Emotionen bei Tieren: Entdeckungsreise durch eine faszinierende Fotoausstellung
Ab heute, dem 18. Juni 2026, stehen die Vorbereitungen für eine einzigartige Fotoausstellung an der Universität Konstanz im Fokus. Die Ausstellung mit dem Titel „The Animal’s Inner World: A Defence of Critical Anthropomorphism“ wird vom Zukunftskolleg der Universität präsentiert und läuft vom 30. Juni bis zum 8. Juli 2026. Dabei wird die Vernissage am Montag, den 29. Juni 2026, um 19 Uhr vor dem BibCafé in der Bibliothek der Universität stattfinden. Der Eintritt ist frei.
Kuratiert wird die Ausstellung von Yitzchak Ben-Mocha, einem Evolutionsbiologen und ZENiT Research Fellow. Ben-Mocha widmet sich durch die Fotografie der Untersuchung emotionaler Zustände bei Tieren. Ziel der Ausstellung ist es, das Dogma zu hinterfragen, das besagt, dass menschliche Emotionen nicht auf Tiere übertragen werden sollten. In seiner Arbeit dokumentiert er Verhaltensweisen in verschiedenen Regionen, darunter der Jordangraben, die Urwälder Ugandas und die Hochebenen Äthiopiens.
Emotionen und Verhaltensweisen bei Tieren
Die Ausstellung thematisiert komplexe Emotionen wie Hass, Angst, Eifersucht und Liebe, die Tiere empfinden können. Dies steht im Kontext der Diskussion um die Anthropomorphisierung bei Tieren, die oft als problematisch betrachtet wird. Bei der Anthropomorphisierung handelt es sich um die Zuschreibung menschlicher psychologischer Eigenschaften, Motive oder Bewusstseinszustände an Tiere. Diese Praxis hat sowohl ihre Verfechter als auch ihre Kritiker.
In der wissenschaftlichen Diskussion wird Anthropomorphisierung als potenzielle Quelle für Fehlinterpretationen angesehen, gleichzeitig wird sie aber auch als heuristisches Instrument zur Hypothesenentwicklung genutzt. Historisch gesehen sahen Wissenschaftler wie Charles Darwin und George Romanes eine mentale Kontinuität zwischen Menschen und Tieren.
- Verhaltensforschung im Wandel: Der Behaviorismus des frühen 20. Jahrhunderts lehnte mentale Zuschreibungen ab, konzentrierte sich auf beobachtbares Verhalten. In der darauf folgenden kognitiven Wende hingegen wurde eine differenzierte Betrachtung der Anthropomorphisierung gefördert.
- Kulturelle Einflüsse: Religiöse Vorstellungen, soziale Normen und Urbanisierung spielen ebenfalls eine Rolle bei der Tendenz zur Vermenschlichung von Tieren.
Der Ansatz des kritischen Anthropomorphismus, den Ben-Mocha verfolgt, erfordert eine Abgrenzung von unreflektierten Zuschreibungen und fordert methodisch kontrollierte Ansätze. Wissenschaftler wie de Waal betonen hingegen, dass sowohl übermäßige Vermenschlichung als auch die vollständige Ablehnung mentaler Kontinuitäten problematisch sind.
Ben-Mocha ist zudem am „Centre for the Advanced Study of Collective Behaviour“ tätig. Sein Forschungsprojekt „GCoo-BreeD“ beschäftigt sich mit kooperativer Brutpflege und zielt darauf ab, die Forschung in diesem Bereich zu verbessern und biologische Parameter sowohl von Tieren als auch von Menschen zu erfassen.
Die Ausstellung an der Universität Konstanz bietet den Besuchern die Möglichkeit, tiefere Einblicke in die emotionalen Leben von Tieren zu gewinnen und die traditionellen Sichtweisen auf deren Verhalten zu hinterfragen. In einer Zeit, in der die anthropomorphistische Betrachtung von Tieren in der Forschung oft als problematisch angesehen wird, stellt Ben-Mocha eine kritische Perspektive zur Diskussion. Für mehr Informationen über die Ausstellung und die Arbeiten von Yitzchak Ben-Mocha ist die Webseite des Zukunftskollegs von Interesse.
