Forschende aus Deutschland und Australien arbeiten intensiv an der Anpassung von Nutzpflanzen an die Herausforderungen des Klimawandels. Im Rahmen des internationalen Graduiertenkollegs „Accelerating Crop Genetic Gain“ (IRTG 2843), das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird, stehen innovative Methoden zur Verbesserung der Pflanzenzüchtung im Mittelpunkt. Ihre Tagung vom 1. bis 5. Juni 2026 an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) brachte über 80 Teilnehmende zusammen, darunter Wissenschaftler von der University of Queensland (UQ, Australien) und dem Julius Kühn-Institut. Ziel ist es, die landwirtschaftliche Produktion und die globale Ernährungssicherung in Zeiten des Klimawandels sicherzustellen. Uni Gießen berichtet, dass dazu neue Zuchtmethoden für Leguminosen, Sorghum-Hirse und andere Getreidearten entwickelt werden.
Ein zentraler Aspekt ist das Prebreeding, das das Einkreuzen von genetischem Material aus Wildarten oder alten Sorten umfasst, um die Zuchtlinien zu verbessern. Der Einsatz moderner Technologien wie Genomsequenzierung, digitalem Phänotypisieren, künstlicher Intelligenz und Gene Editing wird als entscheidend angesehen, um den Anforderungen des Klimawandels gerecht zu werden.
Anpassungsstrategien in der Landwirtschaft
Angesichts zunehmender Herausforderungen durch den Klimawandel, wie Hitze, Dürre und Starkregen, müssen landwirtschaftliche Betriebe ihre Produktion anpassen. Landwirtschaft.de hebt hervor, dass robuste Sorten, vielfältige Fruchtfolgen und der Anbau neuer Kulturen entscheidend sind. Techniken wie Bewässerung und Dränung helfen dabei, die Risiken von extremen Wetterlagen zu verringern.
Feldversuche und Sortentests an landwirtschaftlichen Versuchsstationen der JLU in Rauischholzhausen und Groß-Gerau, einschließlich des Hybridzüchtungsprogramms für Sorghum, sind Teil dieser Anpassungsstrategie. Die DroughtSpotter XXL Anlage in Rauischholzhausen dient der hochpräzisen Messung von Pflanzen unter Trockenstress, um genetische Veränderungen evaluieren zu können.
Förderung und Unterstützung
Prof. Dr. Wencke Gwozdz, Vizepräsidentin der JLU, betont die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit zur Förderung von Nachwuchswissenschaftlern und der Entwicklung innovativer Lösungen. Seit der Gründung des Graduiertenkollegs im Jahr 2023 konnten bereits 16 Promovierende direkt finanziert werden, beinahe 60 weitere erhielten Kofinanzierung, und sieben haben erfolgreich ihre Promotion abgeschlossen.
Die Entwicklung klimaangepasster Sorten, wie zum Beispiel Sorghum, Sojabohnen und andere neue Kulturen, ist in vollem Gange. Zwischen 2016 und 2022 stieg die Soja-Anbaufläche in Deutschland signifikant von 15.800 auf 51.400 Hektar. Diese diversifizierten Anbaumethoden bieten nicht nur eine Möglichkeit, Risiken zu minimieren, sondern auch Chancen durch verlängerte Vegetationsperioden zu nutzen.
Technische Lösungen und staatliche Programme bieten den Betrieben Unterstützung in Form von finanziellen Beihilfen zur Existenzsicherung bei Ernteausfällen sowie Förderungen für Investitionen in moderne Anbautechniken und Diversifizierung. In der Tierhaltung sind angepasste Stalltechniken und Herdenmanagement entscheidend, um Hitzestress zu mindern und Produktionsverluste zu verhindern. Der Klimawandel birgt somit sowohl Herausforderungen als auch Chancen für die Landwirtschaft.