Anna De Paoli, die kürzlich den akademischen Titel einer Professorin für Filmproduktion an einer renommierten Filmuniversität erhalten hat, begeistert sich für die zeitlichen Dimensionen des Films. Ihre Überzeugung ist, dass die Wirkung von Filmen über Generationen hinweg entscheidend von deren Dialogfähigkeit abhängt. Dabei beschreibt sie Filmklassiker wie „Nosferatu“ als Neuentdeckung für jüngere Zuschauer, besonders in der authentischen 35mm Projektion, die ein besonderes Erlebnis bietet. Laut Filmuniversität ist die Qualität eines Films ein wesentlicher Faktor für dessen Überdauerung.
In ihrer Lehrtätigkeit integriert De Paoli spannende Werke wie den Kurzfilm „Suspense“ aus dem Jahr 1913 sowie die aktuellen Debütfilme „A Quiet Girl“ und „Piaffe“. Diese Filme werden in Seminaren verwendet, die im Kino stattfinden, was für die Professorin eine ganz besondere Möglichkeit darstellt. Sie empfindet es als Privileg, Filmprojektionen selbst steuern zu können und möchte ihren Studierenden die Entwicklung und Umsetzung eigener Ideen im Kontext etablierter Werke näherbringen.
Interdisziplinarität und Praktische Projekte
De Paoli ist bestrebt, den Rahmen des Möglichen in der Filmproduktion zu erweitern und bietet ihren Studierenden die Chance, experimentell mit verschiedenen Genres umzugehen. Dies geschieht in Anlehnung an die Initiative „FILM MACHT SCHULE“, die einen Austausch zwischen Filmschaffenden und der nächsten Generation im Kino fördert. Innerhalb dieses Programms ist das internationale Filmbildungsprogramm „Cinema en curs“ von zentraler Bedeutung. Es richtet sich an Schulen weltweit und kombiniert Filmrezeption mit praktischen Übungen, um einen Dokumentarfilm zu erstellen. Dieser thematisiert die Lebens- und Erfahrungswelt der Schüler*innen und soll ihnen dabei helfen, ihre Geschichten zu erzählen Filmen macht Schule.
Das Projekt erstreckt sich über ein ganzes Schuljahr oder ist in Module von drei bis vier Monaten unterteilbar. Wöchentliche Workshops sind fest in den Schulalltag der beteiligten Schüler*innen integriert und ermöglichen eine enge Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und Filmemachenden. Am Ende der Workshops findet eine Präsentation im Kinosaal statt, die für die Schüler*innen ein bedeutender Moment der Anerkennung darstellt.
Die Wichtigkeit der Filmvermittlung
Von 2018 bis 2021 wurde die Methodik des „Cinema en curs“-Projekts durch die Kulturstiftung des Bundes an das deutsche Schulsystem angepasst, wofür auch pädagogische Materialien in deutscher Sprache entwickelt wurden. Eine Kooperation mit dem Filmmuseum Potsdam wurde ebenfalls ins Leben gerufen, um den Ansatz weiter zu festigen LMZ BW.
In ihrer Reihe „TENDENZEN“, die auch für Gasthörende zugänglich ist und als Podcast veröffentlicht wird, spricht De Paoli mit produzentischen und kuratorischen Persönlichkeiten über das Thema PURPOSE, was ihre interdisziplinäre Herangehensweise an die Filmvermittlung unterstreicht. Ihr Ziel ist es, eine Plattform zu schaffen, von der aus verschiedene Perspektiven auf den Film diskutiert und geteilt werden können.