Der 22. April 2026 wird als ein bedeutender Tag in der Geschichte der Stadt Paderborn und ihrer einzigartigen Flusslandschaft in Erinnerung bleiben. An diesem Tag fand im „Art and History Museum“ in Brüssel der offizielle Festakt zur Verleihung des Europäischen Kulturerbe-Siegels (EHL) statt, bei dem eine Delegation aus Paderborn die Auszeichnung für die urbane Flusslandschaft Pader entgegennehmen durfte. Unter den Anwesenden war auch Prof. Dr. Peter Fäßler vom Arbeitsbereich Zeitgeschichte der Universität Paderborn.
Die Auszeichnung wurde unter Anwesenheit von EU-Kommissar Glenn Micallef verliehen, der die Rolle dieser Stätten als Ausdruck des besten europäischen Kulturerbes lobte. Die Pader, mit ihren 4,6 Kilometern, gilt als der kürzeste Fluss Deutschlands und prägt maßgeblich die städtische Wasserlandschaft von Paderborn. Sie ist ein herausragendes Naturphänomen und ein Schwerpunkt der europäischen Wasserkultur, die seit über 1200 Jahren den Raum prägt.
Die Bedeutung der Paderlandschaft
Die Pader bewarb sich im Jahr 2023 offiziell bei der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen unter dem Motto „Stadt.Mensch.Fluss. – Die Pader für Europa“. Im Oktober 2024 wurde das Projekt von der Kultusministerkonferenz als deutscher Kandidat für das Europäische Kulturerbe-Siegel nominiert. Die Entscheidung fiel auf die Pader, da sie beispielhaft für die Werte und Traditionen der europäischen Wasserlandschaft steht.
Das Quellgebiet der Pader, das in der Nähe des Doms entspringt, ist besonders eindrucksvoll. Mit rund 200 ergiebigen Quellen, die bis zu 9.000 Liter Wasser pro Sekunde abgeben, zählt es zu den stärksten Quellgebieten in Deutschland. Der Verein „Freunde der Pader“ hat sich seit über 15 Jahren der Aufwertung dieser Flusslandschaft gewidmet, die nun als Oase der Erholung und als einzigartiger Kulturschatz gewürdigt wurde. Prof. Fäßler äußerte stolz, dass die offizielle Entgegennahme der Auszeichnung auch die historische Bedeutung der Flusslandschaft Pader unterstreicht.
Das Europäische Kulturerbe-Siegel
Die Pader ist eine von insgesamt 13 neu ausgezeichneten Stätten, die das Europäische Kulturerbe-Siegel im Jahr 2025 erhalten haben. Zu diesen Stätten zählen unter anderem das Landeszeughaus in Graz, das Königliche Museum von Mariemont in Belgien und das Salzproduktions- und Stadtzentrum in Provadia, Bulgarien. Die Auszeichnung ist Teil des Programms „Kreatives Europa“ und dient der Förderung des europäischen Erbes.
Die Auswahl der 13 Stätten, die in diesem Jahr ausgezeichnet wurden, ist die höchste Zahl seit 2014 und wurde von einer Jury unabhängiger Experten aus insgesamt 21 Kandidaten vorgenommen. Mit der Verleihung des EHL wird nicht nur der kulturelle Wert der Pader unterstrichen, sondern auch der Beitrag, den diese Stätte zur europäischen Identität leistet.
Die Paderlandschaft ist nun offiziell als europäisches Kulturerbe anerkannt und stellt eine Verbindung zwischen Geschichte und Kultur dar, die tief in die Identität der Region Ostwestfalen-Lippe verwurzelt ist. Dieses neu gewonnene Erbe bringt nicht nur Stolz für die Paderborner, sondern auch eine größere Aufmerksamkeit für die kulturellen und natürlichen Schätze, die die Region zu bieten hat.