Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Universität Gießen hat ein Projekt ins Leben gerufen, das sich mit den komplexen Mechanismen der Coronaviren befasst. Unter dem Titel „Regulierung von Virus-Wirt-Membrankontaktstellen“ wird untersucht, wie Coronaviren während ihrer Replikation die Membranen der infizierten Wirtszelle umformen. Diese sofortige Forschungsinitiative wird von der DFG mit rund 530.000 Euro unterstützt, was einen bedeutenden finanziellen Rückhalt für die dringend benötigte Forschung in diesem Bereich darstellt.
Die Forscher, angeführt von Prof. Dr. Michael Kracht und PD Dr. Christin Müller-Ruttloff, konzentrieren sich auf die sogenannten Replikationsorganellen. Diese fungieren als „Vermehrungsfabriken“ im Zytoplasma der infizierten Zellen und ermöglichen die ungestörte Vervielfältigung des viralen Genoms. Eine Herausforderung, vor der die Wissenschaftler stehen, ist das unklare Wissen über die Entstehung dieser „Fabriken“ und den Umbau der Zellmembranen durch das Virus. Ihr Ziel ist es, die zellulären Mechanismen zu entschlüsseln, die der Bildung dieser Replikationsstrukturen zugrunde liegen.
Interdisziplinäre Vernetzung
Ein wichtiger Aspekt des Projekts ist die Förderung der interdisziplinären Vernetzung zwischen den Instituten für Pharmakologie und Virologie. Diese Zusammenarbeit ist von entscheidender Bedeutung, um die Komplexität der Virus-Wirt-Interaktionen besser zu verstehen. Durch den Austausch von Wissen und Techniken zwischen den Disziplinen können innovative Ansätze zur Bekämpfung von Coronaviren entwickelt werden.
PD Dr. Christin Müller-Ruttloff wurde zudem von der American Society for Microbiology in die Gruppe der „New Voices in Virology“ aufgenommen. Diese Auszeichnung würdigt ihren Einfluss und ihre Forschungsleistungen im Bereich Virologie. Ihr kürzlich veröffentlichter Artikel, „Behind the membranous curtain—lipid dynamics and functions in coronaviral replication“, beleuchtet die Rolle von Lipiden im Replikationszyklus von Coronaviren. Die Publikation im Journal of Virology unterstreicht die Bedeutung ihrer Forschung für zukünftige Therapieansätze gegen das Virus.
Ein besseres Verständnis der Dynamik und der biologischen Funktionen, die im Hintergrund von Virusinfektionen ablaufen, könnte dazu beitragen, neue therapeutische Strategien zu entwickeln. Die Wissenschaftler setzen sich intensiv mit den biologischen Mechanismen auseinander, um die Herausforderungen, die Coronaviren darstellen, besser zu meistern.