Ein internationales Forschungsteam hat das Echoortungsverhalten der Großen Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum) untersucht, um besser zu verstehen, wie diese Fledermausart Beuteechos von störenden Vegetationsechos trennt. Die beteiligten Institutionen, darunter die Universität Tübingen, die Universität Tel Aviv und die Universität Aarhus, veröffentlichten ihre Erkenntnisse in der Fachzeitschrift PNAS. Diese Forschung könnte wichtige Hinweise für den Schutz gefährdeter Fledermausarten liefern, da sie zeigt, wie diese Tiere ihre akustischen Signale gezielt nutzen, um in ihrer Umgebung zu navigieren und Beute zu finden, selbst in komplexen Vegetationslandschaften.

Die Große Hufeisennase nutzt ihr hochentwickeltes Echoortungssystem, um vor allem fliegende Insekten zu jagen. Dies geschieht durch das Ausstoßen ununterbrochener Echoortungslaute, die aus spezifischen Frequenzen bestehen. Die Echos, die von den Flügeln ihrer Beute zurückgeworfen werden, erzeugen rhythmische Muster, die für die Fledermäuse leicht zu entschlüsseln sind. Im Rahmen dieser Studie verwendete das Forschungsteam Miniaturspeicher mit GPS-Tracker und Mikrofonen, die sie auf das Rückenfell der Fledermäuse klebten. Diese Geräte fielen nach zwei bis drei Tagen ab und ermöglichten es, Daten über die akustischen Jagdtechniken der Tiere zu sammeln.

Frequenzmodulation und Beuteerkennung

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass Fledermäuse in der Lage sind, ihre Frequenzen während der Jagd anzupassen. Indem sie die Frequenz ihrer Ortungslaute absenken, können sie Störechos, die von der Vegetation herrühren, unterhalb der Maximalfrequenz halten. Dies ermöglicht es den Tieren, sich auf die frequenzmodulierten Echos ihrer Beute zu konzentrieren. Auditive Fovea der Fledermäuse bleiben für diese nützlichen Echos reserviert, während unmodulierte Störechos von Pflanzen und anderen Objekten nicht die Wahrnehmung der Beute beeinträchtigen.

Die Komplexität dieser akustischen Aufgaben wird durch die Tatsache verstärkt, dass Fledermäuse mehrere Hörereignisse gleichzeitig verarbeiten können. Ein Experiment des Max-Planck-Instituts für Ornithologie, das ebenfalls zur Verständnisvertiefung beiträgt, untersuchte die Reaktionen von Großen Hufeisennasen auf veränderte Raschelgeräusche. Der Flugraum, der mit Mikrophonen und Lautsprechern ausgestattet war, ermöglichte es den Wissenschaftlern zu beobachten, wie die Fledermäuse ihre Schreie aktiv in Richtung der erzeugten Geräusche lenkten und die Lautstärke ihrer Rufe anpassten.

Passives Hören und evolutionäre Strategien

Die Studienergebnisse legen nahe, dass passives Hören eine evolutionär ältere Jagdmethode darstellt, die die Komplexität des Echoortungssystems ergänzt. Fledermäuse scheinen zunächst auf die Geräusche ihrer Beute oder der Umgebung zu hören, bevor sie aktiv mit eigenen Rufen reagieren. Diese Fähigkeit zur Informationsverarbeitung könnte entscheidend dafür sein, wie die Tiere auch in dichter Vegetation erfolgreich jagen.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Echoortung, ein Prinzip, das auch in der Schifffahrt Anwendung findet, ist für die Näherung von Fledermäusen an ihre Beute unerlässlich. Wissenschaftler erklären, dass diese Tiere extrem laute Schreie von sich geben, um sich in der Dunkelheit zu orientieren, und sogar die Fähigkeit besitzen, leise zu flüstern, um akustische Tarnung zu erreichen. Die Tatsache, dass die Rufe der Mopsfledermäuse etwa 40 % geringer werden, wenn sie sich einem Nachtfalter nähern, zeigt, wie flexibel und anpassbar das Jagdsystem dieser Tiere ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die aktuelle Forschung der Großen Hufeisennase nicht nur unser Wissen über Echoortung erweitert, sondern auch tiefere Einblicke in die akustischen Fähigkeiten und Überlebensstrategien dieser faszinierenden Fledermausart bietet. Die Erkenntnisse gewinnen an Relevanz, insbesondere im Hinblick auf den Schutz bedrohter Arten in ihren natürlichen Lebensräumen.