Am 4. Mai 2026 berichten Wissenschaftler von der Universität Osnabrück, dass die Annahme, Pflanzen könnten das Antioxidans L-Ergothionein (EGT) selbst synthetisieren, widerlegt wurde. Insbesondere Prof. Dr. Sabine Zachgo erklärt, dass EGT, ein starkes Antioxidans, in verschiedenen Pflanzen durch die Aktivität spezifischer Gene produziert wird. Diese Gene, EGT1 und EGT2, spielen eine Schlüsselrolle in der EGT-Synthese, die durch hochsensitive Massenspektrometrie nachgewiesen wurde.
EGT gilt als „Langlebigkeitsvitamin“ und schützt Zellen vor oxidativem Stress und Entzündungen. Es wird vermutet, dass EGT altersbedingte Erkrankungen wie Alzheimer, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verschiedene Stoffwechselstörungen abmildern kann. Interessanterweise zeigte sich, dass eine hohe Lichtbelastung und erhöhte Temperaturen bei der Alge Klebsormidium nitens und dem Blasenmützenmoos Physcomitrium patens zu einem Anstieg der EGT-Produktion führten. Diese Entdeckung ist besonders relevant angesichts der wachsenden Klimaextreme.
EGT-Synthese und Bedeutung für die Pflanzenforschung
Die identifizierten Gene eröffnen neue Perspektiven für die Entwicklung stressresistenter Nutzpflanzen. EGT dient in Pflanzen als Teil der antioxidativen Abwehr gegen Stressoren. Die Ergebnisse der Studie, die am 28. April im Fachjournal Plant Biology veröffentlicht wurden (DOI:10.1111/plb.70218), könnten somit weitreichende Implications für die Pflanzenzüchtung haben.
L-Ergothionein selbst ist ein natürliches Derivat der Aminosäure Histidin, das 1909 in Claviceps purpurea entdeckt wurde. Es weist antioxidative, entzündungshemmende und entgiftende Eigenschaften auf, was es zu einem wertvollen Bestandteil in Lebensmittelzusätzen und Kosmetika macht, wie in wissenschaftlichen Studien hervorgehoben wird. Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 30 mg für Erwachsene und 20 mg für Kinder.
Gesundheitliche Vorteile von EGT
EGT wird ausschließlich von bestimmten Mikroorganismen wie Actinomycetales, Mycobacteria und Cyanobakterien sowie essbaren Pilzen synthetisiert, wobei etwa 95 % der Nahrungsaufnahme aus Pilzen stammen. Die EGT-Gehalte variieren stark zwischen den Pilzarten, wobei hohe Konzentrationen im Pleurotus-Geschlecht (0.22–3.94 mg/g Trockenmasse) festgestellt wurden. Diese Verbindung hat nicht nur antioxidative Fähigkeiten, sie kann auch die mitochondrialen Funktionen unterstützen, die durch oxidativen Stress beeinträchtigt werden.
EGT hat darüber hinaus potenzielle Vorteile bei neurodegenerativen Erkrankungen, da es die Blut-Hirn-Schranke überqueren kann. Interessanterweise zeigen Studien, dass EGT-Spiegel bei älteren Erwachsenen und Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen häufig niedriger sind. Dies regt zur Diskussion über mögliche Nahrungsergänzungen an, um die Gesundheit und Funktionalität des Körpers zu fördern. Diese positiven Eigenschaften und die dort vermuteten Effekte sind auch für Pharmazeuten und Ernährungswissenschaftler von großem Interesse.
Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Forschung über EGT und seine vielfältigen Anwendungen im Bereich der Gesundheit und der Pflanzenwissenschaften weiter an Bedeutung gewinnt. Die Einsichten aus den jüngsten Studien könnten zu neuen therapeutischen Ansätzen für die Behandlung von chronischen Erkrankungen und zur Entwicklung von Pflanzen mit höherer Widerstandsfähigkeit gegen Umweltstress führen.