Eine aktuelle Studie von den Universitäten Konstanz und Koblenz untersucht den Einfluss aktiver Eltern auf die Wahl von Sportarten bei Kindern. Laut den Ergebnissen, die im European Journal for Sport and Society veröffentlicht wurden, ist die Sportartenwahl von Jungen und Mädchen stark von der körperlichen Aktivität ihrer Eltern geprägt.

Die Untersuchung zeigt, dass Jungen, deren Väter aktiv sind, häufig Männerdominierte Sportarten wie Fußball oder Kampfsport wählen. Mädchen hingegen tendieren bei aktiven Müttern eher zu frauendominierten Sportarten wie Tanzen und Turnen. Die Studie klassifiziert Sportarten in drei Kategorien: „frauendominiert“ (Männeranteil bis 40%), „männerdominiert“ (Männeranteil über 60%) und „geschlechtsneutral“ (Männeranteil 40-60%).

Einfluss der Eltern auf die Sportartenwahl

Eine interessante Beobachtung der Studie ist, dass Jungen mit aktiven Eltern, die sowohl in sportlichen Aktivitäten engagiert sind, häufiger geschlechtsneutrale Sportarten wählen. Im Gegensatz dazu zeigt sich bei Mädchen kein Unterschied in der Sportartenwahl, unabhängig davon, ob beide Eltern aktiv sind oder nicht. Insgesamt sind 38% der Jungen ausschließlich in männerdominierten Sportarten aktiv, während 34% der Mädchen in frauendominierten Sportarten engagiert sind.

Die Studie basiert auf Daten der Motorik-Modul-Studie (MoMo), die zwischen 2003 und 2021 durchgeführt wurde und die sportlichen Verhaltensweisen von 9.226 Kindern und Jugendlichen im Alter von 4 bis 17 Jahren untersucht. Diese umfangreiche Datenlage hat es den Forschern ermöglicht, klare Trends zu identifizieren. Fußball, beispielsweise, hat einen markanten Männeranteil von 87-89%, während bei Sportarten wie Reiten oder Tanzen über 90% der Teilnehmerinnen weiblich sind.

Elterliches Engagement und gesellschaftliche Implikationen

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Studie ist der Einfluss des Bildungsniveaus der Eltern auf die Sportartenwahl. Jungen mit hochgebildeten Eltern sind seltener in männerdominierten Sportarten aktiv, jedoch hat diese Bildung keinen direkten Einfluss auf die Wahl der Sportarten bei Mädchen. Der Stabilitätsgrad der Geschlechtersegregation im Sport bleibt über Jahre hinweg konstant, wie der Duncan-Index zeigt. Dieser bewegt sich zwischen 0,33 und 0,39.

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Die Ergebnisse werfen Fragen auf hinsichtlich der Sport- und Gesundheitspolitik, da elterliches Verhalten und soziale Normen entscheidend zur Geschlechtersegregation im Jugendsport beitragen. Um die Segregationsmuster zu durchbrechen, sind Maßnahmen notwendig, die Eltern stärker in körperliche Aktivitäten einbeziehen und ein breiteres Spektrum an Sportarten fördern.

Die Rolle der Motorik-Modul-Studie

Die MoMo-Studie, die als größte nationale Längsschnittstudie zur motorischen Entwicklung und Gesundheit von Kindern in Deutschland gilt, wird weiterhin durch das Bundesministerium für Gesundheit gefördert. Ab Oktober 2022 wird die Studie im Rahmen von MoMo 2.0 ausgeweitet und in mehrorts durchgeführt, um neue Daten zur körperlichen Fitness und dem Aktivitätsverhalten zu sammeln. Diese Ergebnisse sollen dazu dienen, die gesundheitliche Situation in Deutschland zu verbessern.

Der bevorstehende Kongress „Kinder bewegen“ im März 2025 wird die neuesten Erkenntnisse aus der MoMo 2.0-Studie präsentieren. Hierbei wird die wichtige Rolle der Familie im Aktivitätsverhalten von Kindern hervorgehoben, da ein hoher Anteil an Kindern und Jugendlichen unzureichend aktiv ist. Die Familiensituation spielt eine entscheidende Rolle in der Entwicklung von Werten und Verhaltensweisen in der Freizeitgestaltung, weshalb ein stärkerer Fokus auf familiäre Einflüsse notwendig ist.

Insgesamt zeigt die Untersuchung, dass das Bewegungsverhalten von Kindern stark von ihrer familiären Umgebung abhängt. Um eine positive Entwicklung zu fördern, sind umfassende, methodisch fundierte Studien notwendig, die sich intensiv mit den komplexen Beziehungen zwischen Familienstrukturen und dem sportlichen Engagement von Kindern befassen. Mehr Informationen zur Rolle der Familie im sportlichen Aktivitätsverhalten sind im Bericht von der Zeitschrift Sportmedizin zu finden.