Am 12. Mai 2026 wurde in Berlin die Alexander von Humboldt-Professur an sieben internationale Top-Forschende verliehen, unter ihnen die Bioingenieurin Sahika Inal. Die Auszeichnung wurde von Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, sowie Robert Schlögl, Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, überreicht. Sahika Inal wird ihre Forschung an der Technischen Universität Dresden (TUD) und dem Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden (IPF) fortsetzen. Diese Professur ist der höchstdotierte Forschungspreis Deutschlands, ausgestattet mit bis zu fünf Millionen Euro für experimentelle und dreieinhalb Millionen Euro für theoretisch arbeitende Wissenschaftler:innen.
Sahika Inal bringt eine Expertise mit, die in der Fachwelt hochgeschätzt wird. Prof. Angela Rösen-Wolff von der TUD hebt hervor, wie relevant Inals Kenntnisse im Bereich bioelektronischer Systeme sind, während Prof. Carsten Werner, Wissenschaftlicher Direktor des IPF, das große Translationspotenzial ihrer Forschung betont. Inal selbst ist seit 2021 Associate Professor für Bioingenieurwesen an der King Abdullah University of Science and Technology (KAUST) in Saudi-Arabien, nachdem sie an der Istanbul Technical University studiert und einen Master in Polymer Science in Berlin und Potsdam abgeschlossen hat.
Forschungsansatz und Anwendungsgebiete
Inal arbeitet an der Schnittstelle von Materialwissenschaft, Biologie und Elektronik, und entwickelt Materialien sowie Bauteile, die mit dem menschlichen Körper kommunizieren können. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Biosensoren, die mit Körperflüssigkeiten wie Blut oder Schweiß interagieren. Diese vielseitigen Biosensoren haben das Potenzial, kleinste gesundheitliche Veränderungen im Körper zu erfassen und somit frühe Warnsignale für Krankheiten zu liefern. Diese Innovationen könnten wesentliche Veränderungen im Gesundheitswesen mit sich bringen.
Ein zentrales Element ihrer Forschung sind organische elektrochemische Transistoren, die in der Lage sind, auf biologische Signale zu reagieren. Die in Echtzeit messenden Technologien ermöglichen eine neuartige Analyse von Körperprozessen. Inal zeigt sich offen für zahlreiche Möglichkeiten, darunter:
- Frühere Diagnosen durch frühzeitige Erkennung von Krankheiten.
- Die Entwicklung von Wearables, wie intelligente Pflaster oder spezielle Kleidung zur kontinuierlichen Gesundheitsdatenerfassung.
- Verbesserte Prothesen, die Körpersignale besser verstehen und natürlicher darauf reagieren.
- Individuelle Therapien mit gezieltem und in Echtzeit anpassbarem Medikationseinsatz.
Langfristig verfolgt Inal das Ziel, ein führendes Zentrum für bioelektronische Materialien und Geräte in Sachsen aufzubauen, um die gesundheitsorientierte Technologie im Alltag weiter zu integrieren. Ihre Aussicht auf die Bioelektronik ist optimistisch, da diese als Schlüsseltechnologie an der Schnittstelle zwischen Medizin und Digitalisierung betrachtet wird.
Mit ihrer herausragenden Laufbahn, die eine Promotion in Experimentalphysik und eine zwischenstaatliche Karriere in den USA und Europa umfasst, zeigt Sahika Inal eine beeindruckende Forschungsleistung, die bereits durch Auszeichnungen wie die Beilby Medal and Prize gewürdigt wurde. Zudem wurde sie 2022 zum PMSE Young Investigators Symposium der American Chemical Society (ACS) eingeladen. Schließlich wurde sie sogar für eine Kavli Lecture im Jahr 2025 ausgewählt.
Insgesamt ist die Redaktion der TUD überzeugt, dass Inals Arbeit nicht nur der Universität, sondern auch der Wissenschaftslandschaft in Deutschland insgesamt zugutekommen wird. Ihre Forschung könnte, wie Prof. Rösen-Wolff und Prof. Werner unterstreichen, einen substantiellen Einfluss auf die Zukunft der Gesundheitsdiagnostik und -therapie haben.