Jack Halberstam, ein renommierter Theoretiker der Gender- und Queer-Studies, wird am 18. Juni 2026 von 18 bis 20 Uhr einen öffentlichen Gastvortrag an der Freien Universität Berlin halten. Der Vortrag trägt den Titel „Anarchitecture“ und thematisiert kritische Perspektiven auf Architektur, Besitz und Gender. Halberstam ist bekannt dafür, Körper und gebaute Umgebung mit politischen Fragestellungen und Trans-Ästhetik zu verbinden. In seinem Vortrag wird er zudem aktuelle faschistische Tendenzen reflektieren, die in der gegenwärtigen Gesellschaft zu beobachten sind.Berichtet die FU Berlin.

Der Begriff „Anarchitecture“ entstand in den 1970er Jahren in einer Künstlergruppe um Gordon Matta-Clark in New York. Diese Form der Anarchitecture fokussiert Widersprüche und Leerräume in der Raumnutzung und bietet eine ästhetische Praxis der „Entgestaltung“. Ziel dieser Praxis war es, neue Herausforderungen für die Stadterneuerung und Gentrifizierung in New York zu schaffen. Halberstam zeigt, wie diese Praktiken des Schneidens und Aufspaltens mit dem Potenzial von Transgender verbunden sind und eröffnet einen neuen Blick auf den trans*-Körper als Raum der Entformung und Transformation.

Die Relevanz von Gender- und Queer-Studies

Gender- und Queer-Studien sind dynamische Forschungsfelder, die sich mit geschlechtlichen und sexuellen Identitäten befassen und deren soziale Konstruktion hinterfragen. Die Begriffe „Gender“ und „Queer“ haben in der letzten Zeit zunehmend an Bedeutung gewonnen und sind prominent in Feuilleton und Popkultur zu finden. Gender wird dabei als relationaler Begriff verstanden, der weit über biologische Aspekte hinausgeht. Diese Studien analysieren, wie Geschlecht im Alltag verstanden und verhandelt wird. Die Unterscheidung zwischen sex (biologisch) und gender (sozial) ist ein zentrales Element der Gender Studies.Ergänzt die Bundeszentrale für politische Bildung.

Obwohl Gender Studies in vielen wissenschaftlichen Disziplinen präsent sind, machen sie im deutschsprachigen Raum nur etwa 0,5% der Professuren aus. Die institutionelle Verankerung dieser Disziplinen ist oft prekär, und die Finanzierung vieler Gender Studies-Zentren ist unzureichend. Im Gegensatz zu den Gender Studies sind Queer Studies im deutschsprachigen Raum weniger etabliert, mit nur einem verfügbaren Studiengang. Dennoch sind beide Forschungsfelder intersektional und betrachten Geschlecht in Verbindung mit anderen sozialen Differenzen.

Auf der Suche nach neuen Perspektiven eröffnet Halberstams Vortrag auch einen Raum für Diskussionen, insbesondere im Kontext der anstehenden Masterclass „Transformations of the Present“ sowie des Symposiums „Dismantling Fascist Forms“, die am 22. und 23. Juni 2026 stattfinden.

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