Würzburg, 7. Oktober 2026 – Die europäische Basketball-Landschaft kommt gerade ordentlich in Bewegung. Medienberichten zufolge hat die Euroleague ein Angebot der NBA für eine gemeinsame europäische Liga abgelehnt. Die Inhaber-Clubs wiesen demnach die Bedingungen für eine Eingliederung in die NBA zurück. Darüber berichteten unter anderem die „La Gazzetta dello Sport“ und „The Athletic“.

Beim Treffen der Clubs im italienischen Cernobbio, an dem auch der FC Bayern München beteiligt war, gab es allerdings keine endgültige Absage an eine Zusammenarbeit. Weitere Verhandlungen bleiben möglich. Bayerns Vereinspräsident Herbert Hainer und der kaufmännische Geschäftsführer Adrian Sarmiento waren vor Ort. Hainer bezeichnete die Gespräche als sehr konstruktiv. In den kommenden Wochen und Monaten solle weiter an den Chancen und der Weiterentwicklung der Euroleague gearbeitet werden; sie habe aus Sicht des FC Bayern „eine blendende Zukunft vor sich“.

NBA Europe nimmt Gestalt an

Die NBA plant gemeinsam mit dem Weltverband Fiba eine Liga namens NBA Europe. Der Start ist für Oktober 2027 vorgesehen. Als mögliche Standorte gelten große Metropolen wie Paris, London und Berlin. Sollte die Euroleague nicht beteiligt sein, könnte der europäische Club-Basketball weiter zersplittern – auf dem Parkett wäre das vermutlich nicht die einzige Baustelle.

In ihrer Mitteilung zum Treffen erwähnte die Euroleague NBA Europe nicht und erklärte stattdessen, die eigenen Pläne weiterzuverfolgen. Die anwesenden Vereinsinhaber einigten sich darauf, die derzeitigen Zehnjahreslizenzen in Franchises für die 13 ECA-Gesellschaftervereine umzuwandeln. Eine mögliche Erweiterung der Euroleague soll weiter geprüft werden, beschlossen ist sie noch nicht. Medienberichten zufolge soll gerade der Verzicht auf eine Liga-Erweiterung eine Bedingung der NBA gewesen sein.

Für NBA Europe haben mehr als 20 europäische Sportclubs aus Basketball und Fußball Gebote für feste Franchises eingereicht. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur liegen sie zwischen 500 Millionen und 1 Milliarde Euro. Die genannten Finanzwerte beziehen sich allerdings auf Schätzungen aus dem Jahr 2023 und auf die Finanzkraft der teilnehmenden Clubs. Mehr als 18 weitere Vereine aus verschiedenen europäischen Ländern sollen ebenfalls Angebote abgegeben haben.

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Zu den aussichtsreichsten Bewerbern für die zwölf festen Startplätze zählen Alba Berlin und der FC Bayern München. NBA-Vize-Commissioner Mark Tatum bestätigte das Interesse an permanenten Franchises und verwies auf die Unterstützung durch NBA und FIBA. NBA-Europachef George Aivazoglou erklärte, die Gespräche seien weit fortgeschritten, offene Punkte gebe es aber noch.

Franchises statt Auf- und Abstieg

Zum Start sind 16 Teams vorgesehen: zwölf feste Franchises und vier Mannschaften, die sich über die Champions League qualifizieren. Nach den bisher beschriebenen Plänen soll NBA Europe keine klassische Liga mit Auf- und Abstieg werden. Vorgesehen ist ein Franchise-Modell mit garantierten Plätzen, eigenen TV- und Sponsoringverträgen sowie einem Stimmrecht innerhalb der NBA-Struktur.

Eine Verzahnung mit der NBA ist ebenfalls geplant, etwa durch gemeinsame Turniere im Oktober oder Februar. Als mögliches Format wird ein Round-Robin-Turnier mit den jeweils drei besten Teams aus Europa und Nordamerika genannt. Langfristig könnten NBA und NBA Europe teilweise miteinander verbunden werden. Das klingt nach großem Basketball – und nach ziemlich vielen Kalendern, die künftig aufeinander abgestimmt werden müssten.

Bereits am 2. August 2025 war von einer eigenen Europa-Liga der NBA berichtet worden. Damals war möglicherweise ein Start zur Saison 2026/27 im Gespräch, zunächst mit acht bis zehn Teams und später bis zu zwölf Klubs. NBA-Commissioner Adam Silver soll Gespräche mit Verantwortlichen großer europäischer Basketball- und Fußballclubs geführt haben, darunter Real Madrid, Galatasaray sowie Vertreter aus London und Paris. NBA-Analyst und Podcaster Bill Simmons berichtete, die Planung nehme konkrete Formen an.

Als nahezu sichere Standorte beziehungsweise Clubs wurden London, Madrid, Barcelona, Mailand, Paris, Berlin und Griechenland genannt. In London könnten Partnerschaften mit Chelsea, Arsenal oder Tottenham entstehen, in Madrid wäre Real Madrid ein Kandidat. Für Mailand wurde möglicherweise AC Milan über RedBird Capital genannt – nicht zwingend Olimpia Milano. In Paris gilt Paris Saint-Germain als mögliche Adresse, in Berlin Alba Berlin. In Griechenland bleibt offen, ob Panathinaikos oder Olympiakos zum Zug kommt.

Weitere gehandelte Optionen sind ASVEL Villeurbanne, Fenerbahçe Istanbul, Galatasaray, Manchester City und ein künftig in Israel ansässiges Team. Laut Simmons konzentriert sich die NBA derzeit eher auf internationale Märkte und plant vorerst keine Expansion in US-Städte wie Las Vegas oder Seattle.

Mehr Wettbewerb, weniger Aufmerksamkeit?

Die Euroleague ist derzeit die wichtigste europäische Vereinsbasketballliga. Ihr Marktanteil lag 2022 bei 3,9 Prozent. NBA Europe würde um Zuschauer, Sponsoren und Einnahmen mit ihr sowie mit den nationalen Ligen konkurrieren. Als Risiko gilt eine Übersättigung des Basketballmarktes, falls mehrere Topligen gleichzeitig um Aufmerksamkeit ringen. Dann könnten Zuschauerinteresse und Sponsoring auf verschiedene Wettbewerbe verteilt werden – und selbst eingefleischte Fans irgendwann den Überblick verlieren.

Der Zeitplan bleibt dabei bemerkenswert beweglich. Adam Silver hatte öffentlich erklärt, NBA Europe befinde sich noch „sehr früh im Prozess“; ein offizieller Start sei vermutlich nicht vor 2028 realisierbar. Die später berichteten Planungen nannten dagegen bereits die Saison 2026/27, inzwischen ist Oktober 2027 vorgesehen. Sicher ist vorerst vor allem: Die Verhandlungen laufen, Bayern sitzt mit am Tisch, und Europas Basketball bekommt eine neue, ziemlich große Unbekannte.

Quelle 1: Main-Post
Quelle 2: newspaper.de
Quelle 3: basketball-world.news