Am 8. Juni 2026 hat die Universität Potsdam einen innovativen Ansatz zur Unterstützung internationaler Studierender vorgestellt. Im Rahmen des neu eingeführten Campusbotschafter-Projekts werden studentische Ansprechpersonen eingesetzt, um internationalen Studierenden beim Ankommen in Deutschland zu helfen. Diese Botschafter sind selbst internationale Studierende oder haben Erfahrungen durch Auslandsstudien oder Praktika gesammelt.
Zu den Aufgaben der Campusbotschafter gehört es, Einblicke in Auslandsaufenthalte zu geben, an Veranstaltungen des International Office (IO) teilzunehmen und verschiedene Community-Aktivitäten zu organisieren. Dazu zählen unter anderem Spiele- und Sportangebote, Kochabende sowie kulturelle Treffen, die den sozialen Austausch fördern sollen.
Engagement von Studierenden
Ein herausragendes Beispiel ist Chelsea Monjoa, 23 Jahre alt und aus Kamerun. Sie studiert Biochemie und Molekularbiologie an der Universität Potsdam. Ihre Motivation, Campusbotschafterin zu werden, liegt darin, anderen Studierenden zu helfen. Chelsea plant ein „Away-from-Home-Event“, um über das Thema Heimweh zu sprechen und Unterstützung anzubieten.
Ein weiterer Campusbotschafter ist Anwar Alahmad, der 2017 aus Syrien nach Potsdam kam. Nach seinem Abitur studiert er Germanistik mit dem Schwerpunkt Deutsch als Fremdsprache. Anwar möchte mit einem Kochabend internationale und zukünftige Studierende zusammenbringen und Informationen über lokale Angebote bereitstellen. Seine Bewerbung als Campusbotschafter diente dem Ziel, anderen Studierenden den Einstieg in Potsdam zu erleichtern, was einen wichtigen Aspekt der Integration widerspiegelt.
Der Kontext und die Herausforderungen
Die Initiative in Potsdam fällt in einen breiteren Kontext der Integration internationaler Studierender in Deutschland. Laut der DAAD-Studie „Benchmark internationale Hochschule“ (BintHo), veröffentlicht im April 2023, wünschen sich etwa 40 % der einheimischen Studierenden mehr internationale Kommilitonen. Trotz des Rekordstandes von rund 360.000 internationalen Studierenden im Wintersemester 2022/23 zieht eine alarmierende Statistik die Aufmerksamkeit auf sich: Über 80 % der inländischen Studierenden führen nur selten Gespräche mit internationalen Studierenden.
Der Mangel an interkulturellem Austausch wird durch Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede weiterhin erschwert. Jan Bensien vom International Center der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hebt hervor, dass internationale Studierende oft Schwierigkeiten haben, Einheimische kennenzulernen. Daher ist es entscheidend, dass passende Programme und Initiativen etabliert werden, um den Austausch zu fördern.
Ein Beispiel für solch eine Initiative ist das studentische Projekt „kulturgrenzenlos“. Es schafft Freizeitangebote zur Integration, fördert Begegnungen außerhalb des Campus und ermöglicht somit einen interkulturellen Austausch. Auch an der Hochschule Koblenz gibt es Projekte wie „Sprichst du technisch?!“, das internationale und einheimische Studierende im Elektrotechnik-Labor zusammenbringt, um den Austausch durch praktische Arbeiten zu unterstützen.
Zusätzlich wurde an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg das Programm Orientierung PLUS ins Leben gerufen, welches inländische Studierende zu interkulturellen Begleitern ausbildet. Ein weiteres Beispiel ist das Projekt PIASTA an der Universität Hamburg, das rund 100 Veranstaltungen für den interkulturellen Austausch bietet. Solche Initiativen könnten entscheidend dazu beitragen, den Zusammenhalt zwischen internationalen und inländischen Studierenden zu stärken und das Studium in Deutschland für alle Beteiligten zu bereichern.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Campusbotschafter an der Universität Potsdam eine wichtige Rolle in der Unterstützung und Integration internationaler Studierender übernehmen, während sie gleichzeitig verdeutlichen, dass es auf breiterer Ebene weiterer Anstrengungen bedarf, um den interkulturellen Austausch in Deutschland zu fördern. Sowie beim International Center der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, wo man den Austausch zwischen Kulturen aktiv vorantreibt, oder bei der Durchführung gezielter Programme zur Förderung der interkulturellen Kompetenzen.
Die Herausforderungen, vor denen internationale Studierende stehen, sind vielfältig und erfordern ein integriertes Vorgehen aller Betroffenen. Zukünftige Initiativen sollten die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigen, um die internationalen Beziehungen innerhalb der Hochschullandschaft zu stärken.