Das innovatives Lehrprojekt „Village Lab“ der Universität Konstanz wird ab dem 1. Juli 2026 mit bis zu 3,4 Millionen Euro von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre (StIL) gefördert. Dieses Projekt gehört zu einer von insgesamt 37 Initiativen, die im Rahmen des Aufrufs „Die Welt ist mein Campus“ ins Leben gerufen wurden. Ziel ist die Entwicklung eines interdisziplinären Studienangebots mit dem Schwerpunkt „Demokratie in ländlichen Räumen“. Die Studie soll den Studierenden praxisnahe Fähigkeiten zur Mitgestaltung demokratischer Prozesse vermitteln.
Unter der Leitung von Prof. Rüdiger Wilhelmi, Prorektor für Lehre, und in enger Kooperation mit Sibylle Mühleisen sowie Dr. Albert Kümmel-Schnur werden Studierende mit Kommunen in ländlichen Regionen zusammenarbeiten, um Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln. Dadurch soll nicht nur das Verständnis für die Bedürfnisse der ländlichen Bevölkerung erhöht, sondern auch die demokratische Handlungsfähigkeit der Studierenden gestärkt werden.
Interdisziplinäres Lehrangebot
Das Lehrangebot umfasst Vorlesungen, Seminare, Kompetenzschulungen sowie umfassende Praxisphasen und Transfer-Lehre-Projekte. Es zielt darauf ab, die Studierenden auf ihre künftigen Rollen als Entscheidungsträger vorzubereiten, indem sie befähigt werden, unterschiedliche Perspektiven zu navigieren und die komplexen Widersprüche der modernen Gesellschaft zu verstehen. Wilhelmi betont die Verantwortung der Universität, diese Kompetenzen in einem sich ständig verändernden politischen Umfeld zu vermitteln.
Mit einem Gesamtfördervolumen von rund 84 Millionen Euro sollen die Programme der Stiftung StIL, die seit 2021 innovative Lehrprojekte an Hochschulen unterstützt, langfristige Kooperationen zwischen Universitäten und ländlichen Gemeinden fördern.
Herausforderungen in ländlichen Räumen
Die Notwendigkeit solcher Bildungsprojekte wird durch die Herausforderungen in vielen ländlichen Regionen Deutschlands untermauert. Hier leben mehr als die Hälfte der Bevölkerung, deren Lebensqualität stark variiert. Während einige ländliche Gebiete als Boomregionen gelten, leiden andere unter gesundheitlicher Unterversorgung und mangelnder digitaler Infrastruktur. Schulen wurden geschlossen und Bildungsangebote eingeschränkt, was die Entwicklung einer aktiven Zivilgesellschaft erschwert.
In diesem Kontext ist das „Village Lab“ nicht nur eine akademische Initiative, sondern auch eine Antwort auf wachsende soziale und politische Probleme, die durch rechtspopulistische Strömungen in ländlichen Gebieten verstärkt werden. Programme zur Förderung von zivilgesellschaftlichem Engagement, wie „Zusammenhalt durch Teilhabe“ und „Miteinander reden“, sind Ansätze, um den gesellschaftlichen Dialog zu stärken und demokratische Prozesse zu fördern. Die politische Bildungsarbeit ist besonders wichtig, da klassische Angebote oft nicht ausreichen und innovative Formate notwendig sind.
Die Initiative des „Village Lab“ könnte somit als Modell für die Zukunft der politischen Bildung in ländlichen Räumen dienen, indem sie Studierende nicht nur akademisch ausbildet, sondern auch aktiv in die Lösung lokaler Probleme einbindet und die Verbindung zwischen Universität und Gesellschaft stärkt.