Jana Dobelmann erforscht Viren und Parasiten in Bienenpopulationen an der Goethe-Universität Frankfurt
Am Institut für Bienenkunde der Goethe-Universität Frankfurt beginnt Jana Dobelmann am 1. Oktober 2026 als Professorin. Die 1992 geborene Wissenschaftlerin wurde auf die Professur für Evolutionäre Ökologie der Hymenopteren berufen. Ihr Blick richtet sich dabei nicht nur auf Honigbienen, sondern auch auf Wildbienen und andere Bestäuber – und auf die Viren, Parasiten und übrigen Krankheitserreger, die ihnen zusetzen können.
Bei der Eröffnung des neuen Institutsgebäudes in Oberursel, das von der Polytechnischen Gesellschaft finanziert wurde, unterzeichnete Dobelmann ihren Berufungsvertrag. Dabei waren Universitätspräsident Enrico Schleiff, Fachbereichsdekan Sven Klimpel und Volker Mosbrugger, Präsident der Polytechnischen Gesellschaft. Künftig arbeiten am Institut für Bienenkunde zwei Arbeitsgruppen.
Viren, Handel und eingeschleppte Arten
Dobelmann untersucht, wie Handel, Landnutzung, eingeschleppte und invasive Arten die Verbreitung von Viren und anderen Erregern beeinflussen. Dabei geht es um Übertragungswege innerhalb einzelner Arten ebenso wie um die Frage, was passiert, wenn verschiedene Bestäuberarten miteinander in Kontakt kommen. Auch das Zusammenspiel neuer Erreger, von Umweltveränderungen und dem Mikrobiom der Insekten gehört zu ihren Forschungsthemen.
Honigbienen, Hummeln und Solitärbienen dienen als Modellsysteme. Die Forschung verbindet Feld- und Laborstudien mit genomischen Methoden. Auf der Liste stehen unter anderem die Entdeckung neuer Viren in Wildbienen sowie die Populationsgenetik von Bienen und ihren Parasiten auf isolierten Inseln. Ziel ist, die Mechanismen hinter dem Auftreten von Krankheitserregern besser zu verstehen. Daraus sollen Erkenntnisse für den Artenschutz und das Management von Bienen entstehen.
Viele Bienenarten verlieren an Bestand. Lebensraumverlust, Klimawandel, intensive Landnutzung und Agrochemikalien setzen ihnen zu; wie diese Stressfaktoren mit Krankheitserregern zusammenspielen, ist bislang nicht ausreichend verstanden. Untersucht wird deshalb auch, wie sie die Beziehungen zwischen Wirten und Erregern sowie die Gesundheit und Vielfalt ganzer Bestäubergemeinschaften verändern.
Hymenopteren, zu denen die Bienen gehören, sind für Ökosysteme und die globale Nahrungssicherheit von Bedeutung. Die Professur ist deshalb doppelt verankert: am Institut für Ökologie, Evolution und Diversität des Fachbereichs Biowissenschaften und am Institut für Bienenkunde.
Von Münster über Wellington nach Ulm
Dobelmann studierte Biowissenschaften an der Universität Münster. An der Victoria University of Wellington in Neuseeland promovierte sie über die Wechselwirkungen zwischen invasiven Ameisen und Honigbienen. Später forschte sie als Postdoktorandin an der Universität Ulm zur Virusübertragung zwischen Honigbienen und wilden Hummeln. Der Ort ihrer früheren Forschung ist damit auch der Schauplatz dieser Meldung: Die Rahmendaten verorten ihn an der Uni Ulm.
Nach Einschätzung von Sven Klimpel erweitert Dobelmann die bisherige Bienenforschung um Wildbienenökologie und molekulare Epidemiologie. Ihre Arbeit ergänzt die langjährige Forschung zur Honigbiene. Das Institut soll als Standort für integrative Bestäuberforschung weiterentwickelt werden; Ergebnisse sollen stärker mit Landwirtschaft, Naturschutz und Imkerei verbunden werden.
Die W1-Tenure-Track-Professur gehört zur Strategie der Goethe-Universität, die Bienenforschung zu Biodiversität und Ökosystemgesundheit auszubauen. Geplant sind unter anderem Kooperationen mit den Senckenberg-Instituten, dem Institut für sozialökologische Forschung und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig.
Warum der Blick auf Wildbienen zählt
„Bienensterben“ meint vor allem den starken Rückgang von Insekten, insbesondere von Wildbienen. In Deutschland steht mehr als die Hälfte der rund 600 Wildbienenarten auf der Roten Liste. Die Honigbiene ist als Nutztier und als Art nicht vom Aussterben bedroht; Imker können Verluste teilweise ausgleichen. Die Krise trifft also vor allem Wildbienen und Insekten allgemein.
Wie stark der Rückgang ausfallen kann, zeigte die Krefeld-Studie von 2017: In deutschen Schutzgebieten sank die Insektenbiomasse innerhalb von rund 27 Jahren um mehr als 75 Prozent. Einzelne Zahlen der Studie werden diskutiert, der langfristige Rückgang gilt jedoch als eindeutig. Lebensraumverlust durch Versiegelung und strukturarme Landschaften, Pestizide, Monokulturen mit ihren Nahrungslücken, die Varroamilbe – besonders bei Honigbienen – und der Klimawandel wirken meist gemeinsam.
Wo Flächen versiegelt oder Landschaften eintönig werden, fehlen Blüten und Nistplätze. Das ist für Bestäuber kein kleines Ärgernis, sondern eine ziemlich direkte Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen. Bienen bestäuben Wild- und Nutzpflanzen; ihr Rückgang kann sinkende Ernten und einen Verlust an Artenvielfalt nach sich ziehen.
Blühpflanzen setzen, Nistplätze schaffen, auf Gift beziehungsweise Pestizide verzichten und regionale sowie biologische Produkte einkaufen: Das sind mögliche Schutzmaßnahmen. Der zugrunde liegende Beitrag zum Bienensterben trägt den Stand 2026 und wurde zuletzt im Juli 2026 aktualisiert.
