Die Wiederaufforstung von Kelpwäldern gewinnt zunehmend an Bedeutung im Rahmen des Klimaschutzes und der Stabilität mariner Ökosysteme. Forscher der Leibniz Universität Hannover haben Methoden untersucht, um das Wachstum von Kelp effektiver zu fördern. Kelp bindet große Mengen Kohlendioxid (CO2) durch sein schnelles Wachstum und spielt eine entscheidende Rolle, indem er der Versauerung der Ozeane entgegenwirkt und Küstengebiete vor Erosion schützt.
Das Verschwinden von Kelpwäldern erfolgt weltweit in alarmierendem Ausmaß. Die herkömmlichen Methoden zur Ansiedlung von Algen sind oft teuer und zeitaufwändig. Das Ludwig-Franzius-Institut hat ein innovatives Verfahren entwickelt, das als „Green-Gravel-Verfahren“ bekannt ist. Es beinhaltet, im Labor gezüchtete Kelpsporen auf kleinen Steinen auszubringen. Der Erfolg dieser Technik hängt stark von der Stabilität der Steine an ihrem Zielort ab.
Forschungsergebnisse und deren Bedeutung
Die ersten Wochen im Meer sind entscheidend für die Ansiedlung des Kelps. Eine wichtige Erkenntnis der Studie ist, dass die Rauheit des Meeresbodens einen größeren Einfluss auf die Stabilität der Steine hat als deren Größe oder Form. Auf unebenem Untergrund können Steine höheren Belastungen standhalten als auf glattem Fels. Moderate Hangneigungen bis zu 15 Prozent haben nur einen untergeordneten Einfluss, solange der Untergrund rau ist.
Ein neues Berechnungsmodell wurde entwickelt, um das erforderliche Gewicht der Steine für eine erfolgreiche Kelpansiedlung vorherzusagen. Diese Erkenntnisse können die Planung von Wiederansiedlungsprojekten erheblich verbessern und die Erfolgsaussichten erhöhen. Die Ergebnisse sind Teil des Projekts sea4soCiety, das durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie norddeutsche Bundesländer gefördert wird.
Bedeutung mariner Biotope für den Klimaschutz
Zusätzlich zum Kelp bietet das WATTRenature-Projekt Einblicke in das Potenzial gesunder Meere für den natürlichen Klimaschutz. Eine NABU-Studie hat erstmals die Kohlenstoffspeicherung von Salzwiesen, Seegras und Kelp in der Nordsee quantifiziert. Marine Biotope wie Salz- und Seegraswiesen sind entscheidend für die Biodiversität und schützen Küstengebiete vor Sturmfluten und Erosion.
Der Begriff „Blauer Kohlenstoff“ bezieht sich auf Kohlenstoff, der von marinen Biotopen aufgenommen und langfristig gespeichert wird. Schätzungen zufolge speichern die untersuchten Biotope über 250.000 Tonnen CO₂ jährlich. Dabei stellen intakte Seegraswiesen einen Schlüsselfaktor dar, da sie Kohlenstoff 30- bis 50-mal schneller aufnehmen können als Wälder. Trotz dieser wichtigen Funktion sind 97 % der Seegraswiesen an der niedersächsischen Küste aufgrund schlechter Wasserqualität verschwunden.
Um die Küstenlinien zu schützen, wird eine Strategie zur Wiederherstellung dieser Biotope erforderlich. Diese Strategie sollte sich an der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur orientieren, die besagt, dass bis 2030 mindestens 20 % der degradierten Flächen wiederhergestellt werden müssen.
Ökologische Herausforderungen durch den Klimawandel
Die marinen Ökosysteme stehen unter Druck durch die Auswirkungen des Klimawandels. Diese betreffen sowohl die Wasserqualität als auch die tierischen und pflanzlichen Lebensräume. Die Weltozeane fungieren als der größte aktive Kohlenstoffspeicher der Erde und nehmen CO2 auf und speichern es in den Sedimenten. Studien zeigen, dass Meerespflanzen zur CO2-Aufnahme beitragen, jedoch auch unter den zunehmenden Herausforderungen leiden.
Der Klimawandel führt zu einer veränderten Artenzusammensetzung und einem erhöhten Stress für marine Lebensräume. Diese Veränderungen machen den Schutz und die Wiederherstellung von Kelpwäldern und anderen marinen Biotopen zu einer vorrangigen Aufgabe für den Klimaschutz und die Erhaltung der Biodiversität.