In der Alten Hopfenpost an der Seidlstraße ist ein neuer Münchner Ausbildungsort für angehende Ärztinnen und Ärzte gestartet. Die staatlich anerkannte private HMU Health and Medical University hat dort gemeinsam mit den Helios-Kliniken einen Campus für Humanmedizin eröffnet. Zum Wintersemester 2026 haben 275 Studierende ihr Studium begonnen – ohne Numerus clausus und mit dem Ziel Staatsexamen.

Für viele dürfte das zunächst wie eine ziemlich große Tür wirken, die plötzlich aufgeht: An staatlichen Universitäten liegt der NC für Humanmedizin laut der herangezogenen Übersicht meist bei etwa 1,0 bis 1,2. Selbst mit sehr guter Abiturnote können mehrere Wartesemester dazukommen. An privaten Medical Schools läuft die Bewerbung dagegen direkt über die Hochschule, nicht über Hochschulstart. Die HMU-Chefin Ilona Renken-Olthoff und Helios-Chef Christian Pawlu sind an der Ausbildung der Studierenden beteiligt. Pawlu verbindet mit dem Münchner Projekt noch mehr: Die Helios-Standorte im Münchner Raum sollen sich zu einem universitären Campus entwickeln.

Medizin, Psychologie und Fußballtraining unter einem Dach

Der neue Campus beschränkt sich nicht auf Humanmedizin. Angeboten werden außerdem Studiengänge in Psychologie, Psychotherapie, Sportwissenschaften und Fußballtraining. Im privaten Hochschulbereich ist das Spektrum ohnehin breit: Insgesamt werden im Fachbereich Medizin 56 Studiengänge geführt. Dazu gehören etwa Zahnmedizin, Physician Assistance, Biomedizin, Medizinökonomie, Medizininformatik, Medizintechnik, Naturheilkunde und Digital Health.

Die Ausbildung an der HMU führt beim Medizinstudium zum Staatsexamen und damit zur Approbation. Private Hochschulen werden in der Übersicht als staatlich anerkannt und akkreditiert bezeichnet; ihr Staatsexamen soll dem Abschluss staatlicher Universitäten entsprechen und zur gleichen Approbation führen. Humanmedizin wird an privaten Hochschulen in Deutschland auf Deutsch unterrichtet. Für englischsprachige Programme verweist die Übersicht auf den UMCH beziehungsweise internationale Angebote.

Der Weg hinein ist trotzdem kein Spaziergang. Auswahlgespräche oder strukturierte Interviews sollen Motivation und Persönlichkeit prüfen, dazu kommen je nach Hochschule naturwissenschaftliche Eignungstests, teils nach dem Muster des HAM-NAT. Pflegepraktikum, FSJ, BFD oder eine Ausbildung im Gesundheitswesen können ebenfalls zählen. Die Abiturnote bleibt relevant, entscheidet aber nicht allein; auch Bewerbungen mit 2,0 bis 3,0 werden als möglich genannt. Die Fristen liegen meist im Frühjahr für das Sommersemester und im Sommer für das Wintersemester. Parallelbewerbungen an mehreren privaten Hochschulen sind möglich.

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Kein NC, aber eine große Rechnung

Der Haken, nüchtern gesagt: Private Medizin kostet. Für Humanmedizin reichen die genannten Gesamtkosten von 62.880 bis 125.000 Euro. Die konkreten Angaben unterscheiden sich je nach Hochschule und Übersicht. An der Universität Witten/Herdecke werden zwölf Semester mit ab 76.800 Euro genannt, in der Gebührenvergleichstabelle jedoch 62.880 Euro. Die MHB Theodor Fontane erscheint einmal mit ab 118.000 Euro, an anderer Stelle mit 125.000 Euro. Die Medical School Hamburg kommt auf insgesamt 93.600 Euro, die Medical School Berlin auf 93.000 Euro. Für die Health and Medical University werden 94.500 Euro bei zwölf Semestern genannt, für die HMU Erfurt 90.000 Euro bei 13 Semestern.

Hochschule Kosten und Modell
Universität Witten/Herdecke, Witten 62.880 Euro, zwölf Semester, umgekehrter Generationenvertrag
HMU Erfurt 90.000 Euro, 13 Semester, Selbstzahlung mit 1.500 Euro monatlich
MSB Berlin 93.000 Euro, zwölf Semester, Selbstzahlung; im Praktischen Jahr 300 Euro monatlich
HMU Potsdam 94.500 Euro, zwölf Semester, Selbstzahlung mit 1.500 Euro monatlich
MSH Hamburg 94.500 Euro, zwölf Semester, Selbstzahlung mit 1.500 Euro monatlich
MHB Theodor Fontane, Neuruppin 125.000 Euro, zwölf Semester, Klinikstipendium beziehungsweise nachgelagerte Finanzierung

Beim umgekehrten Generationenvertrag werden während des Studiums keine Gebühren fällig. Zurückgezahlt wird nach dem Berufseinstieg, einkommensabhängig über zehn Jahre. Beim Klinikstipendium der MHB können Partnerkliniken bis zu 80.000 Euro übernehmen; dafür ist anschließend eine mehrjährige Arbeitspflicht vorgesehen, häufig in ländlichen Regionen. Wer selbst zahlt oder einen Kredit aufnimmt, muss mit monatlichen Raten von etwa 1.500 bis 2.190 Euro rechnen.

Als weitere Möglichkeiten werden der KfW-Studienkredit mit maximal 650 Euro im Monat, Bildungsfonds und Eigenmittel genannt. BAföG deckt laut der Übersicht maximal 992 Euro monatlich. Die Gebühren sollen sich je nach Hochschule nach etwa drei bis acht Jahren amortisieren. Das klingt auf dem Papier ordentlich, fühlt sich auf dem Konto aber vermutlich erstmal weniger ordentlich an.

Was auf das Staatsexamen folgt

Humanmedizin dauert zwölf bis 13 Semester, also sechs bis sechseinhalb Jahre. Als Einstiegsgehalt werden etwa 5.200 Euro brutto im Monat für Assistenzärztinnen und Assistenzärzte genannt. Nach rund fünf Jahren liegen sie laut den Gehaltsangaben bei 5.900 Euro, in der Endstufe bei 6.600 Euro. Fachärzte starten mit 6.800 Euro und können bis 8.500 Euro erreichen, Oberärzte mit 8.100 bis 9.100 Euro. Chefärzte verdienen außertariflich etwa 12.000 bis 25.000 Euro oder mehr. Universitätskliniken zahlen nach TV-Ärzte/TdL laut der Übersicht etwas höhere Gehälter.

Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte erzielen durchschnittlich 180.000 bis 220.000 Euro brutto jährlich – abhängig von Fachrichtung und Praxisform. Für Assistenzärzte nennt der Artikel etwa 1.400 Euro monatlichen Mehrverdienst gegenüber durchschnittlichen Akademikern. Danach folgt meist die Facharztausbildung, die ungefähr fünf bis sechs Jahre dauert.

Wer schneller in den klinischen Alltag möchte, stößt auf Physician Assistance. Der Bachelor of Science dauert sechs bis acht Semester, also drei bis vier Jahre, und kostet etwa 17.640 bis 30.000 Euro. Das Einstiegsgehalt wird mit ungefähr 3.500 bis 4.500 Euro brutto monatlich angegeben. Physician Assistants arbeiten als Arztassistenz mit eigenem Aufgabenbereich und übernehmen delegierte ärztliche Tätigkeiten, haben aber keine Approbation. Möglich sind später ein Masterstudium oder gegebenenfalls ein Brückenstudium Medizin.

Daneben beginnen gesundheitswissenschaftliche Bachelorstudiengänge laut Übersicht ab 137 Euro im Monat. Genannt werden Medizinalfachberufe ab 8.920 Euro beziehungsweise 137 Euro monatlich, Naturheilkunde und komplementäre Heilverfahren ab 8.139 Euro beziehungsweise 167 Euro monatlich, Medizinische Informatik ab 14.193 Euro beziehungsweise 378 Euro monatlich, Medizintechnik ab 15.063 Euro beziehungsweise 249 Euro monatlich, Medizinökonomie und Digitales Management ab 14.364 Euro beziehungsweise 399 Euro monatlich, Rettungswissenschaften ab 16.200 Euro beziehungsweise 450 Euro monatlich sowie Digital Health ab 16.680 Euro beziehungsweise 435 Euro monatlich.

Auch bei der Zahnmedizin gehen die Summen weit auseinander: Die Universität Witten/Herdecke nennt für zehn Semester ab 110.400 Euro, im Gebührenvergleich stehen 101.280 Euro mit Generationenvertrag. Bei der MHB werden elf Semester und 132.000 Euro angegeben, bei der HMU Erfurt elf Semester und 144.540 Euro, ab 2.190 Euro monatlich.

Vom Blockwochenende bis zur Klinik

In der Übersicht sind 24 Vollzeitstudiengänge aufgeführt, darunter alle Human- und Zahnmedizin-Staatsexamen sowie viele Bachelorprogramme in Physician Assistance. Berufsbegleitend gibt es 19 Studiengänge, besonders Masterprogramme mit Blockwochenenden oder Abendveranstaltungen. Sieben Studiengänge werden als Fernstudium genannt, darunter Medizinalfachberufe, Medizinische Informatik und Medizintechnik. Drei Angebote sind dual, unter anderem Physician Assistance und Dentalhygiene; Arbeitgeber übernehmen dabei häufig die Studiengebühren.

Die Präsenzstandorte umfassen Berlin, Hamburg, Potsdam, Witten, Neuruppin, Erfurt, Düsseldorf, Köln und Heidelberg