Im neuen Kunstlager von Hasenkamp in Mörfelden-Walldorf stehen Dinge, bei denen man unwillkürlich langsamer geht. Eine meterhohe, vermutlich tonnenschwere Skulptur etwa. Zerlegte Werke eines international bekannten Kunstaktivisten. Daneben reihen sich zahlreiche Holzkisten aneinander. Thomas Schneider, geschäftsführender Gesellschafter der Spedition, führt durch das fünfstöckige Depot in einer Industriehalle.

Erst drei Wochen zuvor war das Kunstdepot von Kelsterbach hierher umgezogen – samt Tausenden Werken. Das Familienunternehmen Hasenkamp wurde 1903 gegründet und wird heute in fünfter Generation von Schneider geführt. Die Spedition ist auf Projektlogistik spezialisiert: auf individuelle, wertvolle Gegenstände, auf Hightechprodukte, besondere Besitztümer und Kunstwerke. Zu den transportierten Objekten gehörten laut Schneider die Maske des Tutanchamun, die Terrakotta-Armee, Gutenbergs Buchpresse, eine romanische Bronzetür aus dem Hildesheimer Dom und Hunderte Gemälde bekannter Künstler.

Ein Lager für Dinge, die nicht einfach ersetzt werden können

Niederlassungsleiter Daniel Koch nennt den Neubau hochmodern ausgerüstet und stark gesichert. Über die Werte der eingelagerten Objekte sprechen Koch und Schneider nicht. Das passt zu einem Grundsatz, den Koch für die Kunstlogistik formuliert: Kunst sei unwiederbringlich und müsse deshalb besonders behandelt werden.

Rund 12.000 Quadratmeter Lagerfläche gibt es am neuen Standort, knapp 50 Mitarbeiter arbeiten dort. Das Rhein-Main-Gebiet ist für Hasenkamp wegen der Nähe zum Frankfurter Flughafen und der regionalen Museumslandschaft wichtig. Kunstwerke internationaler Museen lagern hier zeitweise, bevor sie beispielsweise im Städel-Museum oder in der Schirn-Kunsthalle ausgestellt werden.

Der Service reicht „von Nagel zu Nagel“. Mitarbeiter hängen Bilder ab oder zerlegen Objekte, sichern und transportieren sie und bauen sie am Zielort wieder auf. Weltweit beschäftigt Hasenkamp rund 1.000 Mitarbeiter an 40 Standorten. Viele Spediteure sind Handwerker, denn für den Auf- und Abbau braucht es spezielle Fachkenntnisse – mit einem Hubwagen allein ist es nicht getan.

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Für die Transporte werden Kisten aus stabilem und leichtem Kiri-Holz verwendet. Eine Isolationsschicht schützt vor Erschütterungen, anpassbare Fixierrahmen halten die Werke an ihrem Platz. Dazu kommen Kantenschutz, Schaumstoff und Vakuumkissen. Bei kleineren Objekten setzt Hasenkamp säurearme, plastikfreie Gurte und Schaumstoffpolster ein.

Wenn das Dach geöffnet werden muss

Bei großen Werken führt der Weg manchmal über ungewöhnliche Umwege. Für große Gemälde von Gerhard Richter wurde bereits das Dach eines Gebäudes geöffnet. 2024 brachte Hasenkamp den 2,5 Tonnen schweren „Musengaul“ von Jürgen Goertz aus dem Heidelberger Schlossgarten zurück in den Schlosspark Angelbachtal.

Das knapp 6,5 Meter hohe und 5 Meter lange Werk wurde mit einem Kran über ein historisches Tor und Bäume gehoben, anschließend zerlegt und auf einem Tieflader transportiert. Bei früheren Einsätzen kamen auch Hubschrauber zum Einsatz. Im Lager selbst sollen konstant etwa 20 Grad Celsius und 55 Prozent Luftfeuchtigkeit herrschen. Die Spezialkisten halten zusätzlich ein stabiles Klima und schützen vor Temperaturschwankungen.

Für Wärme und Kälte der Depotflächen sorgt eine Geothermieanlage, Strom liefert eine Photovoltaikanlage. Ganz oben liegt ein Showroom, in dem Künstler ihre Werke potenziellen Käufern zeigen können. Viel Ablenkung gibt es dort nicht: eine Staffelei, mehrere Lampen und zwei Feuerlöscher.

Planung, Zustandsberichte und Sicherheitskontrollen

Zu den Kunden zählen Museen, Galerien, Unternehmen, Privatsammler und Künstler. Unter den Unternehmenskunden sind mehrere Frankfurter Banken, darunter die DZ Bank. Hinter einem solchen Auftrag stehen Projektkoordinatoren, die individuelle Anforderungen aufnehmen, Projektteams zusammenstellen und die Abläufe detailliert steuern.

Speziell geschulte Kunstpacker übernehmen den fachgerechten Auf- und Abbau sowie die konservatorisch geeignete Verpackung der Exponate. Bei besonders anspruchsvollen Transporten kann das Team „Logistics & Engineering Solutions“ den gesamten Projektablauf individuell planen und begleiten.

Restauratoren prüfen die Kunstwerke vor dem Transport und erstellen detaillierte Zustandsberichte, sogenannte Condition Reports. Wird eine Restaurierung gewünscht, vermittelt Hasenkamp freischaffende Restauratoren aus einem bestehenden Netzwerk. Luftsicherheitskontrollpersonen, die vom Luftfahrt-Bundesamt geschult sind, prüfen und verpacken Kunstobjekte direkt im Museum oder Lager. Dadurch entfallen zusätzliche Sicherheitskontrollen und Transportvorgänge am Flughafen.

Ein Markt mit vielen Spezialisten

Hasenkamp steht dabei in einem Kunstlogistikmarkt, in dem auch DSV Dienstleistungen für Museen, Galerien, Sammler und andere Kunden anbietet. Dazu gehören Projektmanagement, die Installation von Kunstwerken, Sicherheitsservice, klimatisierte Lagerung, Bestandsmanagement, Lufttransporte – gegebenenfalls mit Kurierbegleitung –, Versicherungslösungen und Zollabwicklung.

DSV setzt auf hochqualifiziertes Personal, Sicherheitskonzepte und die Zusammenarbeit mit Ausstellungsleitungen, Restauratoren und Kuratoren. Der Anspruch: Kunst soll sicher, schonend und termingerecht ankommen. Der Galerieservice unterstützt weltweit zeitkritische Messe- und Ausstellungstransporte, unter anderem zwischen Berlin, Basel, Miami und Hongkong. Als Qualitätsstandards werden DIN EN 15946 und DIN EN 16648 genannt.

Für die jeweiligen Objekte fertigt DSV maßgeschneiderte Verpackungen an: Transportrahmen, Transportkoffer, Bilder- und Objektkisten sowie individuell angefertigte Klimakisten, mit oder ohne Schwingungsdämpfung. Kisten, Koffer und Rollcontainer können für Ausstellungen, Messen und Leihverkehre gemietet werden. Zum weiteren Angebot zählen Messelogistik, Spezialtransporte, Umzugslogistik sowie Sport- und Eventlogistik. Für DSV Fairs & Events werden außerdem Allgemeine Geschäftsbedingungen genannt.

Im Hasenkamp-Depot in Mörfelden-Walldorf bleibt derweil alles möglichst ruhig: gedämpfte Bewegungen, kontrollierte Luft, schwere Kisten. Und irgendwo wartet schon das nächste Werk auf seinen Auftritt im Museum.

Quelle 1: Frankfurter Allgemeine Zeitung
Quelle 2: Hasenkamp Kunstlogistik
Quelle 3: DSV Kunstlogistik
Stand: 23.10.2026, Uni Frankfurt