Heute, am 3.10.2026, geht es an der TU Berlin um eine Berufswahl, die lange ziemlich eindeutig wirkte: Bundeswehr – ja oder nein? Barış Ünal berichtet von älteren Männern, die ihre frühere Kriegsdienstverweigerung inzwischen als Fehler darstellen und sich rückblickend zum bewaffneten Dienst bereit erklären. Den Militarismus älterer Männer ordnet Ünal als bekanntes Phänomen ein – und kommentiert ihn ironisch.

Neu sei dagegen, dass die Bundeswehr für junge Abiturientinnen und Abiturienten zunehmend wie eine reguläre Karriereoption erscheine. Früher interessierten sich laut Artikel vor allem junge Männer mit Interesse an Technik und Waffen. Oder Studieninteressierte, die ein Studium an der Universität der Bundeswehr als Alternative zu Hochschulen mit höherem Numerus clausus betrachteten. Heute wirken unmittelbare Konflikte und umfangreiche PR-Kampagnen der Bundeswehr offenbar mit daran, dass eine militärische Karriere selbstverständlicher daherkommt.

Stabiles Einkommen, frühe Pension

Bei der Berufswahl spielen Sicherheitsaspekte offenbar häufiger eine Rolle: ein krisenfestes Beschäftigungsverhältnis und ein stabiles Einkommen. Eine junge Frau interessierte sich besonders für das frühe Rentenalter nach einer Tätigkeit bei der Bundeswehr. Kein Motiv, das in Broschüren sonderlich romantisch klingt – aber eines, das im echten Leben eben Gewicht haben kann.

Studienberatungen verfolgen häufig einen klientenzentrierten Ansatz. Gefühle, Motive und Wünsche der Ratsuchenden sollen nachvollzogen werden, ohne sie zu bewerten. Überraschend war für Ünal deshalb die Aussage einer Abiturientin, sie erwäge eine Bundeswehrkarriere, „um Menschen zu helfen“. Ein solches Motiv habe junge Menschen bislang eher zu medizinischen Berufen geführt als zum Militär.

Ihre Überlegungen seien nachvollziehbar gewesen. Gerade darin liegt der irritierende, aber interessante Punkt: Was früher nach Krankenhaus, Rettungsdienst oder Pflege klang, kann heute offenbar auch in Richtung Bundeswehr weisen. Die Frage steht damit im Raum, welche Rolle dem Militär künftig als „normaler“ Karriereweg für junge Frauen und Männer zukommt – und ob sich Studienberatungen auf eine neue Zielgruppe einstellen müssen.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Auch Verwaltung gehört dazu

Wie breit das Berufsfeld jenseits der klassischen Vorstellung vom Soldatenberuf ist, zeigt ein Blick auf aktuelle Stellenanzeigen. Auf StepStone gibt es derzeit 35 offene Stellen für „Beamter Bundeswehrverwaltung“ in der Schwäbischen Alb. Die Angebote werden allgemein der Branche beziehungsweise Kategorie Administration zugeordnet.

Gefragt sind dabei unter anderem Deutsch, Kommunikation, Auftragsabwicklung, Patientenbetreuung und Engagement. Zusätzlich weist StepStone aktuell 67 offene Teilzeitstellen für diese Jobs in der Schwäbischen Alb aus. Bundeswehr als Arbeitgeber – das kann also auch Schreibtisch, Organisation und Betreuung bedeuten, nicht nur Uniform und Kasernenhof.

Militärische und zivile Wege

Die Bundeswehr selbst stellt Vielfalt und Diversität als Bestandteil ihrer Arbeit dar. Unabhängig von Aussehen, Herkunft oder sexueller Orientierung sollen Fähigkeiten und Einsatzbereitschaft entscheidend sein. Angeboten werden sowohl militärische Laufbahnen als Soldat*in als auch zivile Karrieren.

Außerdem gibt die Bundeswehr an, gleiche Vergütung für gleiche Leistung unabhängig von der geschlechtlichen Identität zu gewährleisten. Vielfalt beschreibt sie als Alltag und als Grundlage für gleichwertige Kameradschaft und Zusammenarbeit. Nach eigenen Angaben engagieren sich mehr als 180.000 Soldatinnen und mehr als 80.000 zivile Mitarbeiterinnen für gemeinsame Werte und die Sicherheit Deutschlands.

Interessierte werden zur Bewerbung aufgefordert und dazu, ihre Fähigkeiten einzubringen. Für die Studienberatung an der TU Berlin bleibt damit eine ziemlich konkrete Aufgabe: zuhören, nachfragen, nicht vorschnell sortieren. Auch dann, wenn jemand sagt, er oder sie wolle zur Bundeswehr, um Menschen zu helfen. Manchmal beginnt die Beratung eben mit einem Satz, bei dem alle erst einmal kurz still sind.