Eltern-Kinder-Gespräche: Wie man über Krebs aufklärt und Vertrauen schafft
In einer wegweisenden Initiative unterstützt die Universität Osnabrück Angehörige von Menschen, die an fortgeschrittenem Brustkrebs leiden. Im Rahmen des Projekts „Gemeinsam sorgen bei fortgeschrittenem Brustkrebs“ (Gesi-BK) wird eine Plattform entwickelt, die umfassende Informationen und Beratungsangebote bereithält. Diese Kooperation zwischen der Universität Osnabrück, der Hochschule Osnabrück und der Medizinischen Hochschule Hannover wurde durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) finanziert und läuft bis 2026. Das Hauptziel besteht darin, Familien und Freunden betroffener Personen gezielte Hilfestellungen anzubieten, um die alltäglichen Herausforderungen zu bewältigen.
Die Plattform gemeinsamsorgen.de bietet eine Vielzahl von Inhalten, darunter Artikel, Videos und Hörtexte. Diese vermitteln Informationen zu Themen wie Alltagsleben, Unterstützung, Beziehungen, Selbstsorge und Trauer. Zudem ermöglicht die Plattform den Nutzern, sich mit anderen Betroffenen zu vernetzen und auszutauschen. Die technische Umsetzung wird durch das aQua – Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH unterstützt.
Bedarfsorientierte Unterstützung für Angehörige
Ein innovativer Aspekt des Projekts ist die Berücksichtigung der Bedürfnisse der Angehörigen. Basierend auf Befragungen von An- und Zugehörigen sowie auf Recherchen zu technischen Unterstützungsmöglichkeiten wird ein individueller Beratungsansatz verfolgt. Die Plattform adressiert nicht nur die Sorgen von direkten Angehörigen, sondern auch die von erweiterten Netzwerken, wie Nachbarn, Arbeitskollegen und Selbsthilfegruppen.
Für die Nutzung der Plattform ist eine kostenfreie Registrierung erforderlich, die den Zugang zu individuellen Beratungen und Informationen ermöglicht. Zukünftig ist eine Weiterentwicklung der Plattform geplant, um das Angebot möglicherweise auf andere Kontexte und Zielgruppen auszuweiten. Ein wichtiges Element hierbei ist eine freiwillige Evaluation, die den Nutzen der Informationen und Beratungen überprüfen soll. Jennifer Maue, die Ansprechpartnerin von der Universität Osnabrück, steht für weitere Informationen zur Verfügung.
Dialog und Vertrauen: Aufklärung für Kinder
Eine besondere Herausforderung im Umgang mit einer Krebserkrankung innerhalb der Familie ist die Aufklärung von Kindern. Laut der Krebshilfe sollte dieser Prozess schrittweise und gemeinsam mit den Eltern erfolgen. Es gibt keinen festgelegten Zeitpunkt für die Aufklärung; ein Zögern kann jedoch negative Folgen für die Kinder haben. Sie spüren oft, wenn etwas nicht stimmt, und können die Wahrheit auch von Dritten erfahren.
Eltern ist geraten, zunächst mit ihren eigenen Gefühlen umzugehen, bevor sie das Gespräch mit ihren Kindern suchen. Es ist wichtig, offen und ehrlich über die Erkrankung zu sprechen und Informationen altersgerecht zu vermitteln. Tipps für solche Gespräche beinhalten die Vermeidung von Druck auf das Kind sowie die Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse von Geschwistern.
Das Vertrauen der Kinder ist entscheidend. Sie sollten sich sicher fühlen, Fragen stellen zu dürfen, und es ist unerlässlich, ihnen keine falschen Hoffnungen zu machen. Bei lebensbedrohlichen Erkrankungen ist es wichtig, die Wahrheit zu sagen, während gleichzeitig betont wird, dass alles Mögliche unternommen wird, um zu helfen.
