Am 11. Juni 2026 wird Björn Bremermann, bislang Co-Trainer der Frauenmannschaft von Werder Bremen, neuer Chef-Coach der U-19-Mannschaft. Dies kündigt sich in einem spannenden Kontext an, denn Bremermann führt derzeit Untersuchungen im Rahmen seiner Doktorarbeit an der Universität Vechta durch. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Einfluss der Persönlichkeit von Fußballern auf deren Profi-Karriere. Dabei befragt er Spieler aus verschiedenen Ligen, darunter die Bundesliga, die Nationalmannschaft sowie die Champions League.
Bremermann hat die Vertraulichkeit der Befragungen zugesichert, da es sich um qualitative Interviews handelt, die persönliche Einblicke bieten. Erste Erkenntnisse seiner Forschung verdeutlichen, dass der Umgang mit Druck eine entscheidende Rolle für den Erfolg im Profifußball spielt. So berichtete ein Nationalspieler, wie er während des WM-Viertelfinals 2006 gegen Argentinien in der Lage war, den Druck auszublenden und einfach zu spielen. Dies zeigt den hohen Stellenwert der mentalen Stärke in stressreichen Spielsituationen.
Einblick in die Persönlichkeitsmerkmale
Bremermann hebt hervor, dass neben fußballerischen Qualitäten auch Persönlichkeitseigenschaften von großer Bedeutung sind. Ein reines „Mentalitätsmonster“ reiche nicht aus, um in der Bundesliga zu bestehen. Es gibt deutliche Unterschiede zwischen Top-Spielern und dem Rest – ein starkes Selbstbewusstsein ist häufig bei den Besten ausgeprägt, aber nicht bei allen. Zudem müssen Spieler lernen, sowohl Misserfolge als auch Erfolge gesund einzuordnen. Spitzenspieler zeichnen sich durch eine besondere Ambition aus, ihre Fähigkeiten stetig zu verbessern und letztlich zu gewinnen.
Der Kontext von Persönlichkeitsmerkmalen wird zudem durch das Gespräch zwischen Tobias Haupt und Oliver Bierhoff in der ARD Sportschau am 19. Februar 2020 erweitert. Dort wurden Kernprobleme im deutschen Fußball angesprochen. Insbesondere wird die Talentförderung und die Ausbildung von Trainern als reformwürdig erachtet. Haupt stellt fest, dass Talent wieder in den Mittelpunkt gerückt werden muss, während Bierhoff anmerkt, dass der Fokus in den letzten Jahren zu technokratisch gewesen sei.
Die Bedeutung des Big Five Modells
Um die Persönlichkeitsentwicklung sowohl von Trainern als auch von Spielern zu verbessern, schlagen die beiden Experten die Anwendung des „Big Five“-Modells vor. Dieses psychologische Modell umfasst fünf entscheidende Faktoren:
- Extraversion: Reaktion auf äußere Reize, Teamfähigkeit, Aktivität.
- Verträglichkeit: Kooperationsbereitschaft, Mitgefühl, Freundlichkeit.
- Gewissenhaftigkeit: Selbstkontrolle, Verantwortungsbewusstsein, Organisation.
- Neurotizismus: Verarbeitung negativer Emotionen, Unsicherheit, Angst vor Misserfolg.
- Offenheit für Erfahrungen: Bereitschaft, Normen zu hinterfragen, Unabhängigkeit im Urteil.
Die Verwendung des Big Five Tests könnte es ermöglichen, Persönlichkeiten besser einzuschätzen und entsprechend zu fördern. Dies könnte besonders wertvoll in der talentierten Nachwuchsarbeit sein, da Emotionen und Freude am Spiel oft zu kurz kommen, wie die beiden Experten feststellen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Bremermanns Untersuchungen im Zusammenspiel mit den Erkenntnissen von Haupt und Bierhoff wichtige Impulse für eine tiefere Auseinandersetzung mit der psychologischen Dimension im Fußball geben. Die Bedeutung der Persönlichkeitspsychologie könnte die Entwicklung des Sports nachhaltig beeinflussen. Das vollständige Interview von Bremermann ist auf Wissenschaft-im-Norden.de verfügbar, was ermöglicht, tiefere Einblicke in die aktuellen Erkenntnisse zu erhalten.