Am 28. Mai 2026 stellt die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) in Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität zu Berlin ein innovatives Projekt vor: Das Soundscape „Lausitzer Rhythmen“. Die Tagung, die am 4. und 5. Juni 2026 in Berlin und Cottbus stattfinden wird, beleuchtet die Klänge und Geräusche der Lausitz, die stark vom Braunkohlebergbau geprägt ist. Prof. Dr. Astrid Schwarz und Prof. Dr. Shintaro Miyazaki sind die Initiatoren dieser Veranstaltung, die Erinnerungen und Erfahrungen in den Mittelpunkt stellt und die Rolle des Hörens in einer zunehmend visuell dominierten Welt thematisiert.
Diese Initiative kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt, da die Lausitz vor einem tiefgreifenden Wandel steht. Laut einer Analyse des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) wird die Bevölkerung im Lausitzer Braunkohlerevier bis 2038 voraussichtlich um rund 72.000 Menschen schrumpfen, was einem Rückgang von etwa 6,4 Prozent entspricht. Besonders betroffen sind ländliche Kreise wie Oberspreewald-Lausitz und Görlitz, während die Städte Cottbus und der Landkreis Dahme-Spreewald positive Zuwächse verzeichnen.
Schwerpunkte der Tagung
Die Tagung wird verschiedene Beiträge aus den Bereichen Musikwissenschaft, künstlerische Forschung, Akustik, Architektur und Filmkunst vorstellen. Die Beiträge sollen Fragen zur Klanglandschaft der Lausitz aufwerfen und deren Einfluss auf die Lebenswelten der Menschen untersuchen. Besonders relevant ist diese Diskussion im Kontext des geplanten Kohleausstiegs im Jahr 2038, der die Region in eine neue Ära führt. Aktive Tagebaue werden als zukünftige Akteure des Erinnerns betrachtet.
Das Programm der Tagung ist vielfältig. Am 4. Juni 2026, von 13:00 bis 17:00 Uhr, findet in der Humboldt-Universität zu Berlin der erste Teil statt. Unter den Referenten sind der Musiker und Komponist Richard Ortmann sowie die Kulturwissenschaftlerin Uta C. Schmidt. Am 5. Juni 2026 tritt die Tagung in der Kunsthalle Lausitz in Cottbus in den Vordergrund, wo unter anderem Akustiker Jan Magister und Filmemacherin Constanze Fischbeck sprechen werden.
Bevölkerungsentwicklung und ihre Folgen
Die demografischen Veränderungen infolge des Kohleausstiegs sind dramatisch. Während einige Regionen in der Lausitz von der Abwanderung betroffen sind, zeigen Cottbus und der Landkreis Dahme-Spreewald ein gegensätzliches Bild. Cottbus profitiert von großen Investitionen und neuen Arbeitsplätzen, was zu einer stabilen Bevölkerungsentwicklung führt. Im Gegensatz dazu ist der Rückgang in anderen Teilen der Lausitz stärker ausgeprägt als in anderen Kohlerevieren, was auf eine ungleiche Verteilung der wirtschaftlichen Chancen hinweist.
Die Prognosen sind besorgniserregend: Während der Landkreis Spreewald-Lausitz einen Rückgang von bis zu 14,6 Prozent erwarten muss, könnten Sächsische Regionen wie Görlitz einen Rückgang von 13,8 Prozent erleben. Im Gegensatz dazu gibt es für Cottbus optimistische Szenarien, die einen Anstieg von bis zu 19 Prozent vorhersagen. Diese Entwicklungen werfen Fragen zur langfristigen Stabilität und zum Erhalt regionaler Identitäten auf.
Die Tagung „Lausitzer Rhythmen – hören, erinnern, leben“ scheint somit nicht nur eine akademische Plattform zu sein, sondern auch eine Möglichkeit, das Bewusstsein für die klanglichen und kulturellen Dimensionen der Region zu schärfen. In einer Zeit, in der der Kohleausstieg unausweichlich ist, wird das Hören von Erfahrungen und Erinnerungen zu einer zentralen Herausforderung.
b-tu.de berichtet, dass …
zeit.de äußert daraufhin …