Am Zentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD) der Technischen Universität Dresden (TUD) erhält die Forschung zu Autismus-Spektrum-Störungen neuen Schub. Prof. Mareike Albert und ihr Team sind Teil eines internationalen Forschungsverbunds, der in Zusammenarbeit mit Institutionen aus Europa und Australien das Projekt „MICRO-NEST“ ins Leben ruft. Dieses zukunftsweisende Forschungsprojekt wird durch das EU-Rahmenprogramm Horizon Europe mit einer Summe von 6 Millionen Euro gefördert.
Das Hauptziel von MICRO-NEST besteht darin, frühzeitige biologische Marker für Autismus-Spektrum-Störungen bei Frühgeborenen zu identifizieren. Frühgeborene Kinder, die vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, haben ein dreimal höheres Risiko, eine Diagnose im Autismus-Spektrum zu erhalten. Dies macht die Ergebnisse der Forschung besonders relevant, da Autismus-Spektrum-Störungen eine der häufigsten Ursachen für gesundheitliche und entwicklungsbedingte Herausforderungen bei Menschen unter 20 Jahren darstellen.
Forschung für eine frühzeitige Erkennung
Das Projekt fokussiert sich auf die Untersuchung prä- und perinataler Mikroumgebungen, die die Gehirnentwicklung von frühgeborenen Kindern beeinflussen. Ein zentraler Aspekt der Forschung ist das Verständnis des Wassersäulenhaushalts und der gastrointestinalen Beschwerden, die viele Menschen mit Autismus erleben. Diese Beschwerden stehen häufig im Zusammenhang mit einem Ungleichgewicht im Darmmikrobiom.
Ein interdisziplinärer Ansatz ist dabei von entscheidender Bedeutung. MICRO-NEST kombiniert Epigenomik, Glykomik, Immunprofilierung und Bildgebung des Gehirns. Diese Methoden sollen dabei helfen, präzise und frühzeitige Diagnosen zu ermöglichen und die individuelle Begleitung von betroffenen Kindern zu verbessern.
Technologische Innovationen
Ein besonders innovatives Element des Projekts ist die Entwicklung eines KI-gestützten digitalen Zwillings für Autismus-Spektrum-Störungen. Dieser soll komplexe Daten analysieren und in handlungsorientierte Erkenntnisse übersetzen, die sowohl für die Forschung als auch für die betroffenen Familien hilfreich sein können.
Die Durchführung des Projekts, das im September 2026 startet und über einen Zeitraum von fünf Jahren angelegt ist, fördert zudem die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Forschungsteams, Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen sowie deren Angehörigen. Partnerinstitutionen sind unter anderem Inserm, RMIT Europe, University Medical Center Utrecht, das Universitätsklinikum Essen sowie King’s College London.
Das CRTD wurde 2006 gegründet und widmet sich der Erforschung neuer Therapieansätze zur Zell- und Geweberegeneration. Mit MICRO-NEST werden nicht nur wissenschaftliche Fortschritte angestrebt, sondern auch die Lebensqualität der betroffenen Kinder und ihrer Familien verbessert. Diese kollektiven Anstrengungen könnten in naher Zukunft einen erheblichen Beitrag zur Verbesserung der Diagnostik und Therapie von Autismus-Spektrum-Störungen leisten. Während der Ausgangspunkt der Forschung klar ist, bleibt abzuwarten, welche umfangreichen Ergebnisse die Wissenschaftler in den kommenden Jahren hervorbringen werden.