Hochschulsport ohne Handy: Wie Bewegung den Studienalltag verändert
Wer am Morgen gemeinsam in Bewegung kommen will, muss nicht gleich den Marathon vor Augen haben. Der Hochschulsport der Universität Paderborn setzt zum Semesterbeginn auf niedrigschwellige Sport- und Begegnungsformate – mit Kaffee, Musik und einer klaren Ansage: Das Handy bleibt draußen.
Bei „Breakfast Beats“ treffen sich Studierende an der Warburger Straße 100 in Paderborn von 08:00 bis 09:30 Uhr. Die 90-minütige Veranstaltung ist alkoholfrei und soll ohne Mobiltelefone besucht werden. Der Eintritt ist frei, Kaffee, Tee und belegte Brötchen gibt es ebenfalls. Eine kostenlose Anmeldung wird empfohlen. Bewegung und gegenseitiges Kennenlernen sollen dabei schon früh am Tag zusammenfinden – bevor der Vorlesungsmarathon richtig losgeht.
Sport im Hörsaal und Frühstück ohne Bildschirm
Wer lieber später startet, kann bei „Fitness in G“ im Hörsaal G drei jeweils 30-minütige Einheiten ausprobieren. Von 16:30–17:00 Uhr steht Zumba auf dem Programm. Nach einer kurzen Pause folgen von 17:15–17:45 Uhr hochintensives Intervalltraining und Tabata. Den Abschluss bildet von 18:00–18:30 Uhr Yoga. Erst Puls hoch, dann wieder runter – klingt nach einem ziemlich vernünftigen Plan.
Organisiert wird „Breakfast Beats“ vom Hochschulsport, dem Studentischen Gesundheitsmanagement und dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement. Das Format reiht sich in eine bundesweite Entwicklung ein, bei der Hochschulen Bewegung nicht nur als Freizeitangebot verstehen.
In Heidelberg unterstützt die Pädagogische Hochschule einen Aufruf des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbands für Demokratie, Vielfalt und Weltoffenheit. Übungsleitende bekannten sich dort zu Respekt, Fairness und Solidarität. In Hannover wiederum bietet das Zentrum für Hochschulsport der Leibniz Universität im Wintersemester 2026/2027 rund 100 Sportarten an. Vom 12. bis 18. Oktober 2026 können Kurse im Rahmen einer Einführungswoche ohne Anmeldung und kostenlos ausprobiert werden.
Neue Namen, neue Kurse, feste Fristen
Auch an der Universität Kassel hat sich etwas verändert: Der Allgemeine Hochschulsport wurde im September 2026 in „UNI:Sport“ umbenannt. Dahinter stehen vereinfachte interne Abläufe und digital leichter buchbare Kurse.
Für Studierende der Technischen Hochschule Mittelhessen ist der Kalender ebenfalls eng getaktet. Das Kursprogramm für das Wintersemester 2026/2027 wurde am 28. September 2026 veröffentlicht, die Anmeldung begann am 5. Oktober 2026 ab 09:00 Uhr. Die Sport- und Gesundheitskurse starten am 19. Oktober 2026 und laufen bis zum 5. Februar 2027. Anmeldeschluss ist jeweils vier Werktage vor Kursbeginn. Erst dann wird anhand der Anmeldezahlen entschieden, ob der jeweilige Kurs stattfindet.
Eine Pause legt das Sportprogramm vom 23. Dezember 2026 bis zum 12. Januar 2027 ein. Wer an einem Online-Kurs teilnehmen möchte, erhält die Zugangsdaten nach der Anmeldung über die Homepage mit der Anmeldebestätigung. Die Teilnahme an den Angeboten ist nur nach vorheriger Anmeldung möglich. Bei Fragen helfen die Anmelde- und Teilnahmebedingungen sowie die Kontaktmöglichkeiten per E-Mail oder Telefon weiter.
Bewegung wird zum politischen Thema
Wie sehr das Thema inzwischen über einzelne Kurspläne hinausreicht, zeigte ein Parlamentarisches Frühstück am 6. Oktober 2026 in Berlin. Dort wurde über bessere Rahmenbedingungen für Bewegung beraten. Eine im April 2026 von YouGov im Auftrag der „Apotheken Umschau“ durchgeführte Befragung von 1.044 Personen ergab, dass drei von vier Befragten politische Maßnahmen für mehr Bewegung wünschen. 72,7 Prozent befürworten außerdem eine tägliche Sportstunde an Schulen.
Die Bundestagsabgeordnete Dr. Ophelia Nick sprach sich für bewegungsfreundliche öffentliche Räume aus. Markus Müller aus dem Vorstand der VIACTIV Krankenkasse bezeichnete Bewegungsförderung als gemeinsame Aufgabe von Gesundheitswesen, Politik und Gesellschaft. Das klingt groß – landet am Ende aber oft bei ganz konkreten Dingen: erreichbaren Sportplätzen, offenen Kursen und Angeboten, bei denen man nicht erst hundert Formulare ausfüllen muss.
Der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband und seine Mitgliedshochschulen messen „Sport und Gesundheit“ seit Langem hohe Bedeutung bei. Sie verfügen über Erfahrung in zielgruppenspezifischer Gesundheitsförderung und Prävention. Durch die Verabschiedung der Bundesrahmenempfehlung der Präventionskonferenz gewinnt das Feld zusätzlich an Gewicht: Die Empfehlung nennt das Handlungsfeld Hochschule und den Hochschulsport ausdrücklich als zu beteiligende Organisation.
Hochschulen und Hochschulsport sollen durch Bewegungsangebote die Gesundheit junger Erwachsener nachhaltig fördern und sichern. Der adh unterstützt seine Mitglieder dabei und arbeitet eng mit seinem Gesundheitspartner Die Techniker zusammen, insbesondere im Rahmen der gemeinsamen Initiative „Bewegt studieren“. Außerdem ist der Verband gesundheitspolitisch vernetzt und kooperiert unter anderem mit dem Bundesministerium für Gesundheit sowie der Bundesvereinigung für Prävention und Gesundheitsförderung.
Gemeinsam mit dem Arbeitskreis Gesundheitsfördernde Hochschulen setzt sich der adh dafür ein, die gesundheitsfördernden Potenziale der Lebenswelt Hochschule zu stärken. Und manchmal beginnt das eben nicht mit einem komplizierten Konzept, sondern mit einer Matte im Hörsaal, einem belegten Brötchen und 90 Minuten ohne Handy.
