Am 4. Mai 2026 hat an der Leuphana Universität in Lüneburg eine neue Veranstaltungsreihe begonnen, die sich mit den „Zukünften des Erinnerns in der Postmigrationsgesellschaft“ beschäftigt. Das Projekt ist eine Kooperation mit dem Literaturbüro Lüneburg und hat das Ziel, Konflikte, Kontinuitäten und Konkurrenz in der deutschen Erinnerungskultur zu untersuchen. Besonders im Fokus stehen dabei die Themen Literatur, Musik und Bildungsräume, die als zentrale Orte gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse dienen.

Die Reihe umfasst eine Lesung von Maryam Aras, die am Mittwoch, dem 6. Mai, aus ihrem Debütroman „Dinosaurierkind“ lesen wird. Diese Lesung findet um 18:30 Uhr im Forum des Zentralgebäudes der Universität statt. Aras’ Buch wird als eine wichtige Stimme der postmigrantischen Gegenwartsliteratur diskutiert. Am 26. Mai um 19:30 Uhr wird Thị Thanh Thảo Trần ihr Werk „Menschen wie wir“ im Heinrich-Heine-Haus vorstellen, das die Herausforderungen und Rassismus beschreibt, denen ihre Familie beim Ankommen in Deutschland begegnete.

Über die Autorinnen hinweg

Thị Thanh Thảo Trần, 1986 in Vietnam geboren, lebt seit 1999 in Deutschland. Sie hat Kulturwissenschaften sowie Vergleichende Literatur und Kunstwissenschaft studiert. Ihre Kurzgeschichtensammlung „Wo ich herkomme“ stand 2022 auf der Shortlist des Young Storyteller Award. In Trâns Buch geht es um die Erlebnisse ihrer Familie, die auf einer vietnamesischen Insel ihren Ursprung hat. Der Vater wird als Vertragsarbeiter in die DDR geschickt, während die Familie später nach Deutschland nachzieht, wo sie mit Rassismus und Ablehnung konfrontiert wird.

Diese persönlichen Erfahrungen spiegeln die Herausforderungen wider, die viele Migrant*innen und ihre Nachkommen in der deutschen Gesellschaft erleben. Es wird hierbei deutlich, dass das Ankommen oft mehr Fiktion als Realität ist und das Zurückkehren nach Vietnam von einem Gefühl des Scheiterns begleitet wird.

Erinnerungskultur im Wandel

Das interdisziplinäre Projekt zeigt auch, wie Erinnerungskultur in der deutschen Gesellschaft heute verhandelt wird. Bezüge zur NS-Vergangenheit und deren Auseinandersetzung sind seit den 1980er Jahren ein zentrales Thema. Historische Debatten konzentrierten sich oft auf das „herkunftsdeutsche“ Kollektiv, während Angehörige der Mehrheitsgesellschaft als Nachkommen des Naziregimes mit dem Begriff „Menschen mit Nazihintergrund“ ins Gespräch gebracht wurden, was zu einer breiten Diskussion in den Feuilletons führte.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Aktuelle Bewegungen und Debatten, auch während der COVID-19-Pandemie, stellen die Erinnerungskultur vor neue Herausforderungen. Der Holocaust wird zunehmend als ein prägendes Ereignis verstanden, nicht nur für die jüdische Gemeinschaft, sondern für alle, die in Deutschland leben. Naika Foroutan betont, dass die Verantwortung für die NS-Vergangenheit Teil der politischen Kultur ist und nicht biologisch vererbt werden kann.

Die Leuphana Universität lädt zudem zu einer multimedialen Lecture Performance mit Murat Güngör und Hannes Loh ein, die am 4. Juni um 17:00 Uhr im Forum stattfindet. Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei. Neben Lesungen und Performances beinhaltet das Programm auch Filmvorführungen, darunter der Dokumentarfilm „Die Möllner Briefe“, der am 20. Mai im SCALA-Kino gezeigt wird und Ibrahim Arslan sowie seine Familie begleitet.

Diese Veranstaltungen sind nicht nur Orte der Reflexion, sondern auch eine Möglichkeit, unterschiedliche Formen des Erinnerns kritisch zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Weitere Informationen sind über das Literaturbüro Lüneburg erhältlich. Das gesamte Programm zielt darauf ab, Erinnerungsprozesse in einer vielfältigen und sich verändernden Gesellschaft zu beleuchten und zu fördern, was die Notwendigkeit einer inklusiven postmigrantischen Erinnerungskultur unterstreicht.