Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist seit dem 2. Oktober 2026 Exzellenz-Universität. Der neue Status gilt gemeinsam mit der Goethe-Universität Frankfurt und der TU Darmstadt im Verbund der Rhein-Main-Universitäten (RMU). Mainz ist damit der erste Exzellenzstandort in Rheinland-Pfalz.

Bekannt gegeben wurde die Entscheidung in Bonn von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD). Für die drei Hochschulen geht es dabei um mehr als einen Titel: Von 2027 bis 2033 können sie gemeinsam bis zu 28 Millionen Euro jährlich erhalten. Insgesamt sind fast 200 Millionen Euro vorgesehen.

Geld für Forschung – kein Siegel für jeden Studiengang

Eine Exzellenz-Universität bekommt zusätzliche Fördermittel für Spitzenforschung. Das Geld kann in neue Forschungsprojekte, Labore, Infrastruktur und die Gewinnung internationaler Wissenschaftler fließen. Zweckgebunden ist es für die strategische Weiterentwicklung und den Ausbau der internationalen Forschungsposition.

Ein allgemeines Qualitätssiegel für Studiengänge ist der Titel allerdings nicht. Sein Schwerpunkt liegt klar auf der Forschung. Trotzdem dürfte der Name international ziehen: Mehr Sichtbarkeit und Prestige sollen weitere Spitzenwissenschaftler sowie zusätzliche Forschungsmittel nach Mainz, Frankfurt und Darmstadt locken. Geplant sind neue Forschungsfelder, bessere Forschungsinfrastruktur und eine engere Zusammenarbeit mit Unternehmen und der Gesellschaft.

Universitätspräsident Georg Krausch dankte den Beteiligten und verwies auf das Engagement sowie die Zusammenarbeit der drei Universitäten. Für Studierende sollen moderne Lehr- und Forschungsinfrastrukturen entstehen – darunter Labore, Rechenressourcen und digitale Lernumgebungen. Wenn zusätzliche Spitzenforscher gewonnen werden, könnten auch neue Lehrformate und Programme möglich werden.

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Eine Allianz mit gemeinsamer Forschungsagenda

Die RMU hatte im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern einen gemeinsamen Antrag als Exzellenzverbund eingereicht. Sein Titel: „RMU-EXCITE – Excellent. Collaborative. Transformative.“ Die Allianz will sich zu einem international führenden Zentrum für Spitzenforschung entwickeln und wissenschaftliche wie gesellschaftliche Herausforderungen mit wegweisender Forschung bearbeiten.

Dahinter steht auch ein bestimmtes Verständnis von Wissenschaft. Die RMU bekennt sich zu einer Forschungskultur, die Wissenschaft und Gesellschaft stärker verbindet. Dialog, Teilhabe und die gemeinsame Gestaltung von Wissen sollen als Bestandteile wissenschaftlicher Exzellenz an Gewicht gewinnen. Gemeinsame und komplementäre Angebote in Forschung und Lehre sollen die Attraktivität der drei Hochschulen erhöhen; Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Beschäftigte sollen besser gefördert werden. Dazu kommen Synergien bei Infrastruktur und Wissenstransfer.

Ermöglicht wurde die Antragstellung durch den Erfolg der drei Universitäten in der Förderlinie Exzellenzcluster. Im Mai wurden fünf Clusterinitiativen der RMU zur Förderung ab 2026 bewilligt. Solche Cluster erlauben die langfristige Bearbeitung fachübergreifender Forschungsfelder, die gemeinsame Weiterentwicklung von Forschung und Infrastruktur mit außeruniversitären Partnern und machen Hochschulen als Forschungs- und Studienorte attraktiver.

Für das Projekt „Exzellenzuniversität“ sind Annabel Bokern von der Stabsstelle Exzellenzstrategie der Goethe-Universität, Dr. Amelie Scheu aus dem Projekt Exzellenzstrategie der Johannes Gutenberg-Universität und Dr. Matthias Adam aus dem Dezernat Struktur und Strategie der TU Darmstadt als Ansprechpartner*innen genannt. Die Projektleitungen sind unter exstra@rhein-main-universitaeten.de erreichbar.

30.000 Studierende und ein breites Fächerspektrum

Die JGU hat rund 30.000 Studierende aus etwa 120 Nationen. Im Wintersemester 2025/26 waren 29.431 Studierende eingeschrieben, rund 60 Prozent davon Frauen. Angeboten werden 75 Fächer und mehr als 250 Studiengänge – von Archäologie, Geschichte und Jura über Wirtschaft, Informatik und Medizin bis zu Kunst und Sport.

Mainz ist eine Volluniversität. Auch die Kunsthochschule und die Hochschule für Musik gehören dazu. Die geplanten Investitionen in Labore, Rechenressourcen und digitale Lernumgebungen dürften deshalb an vielen Stellen des Campus ankommen, nicht nur in einzelnen Forschungsgruppen. Für Studierende bleibt der Exzellenzstatus trotzdem indirekt: Entscheidend wird sein, welche neuen Angebote tatsächlich entstehen.

Das erklärte Ziel der RMU lautet, die Rhein-Main-Region zu einem international sichtbaren Wissenschaftsstandort beziehungsweise Wissenschaftszentrum zu entwickeln. Ein erfolgreicher Antrag im Wettbewerb um den Status als Exzellenzuniversitätsverbund würde die Allianz insbesondere international stärken. Der heutige Titel ist dafür ein kräftiger Schubs – aber eben auch ein Arbeitsauftrag.

Wie die Exzellenzstrategie funktioniert

Die Exzellenzstrategie, kurz ExStra, soll wissenschaftliche Spitzenleistungen fördern, Profilbildungen und Kooperationen im Wissenschaftssystem unterstützen, Deutschlands internationale Wettbewerbsfähigkeit stärken, Leistungsspitzen in der Forschung ausbilden und die Qualität des Hochschul- und Wissenschaftsstandorts insgesamt erhöhen. Das dauerhaft angelegte Programm von Bund und Ländern wird gemeinsam von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Wissenschaftsrat in zwei Förderlinien umgesetzt.

Exzellenzcluster fördern international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an Universitäten oder Universitätsverbünden. Exzellenzuniversitäten stärken dagegen dauerhaft einzelne Universitäten oder universitäre Verbünde und bauen deren internationale Spitzenstellung in der Forschung aus. Für die Förderlinie Exzellenzuniversitäten sind mindestens zwei Exzellenzcluster bei Einzeluniversitäten und mindestens drei bei Verbünden Voraussetzung.

Seit Januar 2026 werden 40 Exzellenzcluster an 43 deutschen Universitäten gefördert. Seit 2019 erhalten zudem zehn Universitäten und ein Universitätsverbund Unterstützung als Exzellenzstandorte. Die Förderung beider Linien beträgt derzeit jährlich 533 Millionen Euro; ab 2026 steigt das Gesamtbudget auf jährlich 687 Millionen Euro.

Für die Clusterförderung ist die DFG zuständig, für die Förderlinie Exzellenzuniversitäten der Wissenschaftsrat. Dort gehören die Evaluation der bisher geförderten Exzellenzuniversitäten und des Exzellenzverbunds ebenso dazu wie ein Neuausschreibungsverfahren für antragstellende Universitäten und Universitätsverbünde.

Gestaltet wird das Programm von einem von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) ernannten Committee of Experts. Das Gremium besteht aus 39 Personen mit ausgewiesener Forschungserfahrung in verschiedenen Wissenschaftsgebieten sowie langjähriger Erfahrung unter anderem im Ausland, im Hochschulmanagement, in der Lehre und in der Wirtschaft. Vorgeschlagen werden die Mitglieder der GWK gemeinsam vom DFG-Senat und der Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrats.

Über die Anträge entscheidet in beiden Förderlinien die Exzellenzkommission. Ihr gehören das Committee of Experts sowie die für Wissenschaft zuständigen Ministerinnen und Minister des Bundes und der Länder an. Grundlage der Exzellenzstrategie ist eine Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern.

Am 2. Oktober 2026 wurde bekannt gegeben, welche Universitäten und Universitätsverbünde neu als Exzellenzstandorte ausgewählt und künftig gefördert werden. Weitere Informationen zum Programm sowie zu den aktuell geförderten Exzellenzclustern und Exzellenzuniversitäten stehen auf www.exzellenzstrategie.de.