Inklusion im Fokus: Vechtaer Institut beleuchtet Vielfalt in der Bildung!
Am 26. Juni 2026 fanden an der Universität Vechta die „Aktionstage Inklusion“ des Vechtaer Instituts für Inklusion (BERGVINK) statt. Diese Veranstaltung beschäftigte sich intensiv mit dem Umgang von Vielfalt in schulischen Kontexten und der Notwendigkeit, neue Formen der Inklusion zu finden, ohne dass es zu einer neuen Ausgrenzung durch Etikettierungen kommt. Die Eröffnung der Veranstaltung wurde von einer Keynote der ehemaligen Juniorprofessorin für Religionspädagogik, Professorin Dr. Britta Baumert, eingeleitet. Sie ist nicht nur Gründungsmitglied des BERGVINK, sondern kehrte auch an ihre alte Wirkungsstätte zurück und sprach über die Widersprüche, die in der schulischen Inklusionspraxis existieren.
Die Diskussion drehte sich um die unterschiedliche Wahrnehmung von Inklusion. Während Vielfalt in der Gesellschaft oft als Normalität angesehen wird, fokussiert der schulische Heterogenitätsdiskurs häufig auf Abweichungen von Normen. Ein defizitorientierter Blick im Bildungssystem führt unweigerlich zu Stigmatisierung und Kategorisierung von Schülern. Lehrkräfte, so Baumert, gewöhnen sich oft an solche Kategorisierungen, die nicht immer pädagogisch notwendig sind.
Inklusion als dynamischer Prozess
Wissenschaftliche Erklärungsansätze für diese Probleme wurden durch das „trilemmatische Dreieck“ von Professorin Dr. Mai-Ahn Boger verdeutlicht. Sie betonte, dass Inklusion als kontinuierlicher Prozess verstanden werden muss, der Bewegung und Anpassung erfordert, anstatt als statischer Zielzustand zu gelten. Ein Schlüsselaspekt ist die Sensibilisierung angehender Lehrkräfte für Inklusionsmechanismen. An der Universität Vechta sind bereits spezielle Module zur Inklusion in die Lehramtsstudiengänge integriert.
Im Rahmen der Aktionstage wurden praxisnahe Konzepte wie das selbstorganisierte Lernen in „Lernbüros“ vorgestellt, eine Methode, die von der Don-Bosco-Schule Steinfeld entwickelt wurde. Zudem wurden innovative Ansätze behandelt, die digitale inklusive Schulbücher und den Einsatz Künstlicher Intelligenz in inklusiven Lernszenarien umfassen. Ein besonders aufschlussreicher Workshop thematisierte das „Universal Design for Learning“ (UDL), das auf die Gestaltung barrierefreier Lernumgebungen abzielt.
Universal Design for Learning
„Universal Design for Learning“ erfordert eine erhebliche Transformation im Bildungssektor. Es fördert einen Perspektivwechsel, bei dem Vielfalt als Normalität erkannt wird, während Barrieren in den Strukturen selbst liegen. Lernen muss von Beginn an barrierearm gestaltet werden, um echte Teilhabe zu ermöglichen. Laut der Lektüre von „The End of Average“ von Roses und „UDL Now!“ von Novak wird deutlich, dass UDL Rahmenbedingungen schafft, die individuelle Bildungsbedürfnisse berücksichtigen.
Dieses Konzept basiert auf neurowissenschaftlichen Erkenntnissen zu drei zentralen Netzwerken im Gehirn: dem affektiven, dem Wahrnehmungs- und dem strategischen Netzwerk. Es zielt darauf ab, die Barrieren präventiv zu umgehen, anstatt sie im Nachhinein zu kompensieren. CAST (Center for Applied Special Technology) hat drei Prinzipien für UDL abgeleitet, die Engagement, Repräsentation sowie Handlung und Ausdruck umfassen.
Technologische Unterstützung durch Künstliche Intelligenz
Ein bedeutendes Hilfsmittel im Umfeld des UDL-Konzepts ist LUDIA, ein KI-gestützter Chatbot, der Bildungsgestalter:innen unterstützt, UDL-orientierte Lernumgebungen zu planen. LUDIA funktioniert entlang eines vierstufigen Prozesses, der Tell, Tinker, Tweak und Transfer umfasst. Dieses mehrsprachige, kostenfreie Open-Access-Tool wurde kürzlich mit dem Anne Meyer UDL Design Award ausgezeichnet, was seine Relevanz und Effizienz in inklusiven Bildungssettings unterstreicht.
Die Teilnehmer der Aktionstage hatten auch die Möglichkeit, an studentischen „Gallery Walks“ teilzunehmen, auf denen digitale Werkzeuge und Inklusionskonzepte präsentiert wurden. Ein weiterer Aspekt der Veranstaltung war die Berücksichtigung der zunehmenden Diversität unter Studierenden. Studien des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) zeigen, dass die Zahl der Studierenden mit Beeinträchtigungen sowie mit beruflichen und familiären Verpflichtungen zunimmt. Auch internationale Studierende fallen unter diese wachsende Diversität.
Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, wird das Konzept des UDL als wegweisend angesehen. Es soll nicht nur den Zugang zu Bildung für eine größere Gruppe von Lernenden ermöglichen, sondern auch nachhaltige Lösungen bieten, um individuellen Bedürfnissen Rechnung zu tragen.
Zusammenfassend verdeutlicht die Veranstaltung an der Universität Vechta, wie wichtig es ist, Elemente der Inklusion aktiv zu gestalten und Barrieren in Bildungseinrichtungen zu erkennen und abzubauen. Die Impulse, die von den Aktionstagen ausgehen, können als wertvolle Schritte auf dem Weg zu einer inklusiveren Bildungslandschaft angesehen werden.
