Das Forschungsprojekt „ElSiE“ an der Universität Bamberg in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München untersucht die Entwicklung von Sprache, Denken und Kommunikation bei Kindern, sowohl mit als auch ohne Hörbehinderung. Aktuell werden Familien mit drei Jahre alten Kindern zur Teilnahme an der Studie gesucht. Insbesondere liegt der Fokus auf der Entwicklung von Kindern mit unterschiedlichen häuslichen Verhältnissen und der Rolle ihrer Eltern in diesem Prozess. Die Studie wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und läuft vom 1. August 2025 bis zum 31. Juli 2027.
Drei Gruppen von Familien sind zur Teilnahme eingeladen. Zu den Kriterien gehören:
- hörende Kinder mit hörenden Eltern,
- schwerhörige Kinder, die mit Hörgeräten oder einem Cochlea-Implantat ausgestattet sind und hörende Eltern haben,
- taube Kinder, die von tauben Eltern aufgezogen werden.
Forschungsziele und Methodik
Das Hauptziel der Studie ist die Untersuchung der Entwicklung von Sprache sowie der „Theory of Mind“ und der exekutiven Funktionen. Der Fokus liegt dabei auf der Qualität der Eltern-Kind-Interaktion, die als wesentlicher Einflussfaktor auf die sprachliche und soziale Entwicklung der Kinder betrachtet wird. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den Unterschieden in der Entwicklung zwischen Kindern mit Taubheit oder Hörbehinderung (DHH-Kinder) und solchen ohne Hörbeeinträchtigung (ND-Kinder).
Die teilnehmenden Kinder müssen zwischen Mai 2022 und Juli 2023 geboren worden sein. Zu Beginn der Studie werden die Kinder im Alter von drei bis vier Jahren sein. Der Ablauf der Teilnahme sieht vor, dass Projektmitarbeiter die Familien entweder zu Hause besuchen oder die Familien nach Bamberg oder München kommen können.
Insgesamt sind vier Termine über einen Zeitraum von zwei Jahren geplant, bei denen die Eltern Fragebögen ausfüllen, während die Kinder durch kindgerechte Spiele beschäftigt werden. Zusätzlich wird eine Spielsituation per Video aufgezeichnet. Für jeden Termin erhalten die Familien eine Aufwandsentschädigung von 30 Euro sowie kleine Geschenke für die Kinder. Die Teilnahme ist freiwillig und kann jederzeit abgebrochen werden; alle Daten werden anonymisiert ausgewertet.
Vorläufige Erkenntnisse
Erste Ergebnisse aus der Forschung zeigen, dass DHH-Kinder häufig sprachliche Verzögerungen im Vergleich zu ihren gleichaltrigen ND-Kindern aufweisen. Dies wirft die Frage auf, inwieweit solche Unterschiede auf die Taubheit oder spezifische sprachliche Verzögerungen zurückzuführen sind. Eine Vergleichsstudie hat gezeigt, dass taube Kinder von tauben Eltern ähnliche sozial-kognitive und sozial-emotionale Entwicklungsstände wie ND-Kinder aufweisen, was auf verschiedene Einflüsse im Erziehungsstil hinweist.
Die Projektleitung, unter der Verantwortung von Prof.in Dr. Laura Avemarie (LMU München) und Prof.in Dr. Sabine Weinert (Otto-Friedrich-Universität Bamberg), zielt darauf ab, die Auswirkungen unterschiedlicher Faktoren wie elterliches Interaktionsverhalten auf die Entwicklung der Kinder detailliert zu analysieren. Die Datenerhebung erfolgt durch psychologische Testverfahren, standardisierte Elternfragebögen und videobasierte Beobachtungen über mehrere Zeitpunkte.
Familien, die Interesse an einer Teilnahme an der Studie haben, können sich per E-Mail unter elsie@uni-bamberg.de oder über ein Online-Kontaktformular anmelden.
Für weitere Informationen steht Klara Hermes unter der Telefonnummer 0951/863-1896 zur Verfügung. Medienanfragen richten Sie bitte an Hannah Fischer unter 0951/863-1445 oder per E-Mail an redaktion.presse@uni-bamberg.de.
Für detaillierte Informationen zur Projektkennzeichnung und den Förderbedingungen können Sie auch die Webseite der DFG besuchen: DFG-Projektinformation.