Die Kunstszene Berlins wird bald von einer besonderen Ausstellung erfasst, die sich mit den umstrittenen Fotografien von Leni Riefenstahl beschäftigt. Vom 22. Mai bis zum 6. Juni 2026 wird das Museum für Fotografie in der Jebensstraße 2 in Berlin die Ausstellung „Inside Archives“ präsentieren. Die Eröffnung findet am 21. Mai 2026 um 19 Uhr statt. Diese Veranstaltung wird von der Universität der Künste Berlin (UdK) in Kooperation mit der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin realisiert, und soll eine kritische Auseinandersetzung mit Riefenstahls Nuba-Werk fördern, das sowohl als Kunst als auch als kulturelles Erbe betrachtet wird.
Die Ausstellung bietet ein dynamisches und partizipatives Konzept, das Installationen, Video- und Fotoprojekte sowie Text- und Audioformate von Studierenden der UdK und sudanesischen Künstler*innen umfasst. Zu den beteiligten Künstler*innen zählen Abdalsalam Alhaj, Camilo Correa-Costa, hajooj kuka und viele weitere. Die Ausstellungsleitung obliegt einem kuratorischen Team, bestehend aus Julia Grosse von der UdK, Katrin Peters-Klaphake vom Deutschen Historischen Museum und Ludger Derenthal von der Kunstbibliothek. Die UdK zielt darauf ab, die Sichtbarkeit der künstlerischen Arbeiten ihrer Studierenden zu erhöhen und den Dialog mit der Stadtgesellschaft zu fördern.
Hintergrund der Ausstellung
Riefenstahl, die vor allem durch ihre Filme und Fotografien bekannt wurde, veröffentlichte in den 1970er Jahren zwei Fotobände über die Nuba-Stämme im Sudan. Diese Arbeiten wurden über Jahrzehnte hinweg kontrovers diskutiert. Die Bundesregierung hat zwischen 2021 und 2025 ein Projekt zur „deutsch-sudanesischen kollaborativen Erschließung“ des Nuba-Werks mit einer Förderung von 1,28 Millionen Euro unterstützt. Ziel war es, den fotografierten Stämmen einen langfristigen Nutzen zu bieten, da Riefenstahl aus ihren Arbeiten ökonomischen Gewinn zog.
Obwohl das Projekt ursprünglich die digitale Archivierung der Fotografien und die Übergabe an lokale Nuba-Gemeinschaften zum Ziel hatte, stieß es aufgrund des Bürgerkriegs im Sudan auf erhebliche Schwierigkeiten. Das Konzept wurde schließlich angepasst, um die Zusammenarbeit in das benachbarte Uganda zu verlagern. Eine mehrsprachige Website mit dem Titel „Reclaiming Nuba Images“ wurde im Januar 2026 vorgestellt und die digitalisierten Fotografien wurden im Oktober 2024 an den Pan-Nuba Council (PNC) übergeben.
Presse und kulturelle Rezeption
Der Pan-Nuba Council, eine 2021 gegründete NGO, entstand als Reaktion auf eine Rede des ehemaligen sudanesischen Präsidenten Omar al-Bashir, welche die kulturelle Identität der Nuba in Frage stellte. Der Council setzt sich für die Interessen der Nuba-Gesellschaft ein und fördert aktiv deren kulturelles Erbe. Dies beinhaltet unter anderem die Organisation von Festivals, die die kulturelle Präsenz der Nuba bekräftigen sollen.
Die Absicht der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das Nuba-Werk zu erforschen und als Wiedergutmachung an die Nuba-Verbände zu übergeben, wurde von verschiedenen Akteuren kritisiert. Unklare Kommunikation bezüglich der Projektziele und der Rolle sudanesischer Künstler*innen in der Ausstellung führten zu Missverständnissen und einer gewissen Skepsis gegenüber der Initiative. Trotz dieser Herausforderungen bleibt die bevorstehende Ausstellung in Berlin eine bedeutende Plattform für den Diskurs über die komplexe Beziehung zwischen Kunst, Ethik und dem multikulturellen Erbe der Nuba.