Englisch studieren in Sachsen: Wie Hochschulen internationale Programme ausbauen
Heute, am 4.10.2026, liegt über dem Leipziger Campus schon diese leicht herbstliche Unruhe: neue Stundenpläne, volle Mensen, internationale Stimmen auf den Wegen zwischen den Gebäuden. Sachsens Hochschulen bauen ihre englischsprachigen Studienangebote aus – zum Wintersemester 2026 kommen weitere Programme hinzu. Für Bewerberinnen und Bewerber aus dem Ausland klingt das praktisch. Für deutsche Studierende ebenso: Englisch wird im Studium zunehmend zur Arbeitssprache, nicht bloß zur Vokabel aus dem Seminar.
Die Universität Leipzig verzeichnet diesen Trend seit zehn bis 20 Jahren kontinuierlich. Mittlerweile gibt es 28 englischsprachige Studiengänge. Vor allem die Naturwissenschaften legen zu. In Theologie und Veterinärmedizin bietet Leipzig dagegen keine entsprechenden Studiengänge an. Neue englischsprachige Programme starten zum Wintersemester 2026 mit den Mastern „Japan in the Asia Pacific“ und „Evolutionary Anthropology“.
Von Freiberg bis Dresden: Englisch wird normaler
An der Bergakademie Freiberg ist ein vollständig englischsprachiges Studium bereits seit dem Wintersemester 1999/2000 möglich. Das erste Programm hieß „International Management of Resources and Environment“ und begann mit sieben Studierenden. Heute gibt es an der Technischen Universität 14 englischsprachige Studiengänge. Der Master „Responsible Consumption and Production“ entsteht gemeinsam mit der Montanuniversität Leoben in Österreich und der Universität León in Spanien; Studienabschnitte finden an allen drei Standorten statt.
Auch Chemnitz hat ordentlich nachgelegt. Innerhalb von zehn Jahren stieg die Zahl der englischsprachigen Studiengänge dort von neun auf 13, die Zahl der Studierenden von 1.268 auf 2.177. Rund ein Viertel der Studierenden studiert inzwischen auf Englisch. Zum Wintersemester 2026 kommt der Master „Automation, Robotics and Control“ dazu. Die Einschreibefrist läuft bis Ende Oktober 2026.
In Dresden ist fast jeder vierte Studiengang englischsprachig: Im Wintersemester 2026 sind es 30 von 123. Neue Angebote entstehen vor allem in Mathematik sowie in den Natur- und Umweltwissenschaften. Die TU Dresden bietet außerdem einzelne Lehrveranstaltungen auf Russisch, Französisch oder Italienisch an, besonders in den Sprachwissenschaften. Leipzig hat ebenfalls fremdsprachige und teilweise zweisprachige Angebote, etwa in den Übersetzungswissenschaften.
Englischsprachige Studiengänge werden überwiegend als weiterführende Studiengänge mit dem Ziel eines Masterabschlusses angeboten. In Freiberg und Chemnitz gibt es nach Angaben der Hochschulen keine Studiengänge in anderen Fremdsprachen. Viele englische Programme organisieren die Hochschulen gemeinsam mit Partnern im Ausland – der Stundenplan kann dann schon mal drei Länder umfassen.
International studieren, aber nicht am Alltag vorbeileben
Die Hochschulen verfolgen mit dem Ausbau mehrere Ziele: Sie wollen internationale Bewerberinnen und Bewerber sowie Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt gewinnen, insbesondere in den MINT-Fächern. Deutsche Studierende sollen internationale Kompetenzen erwerben und auf Berufslaufbahnen vorbereitet werden, die nicht an der Landesgrenze enden. Dazu kommen Kooperationen mit ausländischen Hochschulen und Industriepartnern.
Ein Beispiel dafür ist die TU Dresden. Die öffentliche Forschungsuniversität wurde 1828 gegründet und zählt mit mehr als 29.000 Studierenden zu den größten Universitäten Deutschlands. Ihr Hauptcampus liegt südlich des Dresdner Stadtzentrums; historische und moderne Gebäude aus drei Epochen stehen dort nebeneinander. Organisiert ist die Universität in 17 Fakultäten und fünf Schulen. Zum Angebot gehören Ingenieur-, Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Medizin.
Geforscht wird unter anderem zu Biomedizin und Biotechnologie, Informationstechnologie und Mikroelektronik, Materialwissenschaften, Energie und Mobilität, Umwelt sowie gesellschaftlichem Wandel. Seit 2012 gehört die TU Dresden zu den elf als „Exzellenzuniversitäten“ anerkannten Hochschulen Deutschlands. Das erklärt ein Stück weit, warum internationale Studieninteressierte dort landen – neben der Tatsache, dass Dresden als Studienort natürlich mehr zu bieten hat als nur Hörsäle.
Deutschlandweit gibt es mehr als 2.000 englischsprachige Master- und rund 200 englischsprachige Bachelorprogramme an mehr als 400 Hochschulen. Die Fächer reichen von Ingenieurwesen, Informatik und Wirtschaft über Data Science und Naturwissenschaften bis zu Geistes- und Sozialwissenschaften. Genannt werden unter anderem die TU München, die Universität Heidelberg, die RWTH Aachen, die Humboldt-Universität zu Berlin und die Freie Universität Berlin.
Was Bewerber wissen sollten
Ein englischsprachiges Studium ist in Deutschland oft vergleichsweise günstig. Staatliche Hochschulen verlangen in 15 von 16 Bundesländern keine Studiengebühren; üblich sind Semesterbeiträge von 150 bis 400 Euro. Baden-Württemberg bildet eine Ausnahme für Studierende aus Nicht-EU-Staaten: Dort werden 1.500 Euro pro Semester erhoben. Deutschland bietet international gerankte Hochschulen, enge Verbindungen zur Industrie, eine zentrale Lage in Europa mit Zugang zu mehr als neun Nachbarländern und eine internationale Studierendenschaft von mehr als 400.000 Menschen.
Nach dem Abschluss können Absolventinnen und Absolventen eine 18-monatige Aufenthaltserlaubnis zur Jobsuche erhalten. Das gilt auch für englischsprachige Programme. Internationale Unternehmen und Start-ups stellen teilweise ohne gute Deutschkenntnisse ein, für viele andere Arbeitsplätze werden allerdings Deutschkenntnisse auf B2-Niveau erwartet. In Vorlesungen, Seminaren und Prüfungen, in internationalen Büros, Studierendengruppen und Großstädten wie Berlin, München oder Hamburg reicht Englisch im Alltag oft aus. Bei Wohnungssuche, WG-Anzeigen, Behördengängen, Aufenthaltserlaubnis, Bankkonten, Versicherungen, Arztbesuchen und Apotheken wird es schnell holpriger.
Auch soziale Kontakte mit deutschen Studierenden und viele Nebenjobs funktionieren leichter mit Deutsch. Stellen in Technologieunternehmen und Start-ups sind häufiger auf Englisch. Hochschulen bieten vielfach begleitende Deutschkurse von zwei bis vier Stunden pro Woche an; Grundkenntnisse auf Niveau A2 bis B1 werden für den Alltag empfohlen. Für die Zulassung selbst sind bei englischsprachigen Studiengängen keine Deutschkenntnisse nötig.
Typische Nachweise sind IELTS Academic mit einer Gesamtpunktzahl von 6,0 bis 7,0, TOEFL iBT mit 80 bis 100 Punkten oder Cambridge C1 Advanced mit der Note B oder besser. Einige Hochschulen akzeptieren den Duolingo English Test mit 110 bis 120 Punkten. Für einen Bachelor braucht es ein anerkanntes Sekundarschulzeugnis, das dem deutschen Abitur entspricht. Für den Master wird ein fachlich passender Bachelorabschluss mit mindestens 180 ECTS und guten Noten erwartet; GRE oder GMAT sind in der Regel nicht erforderlich.
Wer sich bewirbt, sollte nicht bis zum letzten Moment warten. Zwölf bis 18 Monate vor Studienbeginn lassen sich Programme über die DAAD-Datenbank recherchieren – fünf bis zehn passende Angebote sind ein sinnvoller Ausgangspunkt. Zehn bis zwölf Monate vorher folgen Zulassungsvoraussetzungen, Sprachtests, Zeugnisse und Motivationsschreiben; IELTS oder TOEFL werden typischerweise acht bis zehn Monate vorher abgelegt. Die Bewerbung geht über uni-assist oder direkt an die Hochschule. Bei uni-assist kostet die erste Bewerbung 75 Euro. Für das Wintersemester gilt als allgemeine Frist der 15. Juli, für das Sommersemester der 15. Januar. Nach der Zusage kommen Sperrkonto mit 11.904 Euro und das nationale Visum, das sechs bis zwölf Wochen vor der Abreise bei der Botschaft beantragt wird.
Die große Landkarte der englischen Programme
Die TU München liegt im QS-Ranking auf Rang 37 und bietet etwa den MSc Data Engineering and Analytics, MSc Computational Science and Engineering, MSc Management and Technology, MSc Robotics, Cognition, Intelligence sowie MSc Physics an. Die Programme dauern jeweils vier Semester. Die TUM School of Management ist dreifach akkreditiert: AACSB, EQUIS und AMBA.
Die Universität Heidelberg steht im QS-Ranking auf Rang 49. Dort gibt es unter anderem MSc Scientific Computing, MA International Health, MSc Molecular Biosciences, MA American Studies und MSc Physics. Für Nicht-EU-Studierende fallen in Baden-Württemberg 1.500 Euro Studiengebühren pro Semester an.
An der Humboldt-Universität zu Berlin, QS-Rang 120, finden sich MSc Statistics, MA International Relations, MA Global History und MSc Computational Neuroscience. Die Freie Universität Berlin liegt auf QS-Rang 101 und bietet MA North American Studies, MSc Data Science, MA Global Communication und MSc Computational Sciences an. Die RWTH Aachen, QS-Rang 106, ist Deutschlands größte technische Universität und Mitglied der TU9-Allianz. Ihr englisches Angebot umfasst MSc Computer Science, MSc Data Science, MSc Mechanical Engineering, MSc Electrical Engineering und MSc Software Systems Engineering; die genannten Programme dauern jeweils vier Semester.
Weitere Schwerpunkte verteilen sich über das Land: Die TU
