Am 21. Juli 2026 steht der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) kurz vor einer bedeutsamen Entscheidung. Am 26. September wird bekanntgegeben, ob München, Berlin oder die Region Köln – Rhein/Ruhr die Bewerbung für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 anführt. Prof. Dr. Samuel Mössner, ein Geograph und Experte für Raumplanung und Nachhaltigkeit, hat bereits seine Bedenken über die zukünftige Entwicklung großer Sportereignisse geäußert. Er meint, dass die Überlegung um das Gemeinwohl im Mittelpunkt der Entscheidung stehen sollte.

Mössner hebt hervor, dass die Akzeptanz solcher Großereignisse stark von der Ausrichtung am Gemeinwohl abhängt. In seinen Ausführungen kritisiert er die mangelnde Stadtentwicklung der letzten drei Jahrzehnte, die sich auf Großereignisse und eine zunehmende Festivalisierung konzentriert hat. Seine Analyse umfasst sowohl die potenziellen Vorteile einer Olympiabewerbung, wie beispielsweise Investitionen, einen touristischen Aufschwung, als auch ein verbessertes Image. Dennoch warnt er davor, die Nachhaltigkeit und die Stimmen der Bevölkerung nicht zu vernachlässigen. Dies wird umso wichtiger, da in der Vergangenheit häufig Versprechen zur Nachhaltigkeit nicht eingehalten wurden, was zu einer Skepsis bei den Bürgern geführt hat.

Nachhaltigkeit im Fokus der Olympischen Spiele 2024 in Paris

Die Olympischen Spiele 2024 in Paris setzen neue Maßstäbe in Bezug auf Nachhaltigkeit. Sie dienen als Testfeld für innovative umweltfreundliche Praktiken. Hierbei wird angestrebt, 95 % der benötigten Einrichtungen aus bereits bestehenden Sportstätten zu nutzen oder temporäre Anlagen zu errichten, um den Ressourcenverbrauch zu minimieren. Alle Wettkampfstätten sollen mit 100 % erneuerbarer Energie aus Wind- und Solarenergie betrieben werden. Ein zentrales Ziel ist es, die CO₂-Emissionen im Vergleich zu früheren Spielen um 50 % zu senken.

Ein umfassendes Konzept zur Kompensation von CO₂-Emissionen wird entwickelt, das Investitionen in erneuerbare Energien und Wiederaufforstungsprojekte umfasst. Zudem werden elektrische Fahrzeuge für den Transport von Athlet*innen und Offiziellen eingesetzt. Um die Verkehrsinfrastruktur während der Spiele zu entlasten, wird ein integriertes Verkehrssystem entwickelt, und die meisten Sportstätten befinden sich innerhalb eines 10-km-Radius. Kritiker äußern jedoch Bedenken hinsichtlich der Überlastung des Verkehrs.

Langfristige Auswirkungen und Herausforderungen

Die Spiele in Paris verfolgen das Ziel, ohne den typischen Gigantismus abzuhalten, den viele Großveranstaltungen prägt. Rund 95 % der Austragungsorte sind bestehende oder temporäre Einrichtungen, und nur drei neue Sportstätten werden gebaut. Der CO₂-Ausstoß soll insgesamt um 54,6 % im Vergleich zu den Olympischen Spielen in London 2012 und Rio 2016 reduziert werden. Um den Plastikverbrauch zu reduzieren, wurden Maßnahmen mit Olympia-Partner Coca-Cola initiiert, die unter anderem nachfüllbare Wasserstationen und biologisch abbaubares Besteck umfassen.

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Zudem wird das Olympische Dorf nach den Spielen in ein inklusives Wohnquartier mit 6.000 Bewohner*innen umgewandelt. Langfristig wird erwartet, dass die Spiele einen wirtschaftlichen Impuls von 6,9 bis 11,1 Milliarden Euro für den Großraum Paris über die nächsten 17 Jahre bieten werden. Darüber hinaus sollen mehr als 180 Kilometer neue Radwege entstehen, um nachhaltige Mobilität zu fördern.

Verantwortung für die Zukunft

Während die Diskussion um die Bewerbung für die Olympischen Spiele 2036 in Deutschland an Fahrt gewinnt, liegt der Fokus nicht nur auf der unmittelbaren wirtschaftlichen Perspektive. Vielmehr ist es entscheidend, die Lehren der Spiele in Paris in die Überlegungen einzubeziehen. Die erfolgreichen Nachhaltigkeitsstrategien in Frankreich könnten als Beispiel dienen, um Bürger von Beginn an in die Planungsprozesse einzubeziehen und um ein positives Erbe für zukünftig auszurichtende Olympische Spiele zu schaffen. Prof. Dr. Samuel Mössner warnt jedoch vor den Herausforderungen, die eine transparente Planung und die Sicherstellung sozialer Gerechtigkeit mit sich bringen.

Die Entwicklungen rund um die nächsten Olympischen Spiele werden zeigen, wie groß die Verantwortung gegenüber der Umwelt und der Gesellschaft ist. Die Welt schaut gespannt auf die Entscheidungen, die letztlich für die nächsten Olympischen Begeisterungen in Deutschland gefällt werden.