Am 20. Juli 1944, um 12:40 Uhr, ereignete sich eines der bedeutendsten Attentate der deutschen Geschichte. Claus Schenk Graf von Stauffenberg, ein ehemaliger Offizier, brachte eine mit einer Bombe gefüllte Aktentasche in die „Wolfsschanze“, Hitlers Führerhauptquartier bei Rastenburg, und verließ den Raum. Die Explosion tötete mindestens vier der 24 Anwesenden, während Hitler selbst nur leicht verletzt entkam. Dieses missratene Attentat gilt als Schlüsselereignis und symbolisiert den Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime.

Dr. Linda von Keyserlingk-Rehbein, Historikerin an der Universität Passau, präsentierte in der NDR-Sendung „DAS! Rote Sofa“ ihre Forschung zu diesem geschichtsträchtigen Ereignis. Ihre Erkenntnisse sind in dem Buch „Nur eine ‚ganz kleine Clique‘? Die NS-Ermittlungen über das Netzwerk vom 20. Juli 1944“ veröffentlicht. Sie beleuchtet, wie das NS-Regime die Beteiligten des Attentats als „ganz kleine Clique“ diffamierte und damit deren breiten Widerstand gegen die Diktatur verharmloste. Laut von Keyserlingk-Rehbein war der Widerstand gegen das NS-Regime jedoch vielschichtig und umfasste Offiziere, Diplomaten, Juristen und viele weitere gesellschaftliche Gruppen.

Der Widerstand im Nationalsozialismus

Der Attentatsversuch war das Ergebnis einer langen Planung durch eine Gruppe ziviler und militärischer Oppositioneller, die über 200 Personen umfasste. Zu diesen gehörten Vertraute von Stauffenberg, wie der General Friedrich Olbricht und der zivile Widerstandskämpfer Carl Goerdeler. Darüber hinaus reichte die Verbindung zu Widerstandsgruppen wie dem Kreisauer Kreis, der um Helmuth James Graf von Moltke gebildet wurde. Stauffenberg, anfangs kein ausgesprochener Gegner des NS-Regimes, änderte seine Haltung in Hinblick auf Hitlers aggressive Kriegsführung und die begangenen Verbrechen.

Die Operation „Walküre“ war der Plan für den militärischen Umsturz und sah ein Netzwerk von vertrauenswürdigen Personen in den Wehrkreisen vor. Ein Entwurf für eine Regierungserklärung war bereits ausgearbeitet. Tragischerweise schlug das Attentat fehl, die Operation scheiterte, und die Hauptverantwortlichen wie Stauffenberg wurden in der Nacht nach dem Attentat hingerichtet. Dies führte zu einer Welle der Repression, bei der die Gestapo Tausende von Regimegegnern festnahm und der „Volksgerichtshof“ Hunderte von Menschen hinrichtete.

Nachwirkungen und Anerkennung des Widerstands

Die Bewertung des Attentats entwickelte sich in der Nachkriegszeit unterschiedlich. Während es in der DDR als reaktionärer Junkeraufstand denunziert wurde, begannen in der Bundesrepublik Deutschland im Laufe der Jahrzehnte vermehrte Diskussionen über die Motive der Widerstandskämpfer. In den 1960er Jahren verschob sich die Wahrnehmung von Stauffenberg und seinen Mitstreitern hin zu einer positiveren Bewertung, die 2004 in einer Umfrage erstmals breiten Rückhalt fand.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Dr. von Keyserlingk-Rehbein, die als Geschäftsführerin des Labors für Demokratiebildung an der Universität Passau arbeitet, betont die Notwendigkeit, die NS-Propaganda zu dekonstruieren und die Bedeutung liberaler Demokratien hervorzuheben. Ihr Ansatz verknüpft historische mit aktueller politischer Bildung und trägt zur Stärkung demokratischer Haltungen in der Gesellschaft bei. Wie sie treffend feststellt, tragen Universitäten eine besondere Verantwortung für die Aufrechterhaltung und Förderung demokratischer Werte.

Die Erinnerungsarbeit zu den Geschehnissen vom 20. Juli 1944 ist somit fester Bestandteil der politischen Kultur Deutschlands. Es bleibt eine anhaltende Diskussion über die Anerkennung und die historischen Einordnungen der Kritik am Nationalsozialismus.

Für weiterführende Informationen sowie ein tieferes Verständnis der Ereignisse besuchen Sie bitte die Webseite der Universität Passau oder die Bundeszentrale für politische Bildung.

Zusätzliche Informationen sind auch im Dossier zur Operation „Walküre“ der Bundeswehr zu finden.