Eine faszinierende Entdeckung im Bereich der Parasitologie und Verhaltensforschung zeigt, dass der Bandwurm Anomotaenia brevis das Leben von Ameisen der Art Temnothorax nylanderi entscheidend beeinflusst. Laut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) leben infizierte Arbeiterinnen dieser Ameisenart deutlich länger als ihre nicht infizierten Nestgenossinnen. Diese Erkenntnisse wurden in einer umfassenden Studie veröffentlicht, die sich über mehrere Jahre hinweg zog.

Die Forscher untersuchten Ameisen aus dem Lennebergwald bei Mainz und teilten sie in drei Gruppen ein: Königinnen, infizierte Arbeiterinnen und nicht infizierte Arbeiterinnen. Laut den Ergebnissen leben die infizierten Arbeiterinnen bis zu 20 Jahre, was sie in Bezug auf die Überlebensrate den Königinnen annähert. Königinnen erreichen in der Regel ein Alter von bis zu 20 Jahren, während nicht infizierte Arbeiterinnen selten das zweite Lebensjahr erreichen. Diese Unterschiede in der Lebensdauer sind nicht nur bemerkenswert, sondern auch auf veränderte physiologische Zustände zurückzuführen, die durch die Infektion hervorgerufen werden berichtet.

Veränderungen in der Physiologie

Infizierte Arbeiterinnen zeigen im Vergleich zu ihren gesunden Artgenossen signifikante physiologische Veränderungen. Sie sind weniger aktiv und deren Stoffwechsel ähnelt dem von Königinnen. Eine eingehende Analyse der Gehirne und Fettkörper der Ameisen mittels RNA-Sequenzierung offenbarte, dass Gene, die mit Stoffwechsel, Immunsystem, Stressresistenz und Alterungsprozessen in Verbindung stehen, betroffen sind. Diese Anpassungen reflektieren eine Art von parasitärer Manipulation, die es dem Bandwurm ermöglicht, seine Wirtstiere zu optimieren, um günstige Lebensbedingungen zu erhalten stellt die VBIO fest.

Ein interessanter Aspekt der Studie war, dass die infizierten Arbeiterinnen ein königinnenähnliches molekulares Profil im Fettkörper aufweisen. Gleichzeitig zeigten sich signifikante Unterschiede im Gehirn: Viele Neuropeptide und deren Rezeptoren sind bei den infizierten Ameisen herunterreguliert. Diese Veränderungen könnten zu einem weniger arbeiterinnentypischen Verhalten führen, da die Signalwege des Gehirns neu konfiguriert werden vermerkt.

Überlebensstrategien und weitere Forschung

Die Studie zeigte zudem, dass über drei Jahre mehr als 95 % der nicht infizierten Arbeiterinnen starben, während über 50 % der infizierten Arbeiterinnen überlebten. Infizierte Ameisen zeigen auch eine hellere Farbe und scheinen in einem Zustand zu verharren, der dem Jugendstadium ähnelt: Sie besitzen ähnliche Stoffwechselraten und Fettanteile wie junge Tiere erläutert das Forschungsteam.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Der Bandwurm gibt Proteine mit Antioxidantien in die Hämolymphe der Ameisen ab, was Gene beeinflusst, die das Altern steuern. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass infizierte Ameisen aktiv um bessere Versorgung betteln; stattdessen fördern chemische Signale die Zuwendung ihrer Nestgenossen. Diese asymmetrische Beziehung zwischen Parasit und Wirt eröffnet neue Perspektiven für die Forschung zu molekularen und epigenetischen Faktoren, die die hohe Lebenserwartung der infizierten Arbeiterinnen erklären besonderen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Studie das Ameisen-Bandwurm-System zu einem einzigartigen Modell macht, um parasitische Manipulationen von Alterung und Verhalten eingehend zu untersuchen. Die Ergebnisse könnten auf künftige Forschungsansätze zur Interaktion zwischen Parasiten und ihren Wirten hinweisen.