In einem aktuellen LinkedIn-Post hat Dr. Patricia Zieris, eine Wissenschaftlerin an der Karlshochschule International University, ihre Erfahrungen hinsichtlich der Herausforderungen von Familie und Karriere im akademischen Bereich geteilt. Sie betont, dass Familie die Karriere einer Wissenschaftlerin zwar nicht erleichtern, aber auch nicht erschweren sollte. Diese Botschaft kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland zunehmend in den Fokus rückt.

Eine der größten strukturellen Hürden, die Dr. Zieris anspricht, ist die Anrechnung der Elternzeit auf die Vertragslaufzeit – eine Regelung, die im Gesetz als „Kann“-Möglichkeit definiert ist. Bei einem Drei-Jahres-Vertrag hat die Universität die Option, den Vertrag um ein Jahr zu verlängern, ist dazu jedoch nicht verpflichtet. Das führt zu einem Unsicherheitsfaktor, da nach der Elternzeit unklar ist, ob Gelder oder Stellen noch zur Verfügung stehen. Aus Sorge vor einem möglichen Vertragsverlust hat sich Zieris entschieden, auf Elternzeit zu verzichten.

Schwierigkeiten im Wissenschaftsalltag

Im Hochschulalltag sieht sich Zieris oft gezwungen, nicht mehr nach ihren Interessen „Ja“ zu sagen. Stattdessen muss sie zahlreiche Anfragen ablehnen, was sie als bedenklich empfindet. Ihrer Meinung nach könnte dies dazu führen, dass die Anfragen für Engagements, Publikationen und Forschungsprojekte zurückgehen. Obwohl sie an der Karlshochschule Verständnis für ihre Situation erfährt, sieht sie Verbesserungsbedarf in der Kommunikation über vorhandene Unterstützungsmöglichkeiten.

Ein Beispiel für diese Herausforderungen ist das KI-Zertifikat für Lehrende, das innerhalb eines Jahres absolviert werden muss. Aufgrund ihrer familiären Verpflichtungen hat Zieris jedoch nicht die Kapazität, dies zu leisten. Ein klarer Hinweis darauf, dass es Lösungsansätze für Schwierigkeiten gibt, die aufgrund familiärer Verpflichtungen entstehen, scheint zu fehlen. Sie betont, dass individuelle Entscheidungen und Unterstützung notwendig sind, da jede Schwangerschaft und Elternzeit einzigartige Gegebenheiten mit sich bringt.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Verbesserungen

In einem weiteren Kontext betrachtet die Politik die Stärkung der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Die europäische Richtlinie, die im Juni 2019 angenommen wurde, hat das Ziel, Eltern und pflegenden Angehörigen gleichwertige Behandlung zu bieten. Änderungen und verbindliche Standards sollen bis August 2022 in nationales Recht umgesetzt werden, wie das BMBF berichtet.

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Ein bedeutendes neues Gesetz, das das Bundeskabinett am 8. Juni 2022 beschloss, sieht unter anderem vor, dass Arbeitgeber Ablehnungen von Anträgen auf flexible Arbeitsregelungen in der Elternzeit begründen müssen. Insbesondere in Kleinbetrieben müssen Anfragen nach Freistellungen innerhalb von vier Wochen beantwortet werden. Beschäftigte haben zudem während der vereinbarten Freistellungen Kündigungsschutz.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wird zuständig sein für Diskriminierungsfragen, die im Zusammenhang mit der neuen Vereinbarkeitsrichtlinie und der Inanspruchnahme von Elternzeit oder Pflegezeit auftreten. Ein weiterer Punkt, den Zieris anspricht, ist der Wunsch nach unbefristeten Verträgen. Diese könnten dazu beitragen, die Angst vor Zeitverlust durch familiäre Entscheidungen zu verringern.

Letztlich sieht Zieris Mutterschaft nicht nur als persönliches, sondern auch als Karriere-Risiko, das weit über den akademischen Bereich hinausgeht. Ihre Empfehlung an junge Wissenschaftlerinnen ist, ein heterogenes Netzwerk zu suchen und Erfahrungen auszutauschen. Zudem rät sie, frühzeitig mit Vorgesetzten Kontakt aufzunehmen, um eine gemeinsame Planung für die entscheidenden Monate bis Jahre zu ermöglichen.