In der vergangenen Woche erlebte Deutschland die ersten Hitzetage des Jahres mit Temperaturen über 30 Grad. Vor diesem Hintergrund rückt die Nutzung öffentlicher Trinkwasserangebote wieder in den Fokus. Forschende der Otto-Friedrich-Universität Bamberg haben eine umfassende Studie zur Inanspruchnahme öffentlicher Trinkbrunnen veröffentlicht, die in der Fachzeitschrift Nature Water erscheint. Die Ergebnisse sind alarmierend: Rund 60% der 1.095 Befragten gaben an, noch nie einen öffentlichen Trinkbrunnen genutzt zu haben.

Die Untersuchung zeigt, dass die Nutzung öffentlicher Brunnen nicht nur von deren Verfügbarkeit abhängt, sondern auch stark von psychologischen Faktoren beeinflusst wird. Insbesondere Bedenken hinsichtlich möglicher Verunreinigungen scheinen abzuschrecken. Diese Erkenntnis wird durch die Erklärung von Robert Bruckmann, einem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Universität, untermauert. Er hebt hervor, dass Menschen über einen psychologischen Schutzmechanismus verfügen, der sie dazu bringt, potenzielle Krankheitserreger zu erkennen und zu meiden.

Einfluss der Sauberkeit auf die Nutzung

Im Rahmen eines Feldexperiments in Bamberg wurden vier Trinkbrunnen in über 14.000 Nutzungssituationen beobachtet. Es zeigte sich, dass Hinweisschilder, die die Sauberkeit der Brunnen kommunizieren, die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen die Brunnen tatsächlich nutzen, um erstaunliche 82% erhöhten. Darüber hinaus stieg das Abkühlverhalten um 37%. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass klare Informationen über den hygienischen Zustand der Brunnen dazu beitragen können, die Selbstinitiierung von Trinkwasserentnahmen zu fördern.

Das Problem bleibt jedoch bestehen: Selbst technisch einwandfreie Brunnen bleiben ungenutzt, wenn ihre Sicherheit nicht erkennbar ist. Um diesem Missstand entgegenzuwirken, fordern die Forschenden einen niedrigschwelligen Zugang zu Trinkwasser, der entscheidend für den Gesundheitsschutz und die Stadtplanung ist. Die EU-Trinkwasserrichtlinie (2020/2184) betont bereits die Notwendigkeit, den Zugang zu öffentlichem Trinkwasser zu gewährleisten.

Empfehlungen für bessere Nutzung

Um die Nutzung von Trinkbrunnen zu steigern, haben die Forschenden einige Empfehlungen ausgesprochen. Dabei spielen psychologische Faktoren eine entscheidende Rolle in der Planung dieser Wasserquellen. Es wird geraten, kontaktlose Nutzungsmodi zu integrieren sowie Hinweise zu Wartung und Hygiene klar zu kennzeichnen. Dafür ist eine deutliche Markierung als Trinkwasserquelle unerlässlich.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Der bundesweite Hitzeaktionstag am 11. Juni 2026 wird von den Forschenden genutzt, um auf diese wachsende Problematik aufmerksam zu machen. Die außergewöhnlichen Wetterbedingungen in Bezug auf Temperatur und die damit verbundene Suche nach Abkühlung erfordern dringende Maßnahmen zur Verbesserung der Inanspruchnahme von öffentlichen Trinkbrunnen, um die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung zu sichern und gleichzeitig den Wasserverbrauch zu fördern.