Magdeburg fördert vier Projekte für das Festival der Moderne 2027
In Magdeburg fließt ein sechsstelliger Gesamtbetrag in vier Kultur-, Bildungs- und Wissenschaftsprojekte. Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Sparkasse Magdeburg fördern damit Vorhaben, die sich auf sehr unterschiedliche Weise mit Stadtentwicklung, Theater und Erinnerung beschäftigen. Konkrete Summen für die einzelnen Projekte wurden nicht genannt.
Im Zentrum steht das „Festival der Moderne 2027“. Es erinnert an die Deutsche Theaterausstellung Magdeburg von 1927; zwei der geförderten Initiativen sind Teil des mehrmonatigen Festivals. Die Förderbescheide wurden im Alten Rathaus Magdeburg übergeben. Dabei waren Patricia Werner, Geschäftsführerin der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, Jens Eckhardt und Regina Holzapfel von der Sparkasse Magdeburg sowie Oberbürgermeisterin Simone Borris.
Vier Projekte, ein Blick auf die Stadt
Der Magdeburger Musikverein plant eine Kindermusiktheaterakademie. Grund- und Musikschüler studieren dort die Kinderoper „Wir bauen eine Stadt“ von Paul Hindemith ein. Das Vorhaben verbindet Impulse der 1920er-Jahre mit aktuellen Fragen des Städtebaus – also historische Klangwelt und heutige Stadt, nebeneinander, manchmal vermutlich auch ziemlich laut.
Im Forum Gestaltung entsteht die Ausstellung „Theaterwelten – Welttheater“ zum 100. Jubiläum der Deutschen Theaterausstellung Magdeburg 1927. Sie fragt nach der Bedeutung dieser Ausstellung und nach ihren gesellschaftlichen Potenzialen für Magdeburg und die Region.
Das Theater Magdeburg steuert die Publikation „Architekturen des Augenblicks“ bei. Darin geht es um Vorträge renommierter Bühnenbildnerinnen und Bühnenbildner zur zeitgenössischen Szenografie sowie um künstlerische Arbeits- und Gestaltungsprozesse.
An der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg arbeitet Caroline Hake an einem fotografisch-künstlerischen Projekt über den Wandel des Alten Hafens zum „Wissenschaftshafen“. Vorgesehen sind eine fotografische Bestandsaufnahme, eine Ausstellung und eine begleitende Publikation. Für die Universität ist das ein genauer Blick auf einen Ort, an dem sich Magdeburgs Vergangenheit und sein wissenschaftlicher Anspruch ziemlich sichtbar überlagern.
Ein Festival mit Bürgerbeteiligung
Für 2027 plant Magdeburg ein mehrmonatiges „Festival der Moderne“. Anlass ist das 100-jährige Jubiläum der Deutschen Theaterausstellung von 1927, die als Höhepunkt der Magdeburger Entwicklung in den 1920er-Jahren galt. Das Festival soll ein spartenübergreifendes Programm für lokale, regionale und überregionale Besucher bieten.
Bei der Planung setzt die Stadt auf breite Bürgerbeteiligung. Rund 120 Interessierte informierten sich beim ersten Planungstreffen im Magdeburger Gesellschaftshaus über die geplanten Feierlichkeiten. Norbert Pohlmann, Leiter des Magdeburger Forum Gestaltung, setzt sich seit Jahrzehnten dafür ein, die historische Moderne der Stadt stärker hervorzuheben.
Nach Pohlmanns Einschätzung war Magdeburg in den 1920er-Jahren eine Ausstellungs- und Reklamestadt der Moderne, die auch von äußeren Ideen beeinflusst wurde. Verwaltung, Politik und Kultur arbeiteten damals bei der Umsetzung moderner Ideen zusammen. Moderne Architektur, farbliche Gestaltung und Beleuchtung prägten das Stadtbild; unter anderem sollten Arbeitersiedlungen aufgehellt werden. Modernes Bauen und modernes Leben waren politische Ziele. Die Rückbesinnung auf diese historischen Potenziale gilt als zentraler Ansatz des geplanten Festivals.
Was 1927 in Magdeburg entstand
Die Deutsche Theaterausstellung 1927 fand in Magdeburg statt. Anlässlich der Ausstellung wurden unter anderem die Stadthalle Magdeburg, der 61 Meter hohe Aussichtsturm – heute Albinmüller-Turm – und das Pferdetor errichtet. Im Rotehornpark zwischen Sternbrücke und Adolf-Mittag-See entstand ein Ausstellungszentrum mit Stadthalle, Ausstellungshallen, Versuchsbühne, schwimmender Bühne und Aussichtsturm. Im Fort XII gab es eine Freilichtbühne. Östlich der Hubbrücke Magdeburg entstand im nördlichen Ausstellungsteil ein Vergnügungspark mit Achterbahn.
Die Veranstaltung war ursprünglich zum 50. Jubiläum des Stadttheaters Magdeburg im Jahr 1926 geplant. Wegen der umfangreichen Vorbereitungen wurde sie auf 1927 verschoben. Magdeburg verband damit das Ziel, internationale Anerkennung als Kultur- und Ausstellungsstadt zu gewinnen.
Die Stadt hatte zu diesem Zeitpunkt schon Ausstellungserfahrung: Mit der Wiederaufbau-Ausstellung „Mitteldeutsche Ausstellung Magdeburg“ und 1925 mit der Reichszuckerausstellung hatte sie Erfolge als Messe- und Ausstellungsort erzielt. Außerdem war Magdeburg in den 1920er Jahren unter anderem durch den ehemaligen Stadtbaurat Bruno Taut für moderne Architektur, Siedlungsbau und soziales Bauen bekannt.
Das Ausstellungslogo entwarf Karl Schulpig. Eröffnet wurde die Ausstellung am 28. Mai 1927 mit einem Presseball zur Eröffnung der Stadthalle; sie dauerte viereinhalb Monate. Gezeigt wurden das Theaterschaffen der Vergangenheit, vor allem aber das zeitgenössische Theater, Inszenierungen verschiedener Ensembles sowie Theaterkunst und Theaterhandwerk – etwa die Arbeit von Theatermalern und Kostümbildnern. Auch Brandschutz und Bühnentechnik gehörten dazu.
Künstler, Kritiker und Theaterdirektoren aus ganz Deutschland besuchten die Ausstellung. Mehr als 200 Kongresse und Tagungen zu Themen des Theaterlebens fanden währenddessen statt. Zu den Gästen gehörten unter anderem Klaus und Erika Mann sowie Gustaf Gründgens. Eine Gesamtzahl der Besucher ist nicht überliefert. Als Ausstellungszeitschrift erschien „Die Vierte Wand“, außerdem berichtete die internationale Presse über die Veranstaltung.
Erinnerung mit langen Schatten
Vorgänger der Magdeburger Schau waren eine Theaterausstellung 1892 in Wien und die erste Deutsche Theaterausstellung 1910 in Berlin. Die Ausstellung von 1927 war bislang die letzte Ausstellung dieser Art. Schon während der Veranstaltung gab es Pläne, ihr umfangreiches Material dauerhaft öffentlich zugänglich zu machen. Sie gab den Anstoß zur Gründung des Theatermuseums Berlin, das 1929 eröffnet wurde.
Der Zweite Weltkrieg hinterließ an den Ausstellungsgebäuden unterschiedlich starke Schäden. Ausstellungshallen, Versuchsbühne und Pavillons an der Sternbrücke wurden zerstört. Stadthalle, Albinmüller-Turm, Pferdetor und Springbrunnen wurden wiederaufgebaut oder restauriert.
Zum 85. Jubiläum erinnerte Magdeburg mit mehreren Veranstaltungen an die Ausstellung. „Szenen einer Ausstellung – 85 Jahre Deutsche Theater-Ausstellung Magdeburg 1927“ war an mehreren Orten der Stadt zu sehen. Im Rotehornpark standen großformatige Fotos der damaligen Veranstaltungsorte, außerdem wurden Stücke aus der Ausstellungszeit aufgeführt. Auch zum 90-jährigen Jubiläum gab es eine Ausstellung. Nun richtet sich der Blick auf 2027 – und damit auf eine Stadtgeschichte, die noch lange nicht aus dem Bühnenlicht verschwunden ist.
