Forschungspreis an EUF: Wissenschaftler kämpfen gegen Armut und Gewalt
Am 18. Juni 2026 wurden im Rahmen des Jahresempfangs an der Europa-Universität Flensburg (EUF) Forschungspreise verliehen. Die Vizepräsidentin für Forschung und Transfer, Prof. Dr. Marion Döll, ehrte in diesem Jahr zwei Forscher für ihre herausragenden wissenschaftlichen Leistungen. Dr. Lara Minkus wurde für ihre umfassende Forschungsarbeit zum Zusammenhang zwischen Armut, finanziellen Sorgen und dem Risiko von Gewalt gegen Frauen in Partnerschaften ausgezeichnet. Ihre Studie, die in der Open-Access-Zeitschrift PLOS ONE veröffentlicht wurde, zeigt, dass finanzielle und materielle Ressourcen entscheidende Risikofaktoren für Gewalt in Paarbeziehungen darstellen.
Die Arbeit von Dr. Minkus ergänzt bedeutend das Verständnis eines Themas, das bislang überwiegend aus der Perspektive von Public Health und Kriminologie betrachtet wurde. Diese soziologische Sichtweise verdeutlicht die tief verwurzelten Zusammenhänge zwischen ökonomischen Bedingungen und geschlechtsspezifischer Gewalt, die weiterhin in vielen Gesellschaften ein drängendes Problem darstellt.
Die Dimensionen von Armut und Gewalt
Frauen und Mädchen, die unter Armutsbedingungen leben, sehen sich nicht nur finanziellen Schwierigkeiten gegenüber, sondern auch vielfältigen Diskriminierungen. Laut einem Bericht von UN Women sind diese oft eingeschränkten Zugänge zu Bildung, Gesundheitsversorgung und sicheren Arbeitsmöglichkeiten. Armut erhöht stark das Risiko für häusliche Gewalt, sexuelle Ausbeutung und sogar Menschenhandel. Frauen in gewalttätigen Beziehungen haben häufig nicht die finanziellen Mittel oder rechtliche Unterstützung, um diese zu verlassen. Mädchen, die früh verheiratet werden oder ungewollt schwanger sind, werden zudem oft vom Schulbesuch ausgeschlossen, was ihre Möglichkeiten zur künftigen Unabhängigkeit weiter einschränkt.
Besonders betroffen sind Frauen aus marginalisierten Gruppen, wie Frauen mit Behinderungen oder LBT-Frauen, die zusätzlich unter intersektionalen Diskriminierungen leiden. In der Pekinger Aktionsplattform wurde festgestellt, dass die wirtschaftliche Stärkung von Frauen von zentraler Bedeutung für die Gleichstellung der Geschlechter und die Prävention von Gewalt ist. Um den Kreislauf von Armut und Gewalt zu durchbrechen, müssen die zugrunde liegenden Ursachen, einschließlich finanzieller Unsicherheit, gezielt angesprochen werden.
Gesellschaftliche Trends und Zukunftsperspektiven
Prof. Dr. Emanuel Deutschmann, ein weiterer Preisträger des Abends, wurde für sein Sachbuch „Die Exponentialgesellschaft – Vom Ende des Wachstums zur Stabilisierung der Welt“ ausgezeichnet. In seinem Werk analysiert Deutschmann aktuelle gesellschaftliche Trends und charakterisiert die gegenwärtige Gesellschaft als Exponentialgesellschaft. Dabei thematisiert er den Konflikt zwischen Expansionist:innen und Stabilisator:innen und zeigt auf, wie Gesellschaften in Zukunft gestaltet werden können, um eine nachhaltigere Entwicklung zu fördern.
Deutschmanns starke Leistung im Wissenstransfer wurde von den Organisatoren besonders gewürdigt. Seine Arbeit stellt einen wichtigen Beitrag zur Diskussion über die Herausforderungen dar, die mit dem Wegfall konventioneller Wachstumsparadigmen einhergehen.
Der diesjährige Jahresempfang der Europa-Universität Flensburg hat gezeigt, wie wichtig interdisziplinäre Forschung ist und wie eng Armut, Gewalt und gesellschaftliche Veränderungsprozesse miteinander verknüpft sind. Der Austausch über diese Themen ist nicht nur akademisch relevant, sondern hat auch weitreichende gesellschaftliche Implikationen, die sowohl Wissenschaftler als auch politische Entscheidungsträger in die Pflicht nehmen, aktiv zu werden.
