernehmen Kommunen rund 25 % der staatlichen Leistungen, erhalten aber nur etwa 11 % der staatlichen Einnahmen.

Noch 2024 schloss Bochum mit einem leichten Überschuss ab. Danach wuchs das Loch – vor allem wegen steigender Ausgaben für Sozial-, Kinder- und Jugendhilfe, höherer Personalkosten und allgemeiner Preissteigerungen. Für 2027 rechnet die Stadt mit einem strukturellen Minus von mehr als 200 Millionen Euro. Das ist keine kleine Delle, sondern ein ziemlicher Brocken.

Ein Sparplan bis 2035

Erstmals seit sieben Jahren muss Bochum wieder ein Haushaltssicherungskonzept aufstellen. Darin sollen mögliche Sparmaßnahmen bis 2035 festgelegt werden, falls zusätzliche Unterstützung ausbleibt. Der Rat soll das Konzept Ende 2026 beschließen. Ziel ist, Prioritäten zu setzen, Verwaltungsstrukturen zu reformieren und notwendige Einsparungen umzusetzen.

Einige Folgen könnten Familien ab 2029 direkt spüren. Im Offenen Ganztag könnten die Beiträge steigen und die Befreiungsgrenze entfallen. Zunächst erwartet die Stadt dadurch rund 1,5 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen, später bis zu 7 Millionen Euro. Auch das Kita-Angebot soll neu organisiert werden. Die Badestelle an der Ruhr in Bochum-Dahlhausen und zwei Sportplätze könnten schließen, der Ferienpass kostenpflichtig werden. Schwimmbadsanierungen könnten sich verschieben, Musikschulgebühren steigen.

Auch beim Parken ist mehr Druck auf den Geldbeutel möglich. In Parkhäusern wurden die Gebühren bereits auf 1,90 Euro pro Stunde erhöht. Für Straßenparkplätze werden bis zu 3,10 Euro pro Stunde erwogen. Eine Bettensteuer gilt ebenfalls als Option.

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Kürzungen laufen längst

Ganz am Anfang steht Bochum mit dem Sparen nicht. Bereits im Vorjahr wurden die Budgets der Fachbereiche pauschal um 10 % gekürzt. Frei werdende Stellen werden frühestens nach sechs Monaten neu besetzt, damit die Personalkosten sinken. Außerdem beschloss der Rat weitere Kürzungen im Nahverkehr. Die Bogestra soll unter anderem eine Buslinie zwischen Wattenscheid und der Ruhr-Universität einstellen – für Studierende und Beschäftigte dürfte das im Alltag ziemlich lästig werden.

Die Bochumer Zahlen passen in ein bundesweites Bild. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verzeichneten die kommunalen Kern- und Extrahaushalte in Deutschland ohne Stadtstaaten 2025 ein Finanzierungsdefizit von 31,9 Milliarden Euro. Das war das höchste kommunale Defizit seit der deutschen Vereinigung 1990 und lag 7,1 Milliarden Euro über dem bisherigen Rekord von 2024. 7,5 % der kommunalen Ausgaben waren nicht durch reguläre Einnahmen gedeckt.

Um die Lücken zu schließen, nahmen Kommunen zunehmend Kassenkredite auf. Deren Verschuldung lag zum 30. September 2025 um 16,5 % über dem Vorjahreswert. Der Schuldenstand zum Jahresende 2025 sollte am 9. April 2026 veröffentlicht werden. Weitere Ergebnisse zu den kommunalen Haushalten 2025 sollten voraussichtlich am 7. April 2026 in einem Statistischen Bericht erscheinen.

Sozialausgaben treiben die Kosten

Auf die kommunalen Kernhaushalte entfiel 2025 ein Defizit von 29,4 Milliarden Euro – 5,1 Milliarden Euro mehr als 2024. Das Defizit der Extrahaushalte verfünffachte sich auf 2,5 Milliarden Euro. Zu diesen Extrahaushalten gehören kommunale Fonds, Einrichtungen und Unternehmen, die überwiegend durch Zuschüsse der Kommunen finanziert werden. Weil deren Defizite wuchsen, stieg auch der Zuschussbedarf aus den kommunalen Kernhaushalten.

Die bereinigten Ausgaben kletterten 2025 um 5,6 % beziehungsweise 22,4 Milliarden Euro auf 423,3 Milliarden Euro. Die bereinigten Einnahmen wuchsen dagegen nur um 4,1 % beziehungsweise 15,3 Milliarden Euro auf 391,4 Milliarden Euro. Besonders kräftig stiegen die Personalausgaben: um 6,8 % auf 113,4 Milliarden Euro. Gründe waren die Tariferhöhung für Beschäftigte von Bund und Kommunen im April 2025 sowie ein größerer Personalbestand.

Für laufenden Sachaufwand gaben die Kommunen 99,1 Milliarden Euro aus, 3,9 % mehr als im Vorjahr. Sozialleistungen schlugen mit 90,0 Milliarden Euro zu Buche, ein Plus von 5,9 %. Die Eingliederungshilfen nach SGB IX stiegen um 2,5 Milliarden Euro beziehungsweise 11,2 % auf 25,2 Milliarden Euro. Bei der Kinder- und Jugendhilfe nach SGB VIII waren es 20,0 Milliarden Euro, 1,6 Milliarden beziehungsweise 8,8 % mehr. Die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz gingen dagegen um 10,9 % auf 3,4 Milliarden Euro zurück.

Für Sachinvestitionen flossen 53,9 Milliarden Euro, 3,5 % mehr als 2024. Das Wachstum hatte damals noch 12,5 % betragen, 2023 waren es 11,9 %. Die Ausgaben für Baumaßnahmen erhöhten sich um 4,3 % auf 38,0 Milliarden Euro. Verschobene Schwimmbadsanierungen in Bochum wären also Teil eines Trends, bei dem Investitionen langsamer wachsen, während laufende Kosten weiter drücken.

Einnahmen wachsen – aber nicht schnell genug

Die Nettoeinnahmen aus Steuern stiegen bundesweit um 3,4 % auf 136,5 Milliarden Euro. Der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer wuchs um 7,5 %, der Anteil an der Umsatzsteuer um 4,3 %. Die Nettoeinnahmen aus der Gewerbesteuer erhöhten sich nur um 1,0 %. Im Jahr der Grundsteuerreform blieb das Grundsteueraufkommen aller Kommunen ohne Stadtstaaten mit 14,5 Milliarden Euro unverändert.

Von der RWTH Aachen aus betrachtet liegt Bochums Haushaltsdebatte nicht weit weg – geografisch und auch politisch. Wenn eine Busverbindung zur Ruhr-Universität auf der Streichliste landet, Gebühren im Ganztag steigen könnten und selbst Sportplätze oder eine Badestelle zur Disposition stehen, wird aus Bundesstatistik schnell Alltag: ein längerer Weg, ein Antrag mehr, eine Rechnung, die plötzlich anders aussieht. Und irgendwo läuft schon wieder der Drucker für das Haushaltssicherungskonzept.

Heute, am 4.10.2026, ist in Bochum noch nicht entschieden, welche dieser Möglichkeiten tatsächlich umgesetzt werden. Der Zeitplan steht aber: Ende 2026 soll der Rat das Konzept beschließen. Bis dahin bleibt offen, ob Bund und Land zusätzliche Unterstützung leisten – und wie viel vom bisherigen Angebot am Ende übrig bleibt.