Die Universität Bremen freut sich, Emilija Gagrčin als neue Juniorprofessorin für Kommunikations- und Medienwissenschaft im Fachbereich Kulturwissenschaften willkommen zu heißen. Ihre Forschung, die im Sommersemester 2026 beginnt, ist eng mit dem Einfluss von Medien auf das Gefühl von Zugehörigkeit und politischer Wirksamkeit verknüpft. Gagrčin wird sich unter anderem mit der Frage auseinandersetzen, wie die Medien das individuelle und kollektive Handeln in einer zunehmend mediatisierten Gesellschaft prägen. Laut uni-bremen.de analysiert sie dabei insbesondere die Bedingungen für politische Vorstellungskraft und Teilhabe.
Gagrčin bringt wertvolle Erfahrungen mit, die sie während ihrer Zeit als Marie Skłodowska-Curie Postdoctoral Fellow an der Universität Bergen sammelte. In diesem Rahmen forschte sie im Projekt RESDEM, das sich mit den Auswirkungen von Polarisierung auf die demokratische Teilhabe beschäftigte, insbesondere im Kontext des Windkraftausbaus in Baden-Württemberg. Ihre akademische Laufbahn führt über Stationen an der Universität Mannheim bis hin zur Promotion an der Freien Universität Berlin sowie am Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft.
Forschungsschwerpunkte und Engagement
Der Fachbereich, in dem Gagrčin tätig sein wird, fördert qualitative und Mixed-Methods-Ansätze, die sie als besonders passend für ihre Forschungsinteressen empfindet. Am Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung (ZeMKI) wird sie das Modul Qualitative Methoden übernehmen und das neu gegründete GLaMS Lab (Good Life & Media Society) leiten. Im Jahr 2025 erhielt sie den Nachwuchsforscherinnenpreis in den Sozial- und Geisteswissenschaften von der Königlich Norwegischen Gesellschaft der Wissenschaften und der Literatur, einem bedeutenden Zeichen für ihr Engagement und ihre Forschungsleistung.
Im Kontext der politischen Teilhabe spielt Gagrčins Forschung eine wesentliche Rolle. Politische Teilhabe umfasst die aktive Beteiligung der Bürger an politischen Angelegenheiten, sei es durch Wahlen, Referenden oder Bürgerinitiativen. Umfassende Untersuchungen zeigen, dass diese Beteiligung historisch häufig privilegierten Gruppen vorbehalten war. In Deutschland wurde zur Gleichstellung der Geschlechter beispielsweise 1918 das allgemeine Wahlrecht für Frauen eingeführt. Bis 2019 waren bestimmte Personengruppen wie Menschen mit gesetzlicher Betreuung vom Wahlrecht ausgeschlossen, eine Regelung, die vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig eingestuft wurde, wie bpb.de berichtet.
Teilhabe und soziale Beziehungen
Gagrčins Arbeit zur politischen Teilhabe ist auch vor dem Hintergrund soziologischer Perspektiven von Bedeutung. Diese Perspektiven analysieren nicht nur gesellschaftliche Zugehörigkeit, sondern auch Ungleichheit. Peter Bartelheimer hebt hervor, dass Teilhabe historisch relativ und mehrdimensional ist und verschiedene Abstufungen ungleicher Teilhabe berücksichtigt. Der soziologische Ansatz wird durch den „Capability Approach“ nach Amartya Sen ergänzt, der das Verhältnis zwischen Ressourcen und Rechten beschreibt und aufzeigt, dass gesellschaftliche Strukturen sowie individuelle Faktoren die politische Teilhabe entscheidend beeinflussen.
Emilija Gagrčin wird mit ihrer Expertise und ihrer Leidenschaft für die Forschung zur politischen Teilhabe und den Auswirkungen der Medien auf unsere Gesellschaft einen wertvollen Beitrag an der Universität Bremen leisten, die bestrebt ist, innovative Ansätze in der Kommunikations- und Medienwissenschaft zu fördern.