Bremer Digital Hub Industry bleibt bestehen und setzt auf KI für die Industrie
Im Technologiepark Bremen bleibt das Digital Hub Industry (DHI) auch über die ursprünglich geplante Aufbauphase hinaus bestehen. Der Bremer Senat hat am 25. August 2026 beschlossen, die Arbeit des DHI-Vereins fortzusetzen und die Flächen im Gebäude NEOS langfristig zu sichern. Für den Standort nahe der Universität Bremen ist das eine wichtige Nachricht – nicht zuletzt, weil die Finanzierung zuletzt ziemlich unter Druck geraten war.
Eröffnet wurde das Technologiezentrum im Juli 2022 im siebenstöckigen NEOS-Gebäude an der Konrad-Zuse-Straße. Der private Investor hatte den Bau errichtet; Hauptmieter ist Encoway, ein aus der Universität Bremen hervorgegangenes Softwareunternehmen mit rund 250 Beschäftigten. Encoway entwickelt Vertriebssoftware für Maschinen und technische Geräte. Nach diesem Vorbild soll das DHI Gründerinnen und Gründern aus dem Universitätsumfeld als Ausgangspunkt dienen: Wissenschaftliche Ideen aus Bereichen wie Künstliche Intelligenz, Automatisierung und autonomes Fahren sollen dort den Weg bis zur Produktionsreife schaffen.
Mehr Geld für ein Zentrum mit großen Plänen
Ursprünglich waren rund 7,1 Millionen Euro an staatlichen Mitteln vorgesehen. Damit sollte der Betrieb zehn Jahre lang abgesichert werden. Doch die Preissteigerungen, vor allem bei der Miete, haben die Rechnung verändert. Bis 2033 will der Senat deshalb weitere 4,3 Millionen Euro bereitstellen.
Auch der Betreiberverein ist weiterhin auf staatliche Unterstützung angewiesen. Eigentlich sollte er nach fünf Jahren finanziell unabhängig sein. Die CDU stimmte der Mittelaufstockung in der Wirtschaftsdeputation zwar zu, kritisierte aber die bisherige Entwicklung. CDU-Wirtschaftssprecherin Theresa Gröninger sagte, das DHI biete Chancen, müsse jedoch bessere Ergebnisse erzielen und sein Potenzial stärker ausschöpfen.
Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) bezeichnet das DHI dagegen als Erfolgsmodell. Laut Senat bestehen dort 90 Arbeitsplätze; nach Angaben der Senatspressestelle sind über 90 neue Arbeitsplätze entstanden. Der Betreiberverein hat außerdem 54 Millionen Euro Drittmittel für Forschungsprojekte eingeworben. In der Aufbauphase wurden Infrastruktur geschaffen, Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Start-up-Szene vernetzt und neue Unterstützungsangebote entwickelt. Dazu kamen das KI-Transferzentrum Bremen.AI (KITZ) und das Mittelstand-Digital Zentrum Bremen-Oldenburg.
Über 70 Kooperationen mit Unternehmen wurden aufgebaut, darunter mehr als 50 mit kleinen und mittleren Unternehmen. Außerdem wurde der DHI in das bundesweite de:Hub-Netzwerk als „de:Hub Smart Manufacturing“ aufgenommen. Inhaltlich soll der Schwerpunkt künftig stärker auf Künstlicher Intelligenz für die Industrie liegen, also auf „Smart Manufacturing“. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Luft- und Raumfahrt. Hinzu kommen Resilienz, sichere Kommunikation und Cyberabwehr.
Workshops, Sprints und Start-up-Kontakte
Ab 2027 soll der DHI sein Angebot als zentrale Anlaufstelle für Digitalisierung, Innovation und Technologietransfer in der Region ausbauen. Geplant sind mehr praxisnahe Workshops, in denen Unternehmen – besonders KMU – Unterstützung bei Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz bekommen. Neue „12-Wochen-Sprints“ sollen Innovationsprojekte schneller in die Umsetzung bringen. Das klingt weniger nach langem Anlauf und mehr nach: ausprobieren, nachjustieren, weitermachen.
Über Venture Clienting will der DHI etablierte Unternehmen und Start-ups zusammenbringen. Zweimal jährlich sind Open-Innovation-Workshops zu Smart Manufacturing, Raumfahrt und Künstlicher Intelligenz vorgesehen. Die Gründungsformate „Reversed Pitch“ und „Startup Camp“ werden fortgeführt und ausgebaut. Gründungsteams sollen dabei gemeinsam mit BRIDGE, Starthaus und bremen startups unterstützt werden.
Stärker eingebunden werden sollen Hochschulen und Studierende. Auch Gründungsinteressierte und junge Unternehmen bekommen Unterstützung. Für Beschäftigte in Unternehmen sind Qualifizierungsangebote geplant, die Fachkräftesicherung und Diversität fördern sollen. Gerade an einem Hochschulstandort wie der Uni Bremen liegt darin ein naheliegender Hebel – zwischen Seminarraum, Labor und der ersten ziemlich nervösen Geschäftsidee.
Ein Bremer Baustein im europäischen Digitalnetz
Der Blick über Bremen hinaus führt zum Netzwerk der European Digital Innovation Hubs. Das deutsche EDIH-Netzwerk ist Teil des europäischen Gesamtnetzwerks der EU-Kommission im Programm „Digitales Europa“ und befindet sich seit Anfang 2026 in seiner zweiten Laufzeit. Europaweit gibt es 255 EDIHs; in Deutschland unterstützen derzeit 16 Hubs Unternehmen und Organisationen bei der digitalen Transformation, teilweise kostenfrei.
Die Angebote richten sich vor allem an KMU, Small Midcaps, Start-ups und Organisationen der öffentlichen Verwaltung. Ziel ist, die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands durch Digitalisierung zu stärken. Die deutschen EDIHs arbeiten unter anderem in Produktion, Landwirtschaft, Mobilität, Logistik, Energie und Gesundheit. Auf der Technologieseite reicht das Spektrum von Internet of Things und Industrial Internet of Things über digitale Zwillinge, 3D-Druck, Augmented Reality und Virtual Reality bis zu Künstlicher Intelligenz, Big Data, Cloud-Computing, High-Performance Computing, Blockchain, Datensouveränität, Lieferkettenmanagement, digitalen Geschäftsmodellen und Cybersicherheit.
In der zweiten Laufzeit liegt ein Schwerpunkt auf Künstlicher Intelligenz; alle EDIHs haben dazu Angebote im Portfolio. Technologische Vorkenntnisse sind dafür nicht nötig. Auch Organisationen mit unterschiedlichen digitalen Reifegraden können teilnehmen und allgemeine Digitalisierungskompetenzen aufbauen.
Das Serviceangebot folgt einer „Digital Innovation Journey“. Dazu gehört „Testen vor dem Investieren“: Technologien lassen sich praktisch erproben, bevor ein Unternehmen oder eine Behörde Geld in eine Lösung steckt. Webinare, Vorträge und Workshops vermitteln technisches Wissen, Praxisempfehlungen und Informationen zu aktuellen Entwicklungen – online und vor Ort. Außerdem helfen die Hubs, passende Finanzierungen zu finden sowie Fördermittel und Investitionszuschüsse zu beantragen. Austausch- und Vernetzungsformate bringen Unternehmen und Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen zusammen.
Jeder EDIH übernimmt dabei eine „One Stop Shop“-Funktion und kann bei Bedarf den Kontakt zu einem passenden anderen Hub im Netzwerk herstellen. In Deutschland gehören zum Netzwerk EDIH AICS, EDIH DIBI, EDIH DigiCare, EDIH CITAH Plus, EDIH DAISEC 2.0, EDIH DInO, EDIH-DO, EDIH Hamburg, EDIH Rheinland, EDIH Saarland, EDIH Saxony 2.0, EDIH Südwest 2, EDIH South Westphalia, EDIH Thuringia, EDIH pro_digital und EDIH.SH.
Als Member State Representatives der deutschen EDIHs werden Markus Ermert und Claas Rahe vom DLR Projektträger sowie Nina Wettern und Sebastian Quentel vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie genannt. Ergänzend gibt es in Deutschland weitere Unterstützungsangebote: das Mittelstand-Digital Netzwerk, das Nationale Koordinierungszentrum für Cybersicherheit, die Initiative IT-Sicherheit in der Wirtschaft mit der Transferstelle Cybersicherheit im Mittelstand, Zukunftszentren, KI-Servicezentren und die Digital Hub Initiative. Auch der DLR Projektträger wird als weiterführende Informationsquelle genannt.
