Was passiert, wenn Inhaftierte schwer erkranken? Diese Frage beschäftigt derzeit das Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), das im Rahmen der Studie „ARREST“ die palliativmedizinische Versorgung von Gefangenen in Niedersachsen untersucht. Der Fokus liegt dabei auf der Aufdeckung von Defiziten und Potenzialen bei der Versorgung schwerkranker Gefangener, die häufig in einem oft vergessenen Bereich unseres Gesundheitssystems leben.

In Deutschland werden sterbende Inhaftierte meist vorzeitig aus der Haft entlassen, sofern die öffentliche Sicherheit nicht gefährdet ist. Dies ist jedoch nur ein kleiner Teil der Realität, denn das allgemeine Recht auf palliativmedizinische Versorgung gilt auch innerhalb von Justizvollzugsanstalten (JVA). Die aktuellen Umstände zeigen jedoch, dass diese Versorgung nicht strukturell verankert ist, was zu wesentlichen Lücken im Gesundheitssystem führt. Diese Erkenntnisse sind ein zentraler Bestandteil der ARREST-Studie, die mit rund 356.000 Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) über 30 Monate gefördert wird. Außerdem ist eine enge Kooperation mit den 13 selbstständigen Justizvollzugsanstalten in Niedersachsen durch die Unterstützung ihrer Anstaltsleitungen gewährleistet.

Von der Forschung zur Praxis

Die Studie möchte die Perspektive der Betroffenen erforschen und die Bedürfnisse schwerkranker und sterbender Inhaftierter sowie Entlassener erfassen. Auf diese Weise soll die Realität der palliativmedizinischen Versorgung in Haft untersucht werden. Hierbei wird auf qualitative Methoden gesetzt; narrative Interviews mit den Inhaftierten bilden die Grundlage für die erste Phase der Untersuchung. In der zweiten Phase erfolgt die Befragung von Mitarbeitern, die an der versorgenden Schnittstelle tätig sind, um ein umfassendes Bild der Situation zu gewinnen.

Ein weiterer Aspekt ist der demografische Wandel in den Justizvollzugsanstalten: Über 60-Jährige sind die am schnellsten wachsende Gruppe unter den Insassen. Dies stellt nicht nur eine Herausforderung für die medizinische Versorgung in Haft dar, sondern wirft auch weitere Fragen auf: Wie gehen Justizvollzugsanstalten mit der zunehmenden Zahl von schwerkranken Gefangenen um? Welche Behandlungen sind notwendig, und wie können diese effizient umgesetzt werden?

Forschungslücken schließen

Die ARREST-Studie zielt darauf ab, Forschungslücken zu schließen, die sich bis dato im eng umkämpften Bereich der Palliativversorgung im Strafvollzug zeigen. In Deutschland gibt es kaum Studien, die sich diesem Thema gewidmet haben, was die Situation der Inhaftierten beträchtlich einschränkt. Oftmals stehen Stigmatisierung, Einsamkeit und Konflikte im Weg einer adäquaten medizinischen Versorgung, während gleichzeitig die Anzahl von schwerkranken Gefangenen, welche die Versorgung benötigen, offensichtlich zunimmt.

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Die Ergebnisse der ARREST-Studie versprechen nicht nur eine detaillierte Aufschlüsselung der Mängel im System, sondern auch richtungsweisende Erkenntnisse, die die Palliativversorgung in Haft langfristig verbessern könnten. Gerade in Zeiten, in denen die Versorgung im öffentlichen Gesundheitssystem bereits als herausfordernd gilt, sind solche Forschungsprojekte unerlässlich, um den Bedürfnissen dieser verletzlichen Gruppe gerecht zu werden.

Weitere Informationen über die Studie und deren Ziele finden Sie auf der Webseite der Medizinischen Hochschule Hannover: MHH und bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft: DFG.