Forschende der Constructor University haben ein innovatives digitales Modell entwickelt, das die Nachverfolgbarkeit von Schuhverpackungen mittels Blockchain-Technologie ermöglicht. Dieses Projekt zielt darauf ab, Verpackungsmüll in wiederverwendbare Wertstoffe umzuwandeln und gleichzeitig den CO2-Fußabdruck von Unternehmen zu senken. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachjournal Green Technologies and Sustainability veröffentlicht und zeigen die wachsende Notwendigkeit für zuverlässige digitale Systeme innerhalb der Kreislaufwirtschaft auf, um Unternehmen und Verbraucher besser zu vernetzen und Transparenz zu schaffen.

Das Team besteht aus Universitäts-Alumnis Benedetta Kyalo und Ershed Telfort, Postdoktorand Dr. Mohammad Yaser Mofatteh sowie Professor Dr. Omid Fatahi Valilai. Ihr System weist jeder Verpackungseinheit einen sicheren digitalen Herkunftsnachweis (Chain-of-Custody) zu, wobei die Blockchain-Technologie fälschungssichere Datensätze bereitstellt, die jede Phase des Lebenszyklus einer Verpackung dokumentieren. Diese Entwicklung könnte eine Revolution in der Rücksendelogistik und der E-Commerce-Branche darstellen.

Kreislaufwirtschaft im Fokus

Die globale Herausforderung, dass weltweit nur sechs Prozent der verarbeiteten Materialien recycelt werden, wird zunehmend dringlicher. Angesichts des Klimawandels, der Rohstoffverknappung und der Umweltverschmutzung wird ein Übergang von der traditionellen linearen Wirtschaftsweise (take-make-dispose) zu einer Kreislaufwirtschaft immer notwendiger. In diesem Kontext wird das Projekt „Blockchain für die Kreislaufwirtschaft“ (BlinK) von der Technischen Universität Hamburg geleitet und umfasst die Entwicklung digitaler Zwillinge auf Basis der Blockchain-Technologie.

Der digitale Zwilling fungiert als virtuelles Abbild eines physischen Produkts, das einen durchgehenden Informationsaustausch über den gesamten Produktlebenszyklus ermöglicht. Damit sollen unzureichende Produktinformationen entlang der Lieferkette überwunden werden, ein häufiges Problem, das die effektive Kreislaufführung behindert. Professor Dr. Dr. h. c. Wolfgang Kersten führt das Projekt in Zusammenarbeit mit Kühne Logistics University und der Industrie durch.

Diese Entwicklungen sind Teil des immer dringlicheren Bedarfs an digitalen Lösungen für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft. Die Forschung an der Constructor University schließt diese Lücke, indem sie detaillierte Lebenszyklusdaten und Anreize für Verbraucher untersucht, um messbare Kreislaufprozesse zu schaffen.

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Digitale Produktpässe und regulatorische Vorgaben

Ein weiteres zentrales Element ist die Einführung des digitalen Produktpasses (DPP), der von der Europäischen Kommission initiiert wurde. Ab 2027 soll der DPP in der EU-BattVO implementiert werden, um als zentraler Informationsträger in einer digital unterstützten Kreislaufwirtschaft zu fungieren. Er soll umfassende Datensätze zu Materialien und Produkten bieten, darunter Inhaltsstoffe, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit.

Die konzeptionelle Entwicklung des DPP und der erforderlichen Technologien ist bereits im Gange. Regulatorische Vorgaben beinhalten Daten Träger, einzigartige Identifikatoren und zentrale Registraturen. Um den Erfolg des DPP sicherzustellen, laufen diverse öffentliche Projekte auf Bundes- und EU-Ebene, die konkrete Entwicklungen vorantreiben.

Durch die Anzahl der Initiative „Digitaler Produktpass“ und die Schaffung von Datenräumen wird angestrebt, einen dezentralen, vernetzten Wissensspeicher für die Kreislaufwirtschaft zu etablieren und systemweite Analysen von Stoff- und Warenströmen zu ermöglichen. Die Einführung des DPP wird die Grundlage für Informations- und Datensysteme in einer digital-zirkulären Wirtschaft in Deutschland bis 2030 bilden.

Die Arbeiten der Constructor University und die vielfältigen Initiativen zur Kreislaufwirtschaft verdeutlichen eindrücklich, dass Technologien und innovative Ansätze der Schlüssel zur Schaffung eines nachhaltigen Wirtschaftssystems sind. Die Entwicklung glaubwürdiger digitaler Systeme steigert nicht nur die Effizienz von Unternehmen, sondern fördert auch das Vertrauen der Verbraucher in die Nachhaltigkeitsberichte der Unternehmen.