Die Philosophische Fakultät der Technischen Universität Chemnitz hat eine umfassende Ringvorlesung zum Thema „Jüdische Kultur und Erinnerung im transnationalen Kontext“ ins Leben gerufen. Diese wird im Rahmen des Themenjahres „Tacheles. Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026“ stattfinden. Die Vortragsreihe beginnt am 22. April 2026 und wird jeweils mittwochs um 18:15 Uhr im Stadtmuseum Chemnitz (smac) am Stefan-Heym-Platz 1 abgehalten. Der Eintritt ist für alle Interessierten kostenfrei, was den Zugang zur Auseinandersetzung mit jüdischem Leben und dessen Bedeutung in Vergangenheit und Gegenwart erleichtert.
Der erste Vortrag wird von Martin Clauss, Lewis Chuang und Christiane Donath gehalten, wobei sie sich mit der Chemnitzer Mikwe und hebräischen Grabsteinfragmenten in Meißen beschäftigen. Auch die weiteren Veranstaltungen versprechen spannende Einblicke in verschiedene Aspekte der jüdischen Kultur. Am 29. April wird Alexandra Klei über den einflussreichen jüdischen Architekten Erich Mendelsohn und seine Impulse in den USA referieren.
Vertiefende Einblicke
Ein besonders herausragendes Ereignis der Reihe ist der Vortrag von Dr. Monika Heinemann am 6. Mai 2026. Sie widmet sich der Ausstellung jüdischer Familiengeschichten im Museum und thematisiert die Rolle von Familien in den Sammlungsgeschichten der Museen. Diese Präsentation bietet eine Einführung zur Ausstellung „Threads – Verflechtungen“, die am 7. Mai 2026 eröffnet wird. Die Ausstellung zeigt die Netzwerke von 25 ehemals in Chemnitz lebenden jüdischen Familien und beleuchtet deren Biografien, was einen wichtigen Beitrag zur lückenlosen Erinnerungskultur in Sachsen leisten wird.
Die Vorträge erstrecken sich bis zum 8. Juli 2026, wobei eine Vielzahl von Themen behandelt wird. Im Detail sind folgende Referenten und Themen vorgesehen:
- 13. Mai: Nicolas Dreyer (Bamberg) – Transkulturalität der jüdischen Erzählliteratur des 19. Jahrhunderts
- 20. Mai: Christoph Grube (Chemnitz) und Gunnar Och (Erlangen) – Lesung zu den Versen und Prosa der Mascha Kaléko
- 27. Mai: Christian Landrock (Chemnitz) – Darstellung jüdischen Lebens in US-amerikanischen Fernsehserien der 1990er Jahre
- 3. Juni: Norbert Haase (Dresden) – Robert Desnos und Themen wie Verfolgtenhilfe und Gedächtnis
- 10. Juni: Cecile Sandten und Bernadette Malinowski (Chemnitz) – Stefan Heyms Debütroman „Hostages“ und der Fall Glasenapp
- 17. Juni: Marian Nebelin (Chemnitz) – Walter Benjamin und Stefan Zweig
- 24. Juni: Nicolas Berg (Leipzig) – Stefan Zweigs Autobiographie „Die Welt von gestern“ und Nationalismus
- 1. Juli: Christina Sanchez-Stockhammer (Chemnitz) – Digitale Dialoge mit ZeitzeugInnen des Holocausts
- 8. Juli: Daniel Dost (Chemnitz) – Genese und Zukunftsperspektiven eines Ausstellungsprojekts über jüdische Familiengeschichten
Zusätzliche Informationen über die Ringvorlesung und ihr Programm sind online verfügbar. Damit bietet die TU Chemnitz nicht nur einen Raum für akademische Diskurse, sondern trägt auch aktiv zur kulturellen Bildung und Erinnerung in Sachsen bei. Die Organisatoren, darunter Prof. Dr. Teresa Pinheiro und Prof. Dr. Cecile Sandten, laden alle Interessierten zur Teilnahme ein, um gemeinsam die Facetten der jüdischen Kultur zu erkunden und zu diskutieren. Wie tacheles.sachsen.de ergänzt, wird die Ringvorlesung durch zahlreiche Veranstaltungen und Initiativen im Kontext des Themenjahres begleitet.
Der kommende Sommer an der TU Chemnitz verspricht somit eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte, Kultur und Identität und wohnt der Hoffnung inne, denselben gesellschaftlichen Diskurs über Erinnern und Lernen anzuregen, der in der heutigen Zeit von größter Bedeutung ist. Besondere Aufmerksamkeit sollte der Rolle von Familien in den Sammlungsgeschichten der Museen gewidmet werden, denn diese tragen entscheidend zur Bewahrung und zum Verständnis der jüdischen Geschichte bei, wie tu-chemnitz.de berichtet.