Ellipsen gegen Unfälle: Wie die RWTH Aachen die Motorradsicherheit auf der L218 erforscht
Zwischen Hürtgenwald-Vossenack und Nideggen-Schmidt zieht sich die L218 durch das Kalltal. Enge Serpentinen, Wald und immer wieder der Blick in die Rureifel: Die sogenannte „Panoramastraße“ ist eine beliebte Motorradstrecke im Kreis Düren. Für Motorräder gesperrt ist sie nicht.
Am 21. Oktober 2026 ist die Strecke dennoch mehr als eine kurvige Verbindung durch die Landschaft. Seit Jahren treffen dort Fahrspaß, Anwohnerinteressen und Verkehrssicherheit aufeinander. Der Kreis Düren setzt seit 2018 auf Schwerpunktkontrollen, seit 2023 läuft zusätzlich ein wissenschaftlich begleiteter Verkehrsversuch mit Kurvenmarkierungen. Die RWTH Aachen begleitet diesen Versuch.
Ellipsen auf dem Asphalt
Seit Mai 2023 markieren Ellipsen in zwei Linkskurven die empfohlene Fahrlinie für Motorräder. Der Versuch wurde im September 2025 bis zum 31. Oktober 2027 verlängert. Schon im Oktober 2024 hatte der Kreis Düren ihn als vollen Erfolg bezeichnet und angekündigt, die Markierungen dauerhaft beibehalten zu wollen.
Der Hintergrund ist deutlich: In den zwei Jahren vor Beginn des Versuchs ereigneten sich auf der L218 34 Unfälle, 28 davon mit Motorrädern. Ob die Linien auf dem Asphalt tatsächlich für mehr Sicherheit sorgen, wird wissenschaftlich untersucht. Der Kreis ist von der Wirkung jedenfalls überzeugt.
Im März 2026 kündigte NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer an, das Prinzip auf die L234 und die B266 auszuweiten. Die Panoramastraße wäre damit nicht der einzige Abschnitt, auf dem eine empfohlene Kurvenlinie ausprobiert wird.
Kontrollen statt Sperrung
Bereits im März 2018 kamen Landrat, Bürgermeister, Polizei, Anwohner und der BVDM zu dem Schluss, dass eine Sperrung rechtlich nicht haltbar sei. Stattdessen beschloss der Kreis intensive Kontrollen und den Einsatz einer Sondereinheit.
Im Mai 2018 wurde erstmals das Drei-Säulen-Modell eingesetzt: Geschwindigkeitskontrollen, technische Prüfungen und Ermittlungen. Von 252 kontrollierten Motorrädern waren 14 zu schnell. Die höchste gemessene Geschwindigkeit lag bei 104 km/h – erlaubt waren 50 km/h. Neun Fahrern wurde die Weiterfahrt untersagt, in vier Fällen wegen Lärms.
Auch ungewöhnliche Vorfälle gehören zur Geschichte der Strecke. Im August 2022 wurde zum zweiten Mal in einer Kurve eine sogenannte Ölfalle entdeckt: eine Flasche mit Speisefett. Im April desselben Jahres hatte eine Petition Unterfahrschutz an den Schutzplanken gefordert. Zuvor waren neue Planken ohne Unterfahrschutz aufgestellt worden, um einen Treffpunkt abzusperren. Ob inzwischen ein Unterfahrschutz montiert wurde, ist unbekannt.
Sechs Wochen Ruhe im Serpentinenbereich
Im Mai und Juni 2026 war die L218 wegen Sanierungsarbeiten rund sechs Wochen vollständig gesperrt. Im Serpentinenbereich wurden unter anderem Schutzplanken und Fahrbahnmarkierungen erneuert. Für Motorradfahrer bedeutete das vorübergehend: Umweg statt Kurvenrunde, kein kurzer Stopp am Aussichtspunkt, Ruhe im Tal – zumindest auf diesem Abschnitt.
Im Juni 2026 wurde in Nideggen erneut über Motorradlärm in der Rureifel diskutiert. Der Bürgermeister forderte leisere Motorräder und schlug die Region als Pilotgebiet vor. Eine Sperrung der Strecke fordert er nicht.
Die Debatte bleibt damit ziemlich bodenständig: Die L218 soll offen bleiben, zugleich sollen Lärm und Unfälle zurückgehen. Zwischen Motorengeräusch, Schutzplanken und den auffälligen Ellipsen auf dem Asphalt wird weiter ausprobiert, was auf einer kurvigen Strecke tatsächlich hilft. Der Verkehrsversuch läuft noch bis zum 31. Oktober 2027.
