Am 20. Mai 2026 gaben das Naturkundemuseum Stuttgart und die Universität Hohenheim die Gründung eines neuen Kompetenzzentrums für Biodiversität und integrative Taxonomie (KomBioTa) bekannt. In Baden-Württemberg zielt dieses Zentrum darauf ab, die Artenkenntnis zu fördern und den Naturschutz zu stärken. Laut Hohenheim beinhalteten die letzten fünf Jahre kontinuierliches Monitoring der Artenvielfalt und die Beschreibung neuer Arten wie der Wespe Aphanogmus kretschmanni durch Dr. Marina Moser.
In der Zusammenarbeit des Kompetenzzentrums stehen die Unterstützung von Kommunen im Umgang mit invasiven Arten und die Entwicklung innovativer Schutzkonzepte im Vordergrund. Dabei werden auch modernste Methoden, wie Robotik und Künstliche Intelligenz, eingesetzt, um die Artenbestimmung zu beschleunigen. Die Initiative umfasst rund 150 Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Disziplinen, die gemeinsam ein Netzwerk bilden, welches sich der Erhaltung der Biodiversität widmet.
Die Rolle der biologischen Vielfalt
Die biologische Vielfalt, die in der Fachwelt auch als Biodiversität bezeichnet wird, beschreibt die Vielfalt des Lebens auf der Erde. Dies umfasst die Vielfalt der Ökosysteme sowie die Arten- und genetische Vielfalt innerhalb der Arten. Diese Aspekte sind nicht nur für die Umwelt, sondern auch für das menschliche Leben existenziell wichtig. Sie stellt die Grundlage für Dienstleistungen bereit, die unser Überleben sichern, darunter saubere Luft, Wasser und Bestäubung, wie das Bundesamt für Naturschutz (BfN) erläutert.
Insgesamt haben nahezu 7000 Pflanzenarten eine kulinarische Bedeutung für die Menschheit, wobei lediglich 15 Arten rund 90 Prozent der globalen Nahrungsausbeute liefern. Zudem ist die genetische Vielfalt für die Zucht besserer Nutztierrassen und Pflanzensorten von entscheidender Bedeutung. Ein gesunder Genpool fördert die Flexibilität von Organismen und die Funktionsfähigkeit von Ökosystemen.
Bedrohungen für die Biodiversität
Die Herausforderungen für die biologische Vielfalt sind vielfältig und eng mit menschlichen Aktivitäten verknüpft. Dazu zählen die Zerstörung von Lebensräumen durch Urbanisierung, Überfischung und Abholzung. Auch der Klimawandel hat signifikante Auswirkungen auf die Biodiversität und könnte eine verstärkte Ausbreitung von nicht heimischen Arten nach sich ziehen. Laut einem IPBES-Bericht gibt es weltweit über 37.000 gegebene Arten, von denen mehr als 3.500 als invasiv gelten, d.h. sie gefährden einheimische Arten und ihre Ökosysteme.
In Deutschland sind bislang 1.015 Neobiota-Arten registriert, die sich etabliert haben. Davon sind 449 Tierarten, 469 Pflanzenarten und 97 Pilzarten. WWF hebt hervor, dass 107 dieser Arten als invasiv gelten und besondere Vorkehrungen zum Schutz der Biodiversität erfordert werden. Ein effektives Management und die Entwicklung von Lehrkonzepten sind daher unerlässlich, um die Ausbreitung invasiver Arten wie der Ameisenart Tapinoma magnum oder dem Asiatischen Laubholzbockkäfer Anoplophora glabripennis zu verhindern und den Erhalt der biologischen Vielfalt langfristig zu sichern.