Am 10. Juni 2026 nahm die HafenCity Universität (HCU) Hamburg anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens eine zentrale Rolle im Diskurs über Wissenschaftsfreiheit und Hochschulautonomie ein. Der Präsident der HCU, Jörg Müller-Lietzkow, hielt eine eindringliche Rede, die die Errungenschaften der Universität reflektierte und gleichzeitig auf die Herausforderungen hinwies, vor denen die Wissenschaft weltweit steht. Diese Rede fand vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen in den USA statt, wo politische Rahmenbedingungen möglicherweise die Wissenschaftsförderung erheblich beeinflussen könnten. Müller-Lietzkow forderte vehement den Schutz der Hochschulautonomie und Wissenschaftsfreiheit in Deutschland, um die Integrität des akademischen Schaffens zu wahren.
Die Gründung der HCU im Jahr 2005 wurde von vier zentralen Aufgaben geprägt: der Ausbildung von Studierenden durch hochwertige Bachelor- und Masterstudiengänge, der Durchführung interdisziplinärer Forschung und Entwicklung, der Etablierung von Transferangeboten für die Gesellschaft sowie der Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit auf internationalem Niveau. Diese Zielsetzungen hat die HCU in den vergangenen 20 Jahren nicht nur erreicht, sondern auch übertroffen, was sich in den heute angebotenen sechs Bachelor- und sechs Masterstudiengängen sowie in der beeindruckenden Zahl von über 680 Studierenden widerspiegelt.
Wissenschaftsfreiheit und ihre Grenzen
In seiner Rede betonte Müller-Lietzkow, dass Wissenschaftsfreiheit eine fundamentale Voraussetzung für die Schaffung von neuem Wissen ist. Dies wird durch den Kodex der Wissenschaftsfreiheit der Universität Hamburg untermauert, der festhält, dass die Freiheit der Wissenschaft in bestimmte Grenzen gefasst werden muss. Diese Grenzen sind erforderlich, um die Rechte der Mitglieder der Universität und externer Dritter zu respektieren. Einsichten aus der verfassungsrechtlichen Perspektive verdeutlichen, dass die Wissenschaftsfreiheit nicht vor anderen Grundrechten, wie dem Recht auf Gesundheit, steht. Daher müssen Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit klar und differenziert gerechtfertigt werden, wobei ein Dialog innerhalb der Universität gefördert wird, um Konflikte zu lösen und die ambitionierten Ziele der Universität zu verwirklichen.
Laut dem Kodex ist es wichtig, dass alle Mitglieder der Universität, einschließlich Studierender, an wissenschaftlichen Diskursen und Veranstaltungen aktiv teilnehmen. Diese Teilnahme fördert nicht nur das Verständnis von Wissenschaft, sondern fördert auch das Engagement der Studierenden im akademischen Leben und in der Gesellschaft. Einschränkungen müssen auf ein unvermeidbares Minimum beschränkt werden, und die Universität sollte das Konzept des Diskurses als ein zentrales Element ihrer gemeinsamen Unternehmungen nutzen.
Erfolge und Herausforderungen
Die HCU hat seit 2019 über 60 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben, was einer Drittmittelquote von 56 % entspricht. Diese Erfolge wurden nicht zuletzt durch die aktive Beteiligung der HCU an nationalen und internationalen Forschungsprojekten, darunter das Exzellenzcluster CLICCS, gefördert. Müller-Lietzkow hob die kontinuierlichen Bemühungen hervor, die HCU in einem sich schnell verändernden wissenschaftlichen Umfeld zu positionieren, insbesondere in Bereichen wie Künstliche Intelligenz und der Mobilität der Zukunft.
Abschließend gratulierte Müller-Lietzkow der HCU zum 20. Geburtstag und rief alle Mitglieder der Universität auf, weiterhin an der Entwicklung der HCU mitzuwirken, um optimale Rahmenbedingungen für die Studierenden zu schaffen und die Bedeutung der Wissenschaftsfreiheit stets im Auge zu behalten. Diese Feier war nicht nur ein Rückblick auf zwei Jahrzehnte erfolgreicher Bildung und Forschung, sondern auch ein Aufruf zur aktiven Mitgestaltung der Zukunft.
Die HCU hat sich in der nationalen Wissenschaftslandschaft etabliert und sollte als positives Beispiel für andere Hochschulen gelten, wie erreicht werden kann, was in ihrem Leitbild festgehalten ist. Wissenschaftsfreiheit ist und bleibt ein zentrales Gut in der demokratischen Gesellschaft und darf nicht gefährdet werden.