Greifswalder Wissenschaftler erhält Otto-Roelen-Medaille für Recycling-Forschung
Am 24. Juni 2026 wird der Katalyse-Experte Prof. Dr. Dr. h.c. Uwe T. Bornscheuer von der Universität Greifswald für seine herausragenden Leistungen in der Biokatalyse mit der Otto-Roelen-Medaille ausgezeichnet. Diese bedeutende Ehrung, die bereits seit 1997 alle zwei Jahre von der Deutschen Gesellschaft für Katalyse (GeCatS) vergeben wird, würdigt wissenschaftliche Arbeiten mit starker Relevanz für die Industrie. Bornscheuer erhält die Auszeichnung speziell für die Identifizierung von Enzymen und das Protein-Engineering, das zur Entwicklung effizienterer alternativer Produktionsmethoden in der chemischen und pharmazeutischen Industrie führen kann.
Die Preisverleihung fand im Rahmen des 59. Jahrestreffens Deutscher Katalytiker im März 2026 in Weimar statt und ist mit 5.000 Euro dotiert, wobei OXEA GmbH als Sponsor auftritt. Bornscheuer betont die Wichtigkeit seiner Forschungen, die sich nicht nur auf die Entwicklung von Biokatalysatoren konzentrieren, sondern auch auf umweltfreundliche Lösungen wie das Recycling von Plastikmüll. Ein bedeutendes Projekt seines Teams umfasst die Nutzung von Enzymen, um Polyurethane aus alten Matratzen effektiv abzubauen, was die Vision eines echten Kunststoff-Recyclings unterstützt.
Forschungsschwerpunkte und technische Ansätze
Bornscheuers Forschung umfasst eine Vielzahl von Methoden aus verschiedenen Disziplinen, darunter Molekulargenetik, Proteinbiochemie, organische Chemie und Bioinformatik. Ein spezieller Fokus liegt auf der Entwicklung innovativer Hochdurchsatz-Screeningmethoden zur Optimierung von Enzymen. Diese Optimierung ist entscheidend, um die intrinsischen Eigenschaften von Enzymen wie Aktivität, Spezifität und Stabilität zu verbessern.
Zusätzlich engagiert sich Bornscheuer in der Förderung junger Wissenschaftler. Über 200 Bachelor- und Masterstudierende sowie mehr als 80 Promovierte hat er bisher betreut. Sein Beitrag zur Wissenschaft erstreckt sich über 600 wissenschaftliche Artikel, mehr als 60 Patente und zahlreiche Buchkapitel. Besonders bemerkenswert ist seine Mitgründung der Enzymicals AG, die auf Biotechnologie und Enzymvermarktung spezialisiert ist.
Nachhaltigkeit durch Biokatalyse
Die Biokatalyse, ein zentrales Element von Bornscheuers Forschungsansatz, nutzt natürliche Katalysatoren, insbesondere Enzyme, um chemische Reaktionen effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten. Diese Technologien ermöglichen nicht nur die Abfallvermeidung, sondern auch die Herstellung von Plattform- und Feinchemikalien aus nachwachsenden Rohstoffen, wie zum Beispiel Zuckern. Die TUM erforscht in diesem Kontext den Einsatz von Multi-Enzym-Katalysen, welche die gleichzeitige Verwendung mehrerer Enzyme ermöglichen und entscheidend zur Effizienzsteigerung beitragen.
Ein herausragendes Beispiel dieser Forschung ist die Entwicklung einer künstlichen Enzymkaskade, die es ermöglicht, Pyruvat aus Glucose mit lediglich vier Enzymen herzustellen, verglichen mit der klassischen Glykolyse, bei der zehn Enzyme notwendig sind. Diese Effizienz hat das Potenzial, die Herstellung wichtiger chemischer Verbindungen erheblich zu optimieren und somit zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks beizutragen.
In der aktuellen Videoreihe „Wissen zum Greifen“ der Universität Greifswald erklärt Bornscheuer die weitreichenden Auswirkungen seiner Forschung auf Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt. Das erste Video dieser Reihe mit seinen Erkenntnissen ist bereits auf den Kanälen der Universität verfügbar und bietet einen faszinierenden Einblick in die Zukunft der nachhaltigen Chemie.
