Am 5. März 2026 gibt die Universität Duisburg-Essen bekannt, dass Prof. Dr. Henning Reis die ärztliche Leitung der Molekularpathologie im Institut für Pathologie der Medizinischen Fakultät übernehmen wird. Mit 44 Jahren bringt Reis umfangreiche Erfahrungen in der präzisionsmedizinischen Tumordiagnostik mit. Es ist nicht seine erste Rolle in Essen, wo er bereits 12 Jahre lang tätig war, zuletzt als Funktionsoberarzt.
Seine Rückkehr wird als echter Gewinn für die Institution gesehen, da Reis gleichzeitig als kooperativ stellvertretender Institutsdirektor zusammen mit Prof. Dr. Hideo Baba fungieren wird. Vor dieser Rückkehr war Reis am Dr. Senckenbergischen Institut für Pathologie am Universitätsklinikum Frankfurt aktiv, wo er als Geschäftsführender Oberarzt und Professor für Molekulare Pathologie arbeitete.
Fokus auf Präzisionsmedizin
Prof. Dr. Reis ist nicht nur Experte, sondern auch ein Vordenker im Bereich der präzisionsmedizinischen Tumordiagnostik. Führungskräfte der Universität glauben, dass seine Arbeit dazu beitragen wird, das Verständnis über die molekularen Ursachen von Erkrankungen zu vertiefen. Die letzten zwei Jahrzehnte haben gezeigt, wie wichtig die Erkenntnisse in den Life Sciences sind, um die Ursachen von Krankheiten besser zu erkennen und die Reaktionen von Patienten auf Therapien präziser vorherzusagen. Diese Entwicklungen sind nicht nur akademischer Natur, sondern haben auch direkte Auswirkungen auf die Patientenversorgung.
Eine Besonderheit bei Reis’ Ansatz ist die molekularpathologische Umsetzung eines bundesweiten Modellvorhabens zur Genomsequenzierung bei Krebserkrankungen. Dieses ehrgeizige Vorhaben zielt darauf ab, das gesamte Erbgut oder einen großen genomischen Anteil eines Tumors zu analysieren, um krankheitsrelevante Veränderungen zu identifizieren. Ziel ist die präzise Auswahl von Therapien und die Stärkung der personalisierten Krebsmedizin.
Innovative Diagnoseverfahren und Forschungsschwerpunkte
Ein wichtiger Aspekt von Reis‘ zukünftiger Arbeit wird die Einführung neuer molekularer Diagnoseverfahren, wie der Flüssigbiopsie, sein. Diese Technik ermöglicht die Diagnostik ohne operative Gewebeentnahme, was große Vorteile für die Patienten mit sich bringt. Flüssigbiopsien können Tumorbestandteile im Blut nachweisen und ermöglichen somit eine Überwachung der Therapieverläufe sowie eine frühere Erkennung von Rückfällen.
Darüber hinaus strebt Reis eine Stärkung der Digitalisierung der Pathologie an, wobei digitale Bildanalysen und strukturierte Datenauswertungen in den Fokus rücken. Ein strategisches Ziel ist es, die Rolle Essens in molekular gesteuerten Forschungsverbünden wie dem nationalen Netzwerk Genomische Medizin auszubauen. Auch internationale Kooperationen in der molekularen Diagnostik und Uro-Onkologie will Reis vorantreiben.
Die Forschungsschwerpunkte von Reis werden insbesondere auf soliden Tumoren liegen, mit einem besonderen Fokus auf Krebserkrankungen des Urogenitaltrakts, wie Harnblasenkrebs und Urachuskarzinom. Hinzu kommt sein Bestreben, die molekularpathologische Lehre auszubauen und die Weiterbildung von jungen Ärzt:innen zu strukturieren.
Seine Rückkehr zur Universität Duisburg-Essen wird als entscheidender Schritt gewertet, um die Molekularpathologie als strategischen Motor für Präzisionsmedizin und translationale Krebsforschung weiter zu stärken. Reis wird nicht nur Grundlagenforschung betreiben, sondern auch die Brücke zwischen den wissenschaftlichen Erkenntnissen und der klinischen Anwendung schlagen, um die Patientenversorgung erheblich zu verbessern.